Handelsembargo: Emirate erhöhen Druck auf Teheran
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben am Dienstag alle Handelsbeziehungen mit dem Iran ausgesetzt, nachdem mehrere Raketen vor der Küste der VAE ins Meer gestürzt waren. Abu Dhabi beschuldigte Teheran, dafür verantwortlich zu sein, dort wies man die Vorwürfe zurück. Der Schritt dürfte der angeschlagenen iranischen Wirtschaft weiter zusetzen, Dubai gilt als Teherans Finanzdrehscheibe – etwa, um Gelder am Sanktionsregime vorbeizuschleusen. Das Embargo steht im Einklang mit neuen Signalen aus den USA: Finanzminister Scott Bessent hatte kürzlich schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Teheran angekündigt.
Zum ersten Mal seit Wochen wurde am Dienstagabend in weiten Teilen der Emirate Raketenalarm ausgelöst, die Bevölkerung wurde per Handy dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Es war die erste derartige Warnung seit einem Fehlalarm im Juni und einem Alarm im Juli wegen eines Angriffs, bei dem die Geschoße letztlich nicht in den emiratischen Luftraum eindrangen.
Hintergrund waren zwei ballistische Raketen, die in Richtung der VAE abgefeuert wurden und am Abend im Persischen Golf ins Meer gestürzt waren. Das Außenministerium der VAE machte den Iran für den Abschuss verantwortlich und teilte mit, dass es zwar weiterhin auf "Dialog, Zusammenarbeit und regionale Integration" setze, jedoch beschlossen habe, Strafmaßnahmen gegen den Iran zu verhängen.
Das iranische Außenministerium bestritt, für den Abschuss der Raketen verantwortlich zu sein. Zu Beginn des Kriegs im Februar 2026 gerieten die VAE regelmäßig unter intensiven Beschuss aus dem Iran, schon damals kam ein großer Teil des Handels zwischen den Ländern zum Erliegen.
Ende Juni, als sich eine mögliche Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran kurzzeitig abzeichnete und die Angriffe nachließen, wurde zumindest ein Teil des Seehandels wieder aufgenommen, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete. Unklar war jedoch, in welchem Umfang der Handel seitdem stattfand.
Der Iran greift im Zuge seines Strebens, die Straße von Hormus zu kontrollieren, regelmäßig Schiffe an, die versuchen, die Wasserstraße zu nutzen. In den vergangenen zwei Wochen attackierte Teheran vier Tanker des staatlichen Öl- und Gasunternehmens ADNOC aus Abu Dhabi. Seit Beginn der Angriffe auf Teheran durch die US-Streitkräfte Ende Februar hat der Iran Hunderte ballistische Raketen und Tausende Drohnen abgefeuert.
Aus Teheran hieß es, dass die Angriffe auf amerikanische Ziele gerichtet seien. Dennoch wurden immer wieder Gebäude in Dubai und Abu Dhabi, Häfen, der internationale Flughafen in Dubai und Energieinfrastruktur getroffen. Der Iran hatte den VAE und anderen Verbündeten der USA am Golf stets vorgeworfen, amerikanische Angriffe auf den Iran zu ermöglichen.
Das Handelsembargo der VAE trifft den Iran schwer, vor dem Krieg waren die Emirate Teherans zweitwichtigster Handelspartner nach China. Iranischen Angaben zufolge exportierte Abu Dhabi 2024 Waren im Wert von rund 22 Milliarden US-Dollar (Euro) in den Iran.
Noch wichtiger war für den Iran allerdings der Finanzplatz Dubai. Über Briefkastenfirmen und verschlungene Wege, unter anderem über Hongkong, soll Teheran laut US-Finanzministerium dort Milliarden am Sanktionsregime vorbeigeschleust haben. Allein in Dubai sollen 8.000 iranische Unternehmen registriert sein.
Ein hochrangiger europäischer Diplomat in der Region bezeichnete Dubai gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung" ("NZZ") als "Irans Bank". Aus einer weiteren europäischen Botschaft in Abu Dhabi hieß es zur "NZZ", auf Konten in den Emiraten liege ein Milliardenvermögen der iranischen Revolutionsgarde.
Der Handelsstopp dürfte die iranische Wirtschaft hart treffen, die sich bereits jetzt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten befindet. Die Inflationsrate bei Lebensmitteln lag zuletzt bei über 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte dem Iran für dieses Jahr eine Inflationsrate von fast 70 Prozent und einen Wirtschaftsrückgang von 5,4 Prozent. Die iranische Währung, der Rial, hat einen Rekordtiefstand erreicht.
Unklar ist, ob die Emirate das Handelsembargo mit den USA abgestimmt haben. Die Ankündigung passt allerdings zu Aussagen, die in den vergangenen Tagen aus Washington kamen. Erst kürzlich hatte US-Finanzminister Scott Bessent wirtschaftliche Maßnahmen gegen den Iran angekündigt, "wie sie in der Geschichte der wirtschaftlichen Isolation eines Landes noch nie zuvor gesehen wurden".
Wenige Stunden nachdem die Emirate das Embargo gegen Iran ausgesprochen hatten, telefonierte US-Außenminister Marco Rubio mit dem Berater für nationale Sicherheit der VAE, Tahnun bin Sajed Al Nahjan.
Die wirtschaftliche Blockade durch die VAE dürfte nicht spurlos am angeschlagenen Regime in Teheran vorbeigehen. Dennoch zweifeln Experten daran, dass die neuen Entwicklungen das an Sanktionen gewöhnte Land in die Knie zwingt.
Der aus Iran stammende Politikwissenschaftler Esfandyar Batmanghelidj von der Bourse & Bazaar Foundation, ein Thinktank, der sich für die wirtschaftliche Entwicklung in West- und Zentralasien einsetzt, sagte kürzlich im Gespräch mit der "NZZ", der Iran könne mittelfristig noch sehr viel ärmer werden, bevor die Machtbasis des Regimes und die iranische Fähigkeit zur Kriegsführung ernsthaft gefährdet seien.