Berufsfischer rechnet mit mehr Ertrag
Temperaturen über 30 Grad, erhöhte Waldbrandgefahr und niedrige Pegelstände: Es war ein Sommer der Rekorde. Viele Fische im Bodensee haben sich im wärmeren Wasser jedoch wohlgefühlt: Berufsfischer Franz Blum rechnet etwa mit 25 Prozent mehr Ertrag. Vor allem Kretzer gehen ihm momentan gerne ins Netz.
Die vergangenen Jahre waren für die Berufsfischer am Bodensee alles andere als leicht. Invasive Arten wie die Quagga-Muschel, der Kamberkrebs und auch der Kormoran haben den Fischfang erschwert.
Wie schwierig die Lage für die Berufsfischer ist, zeigt sich auch daran, dass ihre Zahl immer weiter zurückgeht. Laut Nikolaus Schotzko, Leiter des Landesfischereizentrums, gibt es derzeit nur noch fünf Berufsfischer in Vorarlberg. Vor zehn Jahren waren es noch 15. Rund um den Bodensee – also auch über die österreichische Staatsgrenze hinaus – gibt es 2026 noch 60 Berufsfischer.
Im Sommer hat sich das Wasser am Bodensee deutlich zurückgezogen. Derzeit liegt der Pegelstand bei 257 Zentimetern. Das Ausmaß ist vor allem am Rohrspitz im Rheindelta deutlich sichtbar.
Berufsfischer Franz Blum sagt, dass sich die Wärme aber nicht unbedingt schlecht auf seine Fänge ausgewirkt hat: "Es ist jetzt in Prozent, schwer zu sagen. Aber ich würde sagen, dass ich dieses Jahr sicher 25 Prozent mehr fange als letztes Jahr." Blum verweist bei dieser Zahl aber auch darauf, dass sich der Vergleich auf noch schlechtere Jahre bezieht. "Wenn man das mit guten Jahren vergleicht, sind wir immer noch unterschwellig unterwegs", sagt Blum weiter.
Vor allem der Kretzer – auch bekannt als "Egli" oder "Barsch" – geht ihm momentan zahlreich ins Netz. Dieser kann im Gegensatz zum Felchen aber nur einige Monate gefangen werden. Damit ist und bleibt der Felchen vor allem aus wirtschaftlicher Sicht der wichtigste Fisch für die Berufsfischer. Seit drei Jahren muss dieser jedoch geschont werden, darf also nicht gefangen werden.
Ab 2027 dürfen die Fischer am Obersee des Bodensees unter strengeren Auflagen wieder Felchen fangen. Das haben die Anrainerstaaten Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein bei einer Sitzung der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) im bayerischen Wasserburg beschlossen – mehr dazu in Felchenfang unter Auflagen wieder erlaubt (vorarlberg.ORF.at, 18.06.2026).
Inwieweit sich der Felchen-Bestand erholt hat, werde man sehen, sagt Blum. Obwohl der Fisch ab 2027 wieder gefangen werden kann, wird man "einmal ganz sanft damit beginnen". Blum wird dafür weitmaschigere Netze verwenden. Zudem darf der Fisch nur mehr an wenigen Tagen gefangen werden. Die Fangzeit beginnt künftig also im Mai und endet im August. Vor der Schonung durfte der Felchen fast das ganze Jahr über gefangen werden.
Wie viele Fische und vor allem welche Arten Franz Blum ins Netz gehen, ist für den Berufsfischer vor seiner Fahrt auf den Bodensee nur schwer abschätzbar. Er wünscht sich von seinen Kundinnen und Kunden daher in Zukunft vor allem kulinarische Flexibilität. "Ich sage immer, wenn man etwas vom See essen will, dann müssen wir das nehmen, wie der Tagesfang ist. Ob das jetzt eine Schleie ist, ein Wels oder ein Hecht einmal – das ist alles gut zum Essen. Die Leute müssen sich nur trauen und es probieren", sagt Blum weiter.
Biologe Walter Niederer erklärt sich den besseren Fischfang am Bodensee vor allem damit, dass der See deutlich mehr Wasservolumen hat als kleinere Bäche. Manche Flüsse waren im Sommer ganz ausgetrocknet, etwa der Ruggbach im Leiblachtal. Dort waren dann auch keine Fische mehr.
Am Alten Rhein in Höchst ragen auch jetzt im Herbst noch Kies und grüne Inseln aus dem Wasser. Trotzdem fühlen sich die Fische im Fluss derzeit wohl: "Der Alte Rhein hier in Höchst hat ein sehr, sehr niedriges Wasser. Dadurch ist das Wasser aber wärmer geworden und das ist für die Bach- und Flussfische natürlich sehr gut. Die sind sehr, sehr gut gewachsen", sagt Niederer. Sollte es aber auch in Zukunft weniger Regen geben, könnte es Niederer zufolge dann aber auch am Alten Rhein problematisch für die Fische werden.