Wagner segelt in Wien zur "Onedin Linie"
Richard-Wagner-Opern im engen Theater an der Wien sind ein Wagnis. Gestern jedenfalls zeigte Regisseur Philipp Stölzl, dass Wagner an der Wien sehr wohl geht: Seine 15 Jahre alte Inszenierung des "Fliegenden Holländers" wurde nach Basel und Berlin auch hier zum Triumph.
Die Wiener Symphoniker unter Robert Jindra und der Arnold Schoenberg Chor trugen ein doch junges Ensemble in Richtung Oberliga. Gelungen ist das auch durch eine raffinierte Ausdeutung dieser Oper, die die Moderne vor sich sieht, aber die Romantik noch nicht ganz abgestreift hat. Stölzl, der Regisseur für Rammstein und auch Winnetou, hat diesen Plot schlicht in den Fernsehklassiker "Onedin Linie" gesetzt. Und das Publikum ist alt genug, um sich in diesem Setting wiederzufinden.
Daland (Wilhelm Schwinghammer) ist James Onedin, der mit dem Holländer (Jordan Shanahan) ein glänzendes Geschäft machen will, was den anzuheiratenden Kronprinzen Erik (Cameron Becker) in Bedrängnis bringt. Die Reeder-Tochter Senta (Ambur Braid) befindet sich da freilich auf einer anderen Ebene: In einer Form von viktorianischer Lesesucht hat sie sich in die Geschichte des Holländer-Stoffs so verliebt, dass sie die gesamte Handlung im Haus der Onedins vielleicht nur träumt.
Das große Gemälde in der Onedischen Bibliothek wird zum belebten Bild, die Leinwand hochgezogen und in den Bildraum dahinter hinein gespielt. Sentas Entrückung mutiert zur üppigen Psychose, die immer wieder inszenierten Tableaus Vivants spielen wissend mit der Kunstgeschichte. Das ist, wie die Herkunft Stölzls, sehr bildungsbürgerlich und auch sehr unterhaltsam. Es ist, wie Wagner, durch und durch männlich.