Rund 560 Saisonier-Plätze für Vorarlberg
Die von Vorarlbergs Hotellerie dringend erwartete Regelung steht: Für 2027 und 2028 gibt es bundesweit 6.250 Saisonierplätze für den Tourismus, dazu einen Überziehungsrahmen von 50 Prozent. Nicht genutzte Kontingente dürfen künftig andere Bundesländer verwenden. Auf Vorarlberg entfallen rund 560 Plätze – in etwa so viele wie zuletzt tatsächlich genutzt wurden.
Die Bundesregierung hat sich auf das Saisonierkontingent für den Tourismus geeinigt. Laut einer Mitteilung des Sozialministeriums vom Freitagabend umfasst das Kontingent 6.250 Saisonarbeitskräfte bundesweit. Davon entfallen rund 560 auf Vorarlberg, so das Ministerium am Freitagabend auf Nachfrage des ORF Vorarlberg. Diese Zahl errechnet sich aus dem bisherigen Kontingent minus 22 Prozent – was grob dem nicht ausgeschöpften Anteil im vergangenen Jahr entspricht.
Neu ist, dass die Kontingente gleich für zwei Jahre – 2027 und 2028 – festgelegt werden. Zusätzlich gibt es einen Überziehungsrahmen von 50 Prozent, und nicht ausgeschöpfte Kontingente können künftig von Betrieben in anderen Bundesländern genutzt werden. In den Erläuterungen sei laut Ministerium eine Länderkontingentierung eingebaut, "wobei die Flexibilität unter den Ländern gewahrt ist".
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) verweist auf die Vorlaufzeiten in den Betrieben: "Unsere Tourismusbetriebe brauchen Planungssicherheit, um sich rechtzeitig auf die Winter- und Sommersaison vorbereiten zu können." Mit der Einigung und der Festlegung für zwei Jahre werde "genau diese Verlässlichkeit" geschaffen.
Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS), selbst karenzierter Hotelier, argumentiert ähnlich: "Die Saison beginnt nicht erst, wenn der erste Gast eincheckt, sondern Monate davor, wenn Mitarbeiter gesucht werden und der Betrieb vorbereitet wird."
Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) betont die arbeitsmarktpolitische Seite: Saisonarbeitskräfte könnten dort einen Beitrag leisten, "wo der zusätzliche Personalbedarf nicht aus dem verfügbaren Arbeitskräftepotenzial im Inland gedeckt werden kann". Und: "Dabei ist klar: Die Vermittlung heimischer Arbeitskräfte hat Vorrang."
Vor jeder Beschäftigungsbewilligung prüft das Arbeitsmarktservice, ob die offene Stelle mit einer beim AMS vorgemerkten oder bereits am Arbeitsmarkt integrierten Arbeitskraft besetzt werden kann. Außerdem müssen die geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen eingehalten und eine ortsübliche Unterkunft für die Dauer der Beschäftigung nachgewiesen werden.
In der an Redaktionen versandten Unterlage des Ministerbüros findet sich zusätzlich eine interne Anmerkung, die das Ergebnis politisch bewertet: Es bleibe "ein Minus von rund 22% (genau 21,875)", das sei "unser zentraler Erfolg". Im Ministerium verweist man hingegen darauf, dass die Verordnung heuer überdurchschnittlich früh fertig geworden ist. In den vergangenen Jahren wurde sie erst im Dezember veröffentlicht. Seit 2019 gibt es Jahresverordnungen, davor wurden Winter-, Sommer- und Landwirtschaftskontingente getrennt erlassen.
Vorangegangen war massive Kritik aus der Branche. Noch am 27. Oktober – wenige Tage vor der Einigung – hatte Heike Ladurner-Strolz, Obfrau der Vorarlberger Hotellerie und Chefin des Hotels Zimba in Schruns, im Gespräch mit vorarlberg.ORF.at gewarnt: "Wir haben ganz klar fünf nach zwölf und jeder Tag, der vergeht, ist eigentlich wirklich schlimm für die nächste Wintersaison." Es sei "ein jahrelanges Problem", dass die nötigen Zahlen fehlten – das sorge für eine unruhige Zwischensaison, "weil man einfach zittert".
In ihrem Betrieb mit rund 40 Beschäftigten kämen etwa zehn Prozent über die Kontingente; bei zwei Mitarbeitenden sei offen gewesen, ob sie kommen. Entscheidend sei die Vorlaufzeit, weil Beschäftigte aus Serbien, Nepal oder Sri Lanka Visa über Botschaften beantragen müssten. Der Gewerkschaft warf sie "Tourismus-Bashing" vor; das Argument, es gebe genügend Fachkräfte im Inland, gelte nur bedingt.