EU wappnet sich für Konflikte in der Arktis
Die EU wappnet sich für mögliche Konflikte in der Arktisregion. Eine neue Strategie der Europäischen Kommission sieht vor, den hohen Norden künftig deutlich mehr aus sicherheitspolitischer Perspektive zu betrachten.
Konkret soll demnach eine Koordinierungsstelle für die Überwachung und den Schutz von Unterseekabeln sowie die Beobachtung der russischen Schattenflotte und illegaler Fischerei geschaffen werden. Zudem sind etwa eine Aufstockung der europäischen Eisbrecherkapazitäten sowie der Ausbau von zivilen Verkehrswegen für die militärische Nutzung vorgesehen.
Auch die satellitengestützte Überwachung soll verstärkt werden. Dazu sollen unter anderem die EU-Systeme Copernicus und Galileo ausgebaut beziehungsweise stärker für die Beobachtung der Arktis genutzt werden.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, die Arktis sei inzwischen eine "Frontlinie des globalen Großmachtwettbewerbs". Russland und China bauten ihre Präsenz aus und verfolgten weitergehende Ambitionen. So habe Moskau in der Region Stützpunkte aus Sowjetzeiten wieder in Betrieb genommen und teste dort neue Waffen. Drohnenvorfälle, GPS-Störungen und die Sabotage von Unterseekabeln gefährdeten die Sicherheit. Ein ranghoher EU-Beamter sagte, die Arktis könne nach einem Ende des Ukraine-Krieges zum nächsten großen sicherheitspolitischen Brennpunkt werden.
Geografisch liegen vor allem die nördlichen Teile der EU-Länder Finnland und Schweden im Arktisgebiet. Zudem ist für die EU auch Grönland äußerst relevant. Die riesige Arktisinsel ist zwar nicht Teil der EU, gehört aber zum Königreich Dänemark.
Wie viel die Umsetzung der neuen Strategie kosten soll, ist offen. Die EU-Kommission nennt weder eine Gesamtsumme noch Kosten für zentrale Vorhaben wie zusätzliche Eisbrecher oder neue Einrichtungen zum Schutz von Unterseekabeln. Mit Blick auf die Eisbrecherfähigkeiten erklärte ein EU-Beamter, dass nun erst einmal ermittelt werden solle, wie viele und welche Schiffe Europa benötige.
Mit Blick auf die mögliche Ausbeutung von Öl-, Kohle- und Gasvorräten will die EU bei ihrem Kurs bleiben und dafür eintreten, dass diese in der Region nicht ausgebeutet werden. Beim Thema der kritischen Rohstoffe sieht es allerdings anders aus. Zu diesen will sich die EU möglichst einen Zugang sichern. In der Arktis lagern unter anderem Seltene Erden sowie wichtige Batterierohstoffe wie Nickel, Kobalt und Graphit.