Legionellen: TÜV fordert Kühltürme-Register
Durch den Legionellen-Ausbruch mit drei Toten in Linz rücken jetzt Kühltürme in den Fokus – als potenzielle Bakterienschleudern. Auch in Wien gibt es eine große Zahl an Kühltürmen. Eine offizielle Liste gibt es jedoch nicht. Das kritisiert der TÜV Austria und drängt auf ein Register.
Offene Rückkühlanlagen, die Wärme abführen, befinden sich in Wien beispielsweise bei Fernkältezentralen, auf Wohnhäusern, Spitälern, Hotels, Altersheimen und Großrechenzentren. Wo überall genau und wie viele derartige Anlagen es gibt, ist jedoch unbekannt.
Ein zentrales Register, wie es etwa in Deutschland existiert, würde bei einem Legionellen-Ausbruch rasches Handeln ermöglichen, erklärte Thomas Fleischanderl, Leiter des Bereichs Umweltschutz beim Technischen Überwachungsverein TÜV Austria, gegenüber Radio Wien: "Man könnte nachschlagen, wie denn der hygienische Zustand dieser Rückkühlanlagen aussieht. Man könnte das sehr schnell eingrenzen – und müsste sich nicht über Tage bzw. Wochen auf die Suche begeben und in der Zwischenzeit zuschauen, wie Leute sterben."
Ein großer Betreiber von offenen Kühltürmen in Wien ist die Wien Energie. Die Anlagen werden "laufend und engmaschig überwacht", betonte eine Sprecherin. "Neben regelmäßigen technischen Kontrollen werden auch hygienische Überprüfungen durchgeführt, um das Risiko einer Vermehrung von Legionellen zu vermeiden." Man erfülle "höchste hygienische Standards".
Bekannte Legionellen-Ausbrüche durch Kühltürme gibt es in Wien derzeit jedoch nicht. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) teilte dazu auf ORF-Anfrage mit, dass in Wien "in den letzten Jahren keine kühlturmassoziierten Legionellenfälle gemeldet wurden".
Rückkühlanlagen bergen laut TÜV Austria die größte Legionellengefahr. "Weil man da eine relativ große Aerosolwolke hat, die sich über den Wind gut verteilt und damit unmittelbar eine große Bevölkerungszahl betreffen kann", beschrieb Fleischanderl.
Man dürfe aber auch die große Zahl an Trinkwassererwärmungsanlagen vergessen, die sich in jedem Gebäude befinden würden, so der Experte. "Das große Problem, das wir in Österreich haben, ist, dass man entschieden hat, das Thema der Legionellen und anderen Bakterien im Warmwasser nicht wie andere europäische Länder in einer zentralen Trinkwasserverordnung zu regeln, sondern an die Länder zu delegieren." Dort gebe es sehr schwammige Regelungen, versteckt in diversen Bauordnungen.
Es brauche dringend eine bessere Regelung und das Einfordern von regelmäßigen Kontrollen, appellierte Fleischanderl an die Behörden. "Wir als TÜV Austria betreuen in Österreich ca. 5.000 Gebäude. Und wir kennen natürlich auch die Ergebnisse aus unseren Analysen, und die sehen nicht allzu gut aus. Also man kann eigentlich nur darauf warten, dass etwas passiert."
Potenzielle Bakterienschleudern sind unterdessen auch Autowaschanlagen – durch die für Keime idealen Wassertemperaturen und das Wiederverwenden des Wassers. Dadurch sei die Keimbelastung relativ hoch: "Es hat in Österreich auch schon Todesfälle gegeben", so Fleischanderl.