Rekord: "Widow's Bay" räumt bei Emmys ab
Die Horror-Comedy-Serie "Widow's Bay" ist der große Gewinner bei den Emmys. "Widow's Bay" von Apple TV+ wurde bei der Verleihung der US-Fernsehpreise am Montagabend (Ortszeit) in 14 Kategorien ausgezeichnet, unter anderem für die beste Comedy-Serie und den besten Hauptdarsteller Matthew Rhys, der auch Emmy-Geschichte schrieb. Die erste und bisher einzige Staffel der Serie gewann mehr Auszeichnungen als je zuvor eine Serie in der Comedy-Kategorie in einem einzigen Jahr bei den Emmys.
Damit knackte "Widow's Bay" den erst im vergangenen Jahr mit 13 Preisen von der Hollywood-Satire "The Studio" aufgestellten Rekord. Neben der Hauptkategorie als beste Comedy-Serie gewann "Widow's Bay" unter anderem auch Preise für das beste Drehbuch und die beste Regie.
Zudem konnten Rhys als bester Hauptdarsteller und Stephen Root und Kate O'Flynn als beste Nebendarsteller Ehrungen einsammeln. "Widow's Bay" handelt von einer abgelegenen Insel in Neuengland, ihren abergläubischen Bewohnerinnen und Bewohnern und einem exzentrischen Bürgermeister, gespielt von Rhys.
Unter anderem dank all dieser Auszeichnungen konnte der Streaminganbieter Apple TV mit insgesamt 28 Preisen zum ersten Mal in der Geschichte der Emmys die meisten Ehrungen aller Anbieter für sich verbuchen. Der Waliser Rhys gewann als erster Darsteller in der 78-jährigen Emmy-Geschichte zwei Hauptdarsteller-Preise, nämlich auch jenen in einer Miniserie für "The Beast in Me".
Als beste Dramaserie wurde wie schon im vergangenen Jahr das düstere Krankenhausdrama "The Pitt" prämiert. Die in Echtzeit erzählte Serie spielt in der Notaufnahme eines fiktiven Spitals in der US-Großstadt Pittsburgh und wird vor allem für ihre humanistische Handlung und die einfühlsame Darstellung der Figuren gefeiert.
"The Pitt"-Star Noah Wyle hatte den Emmy bereits im vergangenen Jahr für seine Rolle als leitender Notarzt erhalten. Nun triumphierte der auch aus der legendären Krankenhausserie "Emergency Room – Die Notaufnahme" bekannte Star erneut als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie.
Er sei in Los Angeles aufgewachsen, sagte Wyle in seiner Dankesrede und fügte hinzu: "Ich bin ein Hollywood-Kind." Er sei mit dem Fernsehen groß geworden, die Kinos seien seine "Tempel" gewesen. Über seine Arbeit sagte er: "Das ist alles, was ich je tun wollte, und das ist der einzige Club, dem ich je beitreten wollte. Danke, dass ihr mich aufgenommen habt." "The Pitt" war mit 25 Nominierungen ins Rennen gegangen. Wie die vielgelobte Comedy-Serie "Hacks" wird "The Pitt" von der Plattform HBO Max produziert.
Die mit 24 Nominierungen ins Rennen gegangenen fünfte Staffel von "Hacks" ging dagegen weitgehend leer aus. Hauptdarstellerin Jean Smart gewann immerhin einen Emmy für ihre Verkörperung einer Stand-up-Komikerin, die versucht, ihre Karriere wiederzubeleben, und die dabei von ihrer dysfunktionalen Assistentin aus der Generation der Millennials unterstützt wird. Smart bekam ihren insgesamt achten Emmy-Award. Für ihre Rolle als Deborah Vance bekam sie bisher für jede der fünf "Hacks"-Staffeln einen Emmy.
Die Trophäe für die beste Miniserie ging an "DTF St. Louis" Weitere Auszeichnungen gingen an Rita Seehorn, die in der Science-Fiction-Dramaserie "Pluribus" von Apple TV brilliert und als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie ausgezeichnet wurde, und an Allison Janney als beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie für "The Diplomat".
Sowohl die Moderatorin, die US-Schauspielerin Mariska Hargitay, als auch die Preisträger blieben vergleichsweise unpolitisch und introspektiv. Der Schauspieler und Filmemacher Alan Cumming rief die US-Amerikaner lediglich allgemein zum Wählen auf, und der Autor der Dramaserie "Pluribus – Glück ist ansteckend" (Apple TV), Vince Gilligan, forderte die Menschen auf, einander mehr Respekt zu zeigen. "Es gibt nichts Merkwürdigeres als unsere derzeitige Realität", sagte Gilligan. "Wir werden uns nie auf alles einigen können, aber wir können einander Respekt zeigen."
Insgesamt sechs Emmys – davon einen während der Livegala – gewann die Late-Night-Show von US-Moderator Stephen Colbert. Der TV-Sender CBS hatte die Show abgesetzt, offiziell aus finanziellen Gründen, Vermutungen von Branchenkennern zufolge aber aus Rücksicht auf US-Präsident Donald Trump, der in der Sendung immer wieder scharf kritisiert wurde. Aber auch Colbert nutzte seine Dankesrede nicht für Kritik an Trump, sondern – unter viel Applaus – hauptsächlich für Dank an sein Team.
Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox bekam einen Ehrenemmy und bedankte sich "für diese großartige und demütig machende Ehre". Zudem wurde der im vergangenen Jahr gestorbenen Fernsehschaffenden gedacht, darunter Regisseur Rob Reiner.
Die Sängerin Reba McEntire sang ein Lied für ihre vor Kurzem gestorbene Kollegin Dolly Parton, und Schauspieler Macaulay Culkin erinnerte an die im Jänner gestorbene Catherine O'Hara, die im Kultfilm "Kevin Allein zu Haus" seine Mutter gespielt hatte. "Sie war meine Mama", sagte Culkin. "Sie hat mich zwar vergessen – zweimal –, aber ich werde mich immer an sie erinnern." Im Publikum sorgte unter anderen die Schauspielerin Megan Stalter für Aufsehen, die als Emmy-Auszeichnung verkleidet erschienen war.
"Wir sind Entertainer. Wir bringen euch zum Lachen, wir bringen euch zum Weinen und manchmal lassen wir euch auch angeekelt wegschauen", sagte "The Pitt"-Erfinder R. Scott Gemmill in seiner Dankesrede. "Aber wenn ich mich hier im Raum umschaue, dann sehe ich etwas Wichtigeres als Auszeichnungen und Quoten. Ich sehe eine ganze Gemeinschaft, die immer noch versucht, das Richtige zu machen."