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Auftakt zu Handels-KV: Harte Verhandlungen nach Reallohnverlusten

Auftakt zu Handels-KV: Harte Verhandlungen nach Reallohnverlusten

Auftakt zu Handels-KV: Harte Verhandlungen nach Reallohnverlusten

Am Donnerstag haben die Verhandlungen über die Inflationsanpassung im Handels-KV für 420.000 Angestellte und 19.000 Lehrlinge begonnen. Die vergangenen drei Abschlüsse lagen unter der rollierenden Inflation, der Teuerung der vergangenen zwölf Monate, und bedeuteten deshalb jeweils einen Reallohnverlust. Die Gewerkschaft GPA forderte denn auch am Donnerstag 3,8 Prozent Gehaltserhöhung. Es werden harte Gespräche erwartet.

Neben 3,8 Prozent mehr Gehalt fordert die Gewerkschaft weiters einen Zuschlag ab der ersten Stunde Mehrarbeit, eine Zulage für das Einspringen und eine verbindliche Fünftagewoche. Weiters soll die sechste Urlaubswoche früher erreicht werden können, so die Forderungen der GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer nach der Übergabe der Forderungen an Arbeitgebervertreter Rainer Trefelik am Donnerstagvormittag in der Wirtschaftskammer in Wien.

Für Trefelnik ist die geforderte Erhöhung zu hoch, auch bei den Änderungen im Rahmenrecht bremste er. "3,8 Prozent gehen sich schlicht und ergreifend nicht aus", so Trefelik. Seit 2023 verliere der Handel kontinuierlich Arbeitsplätze, und es gebe leider kein Signal der Erholung. Der Einzelhandel habe eine Umsatzrentabilität, die unter jenen der meisten anderen Branchen liege. Es sei eine "sehr, sehr schwierige Situation", so der Chefverhandler der Arbeitgeber.

Keizer hingegen zeichnete ein anderes Bild, sie verwies auf die leicht positiven Konjunkturprognosen der beiden großen Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS. 2026 soll das Wirtschaftswachstum bei 0,8 bis 0,9 Prozent liegen, 2027 dann bei 1,0 bis 1,3 Prozent. Die Inflation soll heuer 3,3 Prozent (WIFO) bzw. 3,1 Prozent (IHS) betragen, 2027 dann 2,6 bzw. 2,8 Prozent.

Im Verkauf liegt das Einstiegsgehalt aktuell bei 2.251 Euro brutto. Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt 2.586 Euro brutto, was 1.949 Euro netto entspricht, bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden.

Bei einer 25-Stunden-Anstellung sinkt das Nettoeinstiegsgehalt im Handel auf 1.237 Euro. Im Handel ist die Teilzeitquote besonders hoch, mehr als jeder und jede Zweite hat keine Vollzeitanstellung. Zwei von drei Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel fast drei Viertel. Deutlich geringer als etwa in der Metallindustrie ist der Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern, konkrete Zahlen nennt die Gewerkschaft aber nicht.

Traditionell läutet die Metallindustrie die Herbstlohnrunde ein, nach einer Einigung auf einen Zweijahresabschluss im Vorjahr entfielen heuer die Verhandlungen. Auch für die Metaller gab es damals einen Gehaltsabschluss unter der Jahresinflation.

Mit 1. November steigen in der Metallindustrie die Ist-Löhne und Gehälter um 1,9 Prozent und die kollektivvertraglichen Mindestentgelte um 2,1 Prozent, also deutlich unter der Teuerungsrate. Bei den Metallern liegt der Mindestlohn für 2027 bei 2.622 Euro brutto.

Mehrere große Branchen befinden sich bereits in der Herbstlohnrunde. Seit 12. Oktober laufen die Verhandlungen für rund 55.000 Beschäftigte in 98 Eisenbahnunternehmen. Am 19. Oktober begannen die Verhandlungen für die rund 90.000 Beschäftigten in der IT-Branche. Für die 10.000 Beschäftigten bei der A1 Telekom finden die Gespräche seit 20. Oktober statt.

Der Kollektivvertrag ist eine zentrale Säule der Arbeitsvereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wesentlicher Bestandteil ist die Höhe der Löhne und Gehälter, aber auch Arbeitszeit- und Urlaubsregeln spiegeln sich darin wider. Eine Bezahlung der Beschäftigten unter dem Kollektivvertrag für die jeweilige Branche ist verboten, der KV gilt auch für den Leiharbeitssektor.

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