Ingwer & Co: Gewürztrends mit Mut zur Schärfe
Die Auswahl der Gewürze in Österreichs Küchen wird mutiger, schärfer und rauchiger. Das geht aus einer Befragung im Auftrag der Firma Kotanyi hervor, bei der die aktuellen Gewürztrends erhoben wurden. Demnach wird unter anderem Ingwer immer beliebter.
Für 7,3 Prozent der Befragten war Ingwer heuer die "persönliche Neuentdeckung des Jahres", teilte der Gewürzhersteller mit Sitz in Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach) in einer Aussendung anlässlich des Welttages der Gewürze am Samstag mit. Grundlage ist eine im Juli und August 2026 durchgeführte Onlinebefragung von 505 Personen in Österreich. Spitzenreiter bei den Neuentdeckungen blieb Curcuma, gefolgt von italienischen Kräutern. Ingwer sei allerdings im Ranking von Platz acht auf Platz drei vorgerückt.
Ingwer wird hauptsächlich in Asien angebaut, mittlerweile haben aber auch einige heimische Höfe den Ingweranbau als Nische für sich entdeckt. In Altlichtenwarth (Bezirk Mistelbach) baut beispielsweise Florian Woditschka seit sechs Jahren Ingwer – in kleineren Mengen auch Curcuma – in einem Folientunnel an.
"Der getrocknete Ingwer aus dem Supermarkt hat mich einfach nie überzeugt", erzählt Woditschka bei einem Lokalaugenschein von noe.ORF.at. Der Geschmack des frischen Ingwers habe ihn dann "so begeistert, dass ich gesagt habe, das will ich erweitern."
Aktuell ist Erntezeit, pro Jahr kommen ca. 150 bis 200 Kilogramm zusammen, erzählt der Landwirt. Verkauft wird in regionalen Läden sowie Ab-Hof. Er schmecke "zarter und saftiger", meint Woditschka, sowie weniger fasrig. Frischer Ingwer müsse auch nicht geschält werden. Woditschka isst ihn etwa auch dünn aufgeschnitten am Butterbrot.
Die natürlichen Scharfstoffe (Gingerole) sorgen bei vielen für ein wärmendes Gefühl, Ingwer gilt zudem als beliebtes Hausmittel in der Erkältungszeit. Beim Trocknen und Erhitzen verändern sich seine Inhaltsstoffe: Aus Gingerolen können Shogaole entstehen. Diese können eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung haben, erklärt Ernährungswissenschafterin Julia Geißler-Katzmann aus Wolkersdorf.
Dass Ingwer bei den Befragten immer beliebter werde, führt man bei Kotanyi unter anderem darauf zurück, dass er "verschiedene Geschmackskomponenten in einem Gewürz" verbinde, sagt Elisabeth Voltmer, Leiterin Qualitätsmanagement und Produktentwicklung bei Kotanyi gegenüber noe.ORF.at. "Wir haben diese wärmenden Geschmacksnoten, wir haben intensiv fruchtig, leicht zitronige Geschmacksnoten, aber auch diese klassische Schärfe."
Gewürze wie Salz, Pfeffer, Paprika, Oregano und Schnittlauch gelten für die Befragten als unverzichtbar, gleichzeitig sind aber viele auch offen für Neues. Laut Voltmer seien etwa rauchige und scharfe Noten im Kommen, auch der herzhafte Umami-Geschmack werde immer beliebter.
Österreichische Klassiker würden damit zum Teil neu interpretiert: "Das Schnitzel wird nicht mehr klassisch zubereitet, sondern da ist man kreativ. Man würzt die Panade beispielsweise mit einer Spur Cayennepfeffer oder Chili oder auch Kurkuma-Varianten."
Inspiration holen sich die Befragten mittlerweile auch im digitalen Bereich: KI-Tools wie ChatGPT (10,1 Prozent) oder Reels und kurze Kochvideos liefern immer häufiger Ideen für neue Kombinationen und Rezepte, vor allem bei den 18- bis 29-Jährigen.