Humanic richtet sich unter Mass neu aus
Seit Ende März gehört die Humanic- und Shoe4You-Mutter Leder&Schuh mit Firmensitz in Graz dem slowenischen Schuhhändler Mass. Die Markenprofile sollen neu ausgerichtet werden. Humanic soll sich mehr auf Premiumware konzentrieren und Sportschuhe verkaufen.
Die Humanic-Mutter Leder&Schuh wurde 1872 in Graz gegründet und ist damit eines der ältesten Schuhhandelsunternehmen Europas. 150 Jahre lang war sie in Familienbesitz, ehe es heuer zur Übernahme durch die slowenische Mass-Gruppe kam – mehr dazu in Mass-Gruppe kauft Grazer Humanic-Mutter (27.10.2025).
Seither werden Logistik, IT und Produktmanagement neu aufgestellt, nun sollen auch die Profile der beiden Marken geschärft werden. "Humanic und Shoe4You waren nicht klar voneinander abgegrenzt. Die Überschneidungen lagen bei 60 bis 70 Prozent", sagte Konzernchef Armin Weger im APA-Gespräch.
Humanic sei mit 120 Marken zu breit aufgestellt, räumte Weger ein. Humanic soll daher premiumorientierter werden und künftig mehr Sportschuhe verkaufen. Konkret sollen in bis zu 20 der knapp über 60 Filialen eigene Humanic-Sports-Flächen eingerichtet werden. "Sport und Fashion kann man nicht mehr trennen. Laufen ist ein Lifestyle-Thema geworden", sagte Weger. Sogenannte Performance-Schuhe sollen mittelfristig zehn Prozent zum Umsatz beisteuern. Aber auch der Accessoire-Bereich rund um Handtaschen soll ausgebaut werden.
Obwohl Schuhe zunehmend online gekauft werden, sieht Weger noch Platz für neue Filialen, insbesondere für die Linie Shoe4You. Shoe4You soll das Gegenstück zum Konkurrenten Deichmann werden. Doch auch bei Humanic wolle man investieren: "Wir wollen im kommenden Jahr fünf bis acht Filialen renovieren. Bevor wir über Expansion sprechen, investieren wir zuerst in das bestehende Filialnetz", so Weger. Viel Potenzial gebe es außerdem noch im CEE-Raum, insbesondere in Bulgarien und Rumänien.
Leder & Schuh erzielte mit Humanic und Shoe4You im Vorjahr einen Umsatz von 378 Mio. Euro, ein kleines Erlösplus gegenüber 2024 mit 371 Mio. Euro. "Das letzte Geschäftsjahr war nicht so schlecht", so der Firmenchef. Man habe "bei Profitabilität und Marge einen Riesensprung nach vorne gemacht".
Aktuell ist der Schuhhändler mit Firmensitz in Graz mit mehr als 200 Filialen in neun Ländern vertreten und beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Österreich sind Humanic und Shoe4You zusammen hinter Deichmann und Zalando die Nummer drei am Schuhmarkt.
In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Schuhhandel jedoch massiv reduziert – allein zwischen 2014 und 2025 hat sich die Zahl der Standorte um ein Viertel verringert. Etliche namhafte Unternehmen – von Stiefelkönig über Delka und Reno bis Salamander – haben geschlossen. Im Vorjahr haben laut dem Marktforscher RegioData die Schuhhändler in Österreich 91 Standorte geschlossen und nur 37 neu eröffnet. Heuer sperrten bisher 59 Schuhgeschäfte zu und nur fünf Standorte wurden neu aufgemacht.
Der Grund: Neben dem Onlinehandel haben auch Bekleidungshändler wie H&M oder Zara inzwischen riesige Schuhsortimente und nehmen dem klassischen Schuhhandel Geschäft weg. "Zara ist brutal im Trend, das spüren wir schon", sagte Weger.
Um einen Onlineshop komme man auch als stationärer Händler daher nicht mehr herum. Die Verzahnung zwischen online und offline geht die Kette nun offensiver an. "Wir haben es als Service, aber wir können es uns nicht leisten, gratis zu versenden. Wir glauben an den stationären Handel", so Weger.