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Generalstabschef: „Bedrohung ist existentiell“

Generalstabschef: „Bedrohung ist existentiell“

Generalstabschef: "Bedrohung ist existentiell"

Österreichs höchster Militär, Generalstabschef Rudolf Striedinger, geht mit Ende des Monats in Pension. Vor seinem Abgang sprach der Niederösterreicher mit noe.ORF.at u.a. über die Bedrohung Europas durch Russland und die geplante Verlängerung des Wehrdienstes.

Rudolf Striedinger: Für uns ist klar, dass alles, was länger ist als derzeit, ein Gewinn ist. Die Wehrdienstkommission hat eine klare Empfehlung ausgesprochen, acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate Milizübungen. Die politische Arbeit führt derzeit zu einer Kompromisslösung, die zumindest in der Regierung als solche ein Einvernehmen erzielt hat.

Wir werden damit auch zurechtkommen, wobei es uns besonders wichtig ist, diese in der Summe neun Monate mit einer hohen Flexibilität zu nützen, weil es besonders wichtig ist, dass wir nach der Basisausbildung von sechs Monaten auch gleich eine Truppenausbildung beschließen, damit die Soldatinnen und Soldaten, die bei uns ausgebildet werden, dann als einsatzbereite Soldaten in die Miliz befördert werden können.

Striedinger: Selbstverständlich. Abgesehen davon, dass wir damit leben müssen, weil es politische Vorgaben sind, die unter dem Gesichtspunkt einer Verlängerung des Wehrersatzdienstes auch einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedürfen und daher zumindest eine Oppositionspartei noch vollinhaltlich an Bord gebracht werden muss, um das System Bundesheer insgesamt in Verbindung mit dem Ersatzdienst auch entsprechend konsistent zu halten.

Striedinger: Die Bekämpfung der hybriden Kriegsführung ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Deswegen haben wir auch die umfassende Landesverteidigung, die wir wieder revitalisieren müssen, damit alle Teilbereiche der Gesellschaft – und es wird dabei die Gesellschaft angegriffen, weniger das Militär – sich auf diese neue Form der Auseinandersetzung einstellen.

Die Drohnen spielen eine Rolle, aber im Cyberraum ist eine permanente Bedrohung, die wir tagtäglich spüren. Darauf müssen wir uns einstellen, damit wir diesbezüglich immer besser werden. Und der Extremfall der hybriden Kriegsführung ist die militärische Auseinandersetzung. Das ist unser Kerngeschäft. Aber davor gibt es eine Vielzahl von Stufen, wo wir als Militär in unterschiedlicher Art und Weise mitwirken im gesamtstaatlichen Verbund.

Striedinger: Sie ist existenziell bedrohend. Wir als Europäer können derzeit tatsächlich sehr froh sein, dass die Ukraine den Abwehrkampf auch für Europa führt. Deswegen ist jede Unterstützung der Ukraine in ihrer Kampfführung und ihr Aufrechterhalten als Staat gerechtfertigt. Und deswegen unterstützt auch die Europäische Union und damit auch Österreich in dem in unserem Zuständigkeitsbereich zulässigen Möglichkeiten die Ukraine.

Wir können nur hoffen, dass die Ukraine nicht fällt, denn sobald das der Zeitpunkt ist, wird es wirklich unangenehm, weil wir nicht wissen, wo Russland sein Ende sieht. Und wenn wir hören, dass ehemalige sowjetische Gebiete nach wie vor die Zielsetzung von Putin sind, dann wissen wir, was mit den baltischen Staaten passieren könnte. Daher kann man nur hoffen, dass die Ukraine so lange wie möglich als stabiler Verteidigungsfaktor des europäischen Kontinents standhaft bleibt.

Striedinger: Wir sind in diesem Zusammenhang nicht neutral. Wir unterstützen aufgrund eines EU-Ratsbeschlusses die Ukraine in einem Ausmaß, wie wir es als neutraler Staat nicht machen dürften. Daher gilt für uns die Neutralität in diesem Zusammenhang nicht.

Striedinger: Ich habe mir jetzt konkret nichts vorgenommen, weil das wahrscheinlich der beste Weg ist, diesen Wechsel von aktiv in den Ruhestand durchzuführen. Wir haben fünf Enkel, ich habe eine sehr kreative Frau, die dafür sorgt, dass mir der Tag nicht lang werden wird. Und so sehe ich nach einem erfüllten Leben nicht nur im Beruf der Pension mit durchaus sehr viel Freude und Genugtuung entgegen.

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