Marode Leitungsnetze als Damoklesschwert
Der vergangene Sommer hat aufgezeigt, dass auch in Tirol die Ressource Wasser nicht grenzenlos zur Verfügung steht. In etlichen Gemeinden hatte sich die Quellschüttung halbiert, es gab Aufrufe zum Wassersparen. Aber auch die zahlreichen veralteten Leitungsrohe bereiten den Gemeinden angesichts knapper Budgets Kopfzerbrechen.
Die Trinkwasserleitungen sind in der Gemeinde Höfen (Bezirk Reutte) aktuell der Krisenherd der Infrastruktur. Die gusseisernen Leitungen sind 60 bis 80 Jahre alt, Rost und Korrosion machen die schrittweise Erneuerung trotz immenser Kosten allein aus hygienischen Gründen erforderlich.
Zudem gibt es die Problematik riesiger Mengen Sickerwasser. Mehr als die Hälfte der aus den Quellen in den Hochbehälter gepumpten Wassermenge war auf dem Weg durch das alte Leitungsnetz versickert. Von 154.000 Kubikmeter Wasser konnte die Gemeinde laut Bürgermeister Rüdiger Reyman zuletzt nur 66.000 Kubikmeter verrechnen. Ein finanzieller Verlust und unerwartete Zusatzkosten, denn an sieben Stellen müssen jetzt Rohrbrüche und Risse in den Uralt-Leitungen noch vor der Generalsanierung repariert werden.
Für den Präsidenten des Gemeindeverbandes Karl-Josef Schubert ist die Situation in Höfen beispielhaft für die Schwierigkeiten in vielen Gemeinden. Keine Gemeinde könne sich heutzutage noch das Versickern von Wasser leisten. Sanierungen seien aber gleichzeitig für viele Gemeinden eine besondere finanzielle Herausforderung.
Laut Stefan Wild von der Abteilung Wasserwirtschaft müssen in den kommenden Jahren in ganz Tirol veraltete Trinkwassernetze saniert oder erneuert werden müssen. "Wir haben sehr viele sehr alte Leitungen, Quellfassungen und Behälter in Tirol. Wir beraten die Gemeinden intensiv, dass sie die Systeme kontrollieren und erhalten." Wer es sich leisten kann, werde auch Quellen sanieren und nach Möglichkeit ergiebiger machen.
In Gnadenwald wird nach einem Sommer mit Starkregenereignissen und darauffolgenden Verunreinigungen im Wassersystem derzeit ein Teilstück der veralteten Wasserleitung mitten im Ort um rund 250.000 Euro saniert. Es sei sehr schwierig, so große Ausgaben mit eigenen Mitteln zu stemmen, so Bürgermeisterin Heidi Profeta, letztlich gehe das nur über Förderungen. Gemeinden müssten früher oder später Gebührenerhöhungen in Erwägung ziehen, so unpopulär dies bei den Bürgerinnen und Bürgern auch sein möge, so Profeta. Laut Berechnungen des Landes wird allein die Sanierung alter Trinkwasserleitungen in Tirols Gemeinden im kommenden Jahr 40 Millionen Euro kosten.