Schon 5.000 Fälle in DR Kongo: Ebola-Ausbruch nimmt ungeahnte Ausmaße an
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo droht ein noch nie da gewesenes Ausmaß anzunehmen. Inzwischen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 5.000 Fälle und knapp 2.400 Tote bestätigt. Experten fürchten eine deutlich höhere Dunkelziffer. Besonders alarmierend ist, dass es gegen den Erreger weder Impfstoff und noch Therapie gibt.
Seit Mai sind 5.021 Menschen nachweislich an der hochansteckenden Infektionskrankheit erkrankt, so das Regionalbüro Afrika der WHO. Bisher sind 2.378 Patientinnen und Patienten in dem zentralafrikanischen Land an Ebola gestorben – das entspricht einer Sterbefallquote von 47,4 Prozent.
Mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten gelten nach Angaben der kongolesischen Gesundheitsbehörden als genesen. Der Ausbruch war Mitte Mai bekanntgegeben worden. Damit trat Ebola bereits zum 17. Mal in dem Land auf.
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hat jedoch bereits darauf hingewiesen, dass die tatsächliche Zahl der Fälle noch höher sein könnte. Studien deuteten darauf hin, dass der Ausbruch etwa im Februar begann, sagte Jean Kaseya, Direktor der Behörde, in seinem jüngsten Bericht zur Lage.
"Wir haben keine Ahnung, was zwischen Februar und Mai passiert ist", so Kaseya. Alle Daten zu Fallzahlen umfassten lediglich die Zeit von Mai bis jetzt. "Wir behaupten nicht, dass diese Daten korrekt sind", sagte Kaseya. Hinzu kommt, dass fast zwei Drittel der bestätigten Ebola-Todesfälle nicht in Krankenhäusern und Isolierstationen verzeichnet werden, sondern aus den Dörfern und Gemeinden.
Solange Erkrankte mit Symptomen nicht isoliert sind, können sie durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß und Speichel etwa beim Waschen einer Patientin bzw. eines Patienten oder beim Essen die Krankheit übertragen.
Ebola-Fieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus löst ein hochansteckendes Fieber mit Muskelschmerzen, Durchfall sowie inneren Blutungen und schließlich Organversagen aus. Schon vor Wochen hatte Africa CDC gewarnt, dass womöglich nicht alle Krankheitsfälle den Behörden gemeldet werden.
Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, auch weil es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bisher weder einen speziellen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt. Seit Anfang Juli läuft die klinische Testung zweier antiviraler Therapieverfahren. Angesichts der Schwere des Ausbruchs soll zudem abgeklärt werden, ob der Erreger womöglich mutiert ist.
Auch die WHO fürchtet, dass der aktuelle Ausbruch im Kongo noch nie dagewesene Ausmaße annehmen könnte. Schon jetzt ist die Zahl der Krankheitsfälle und Toten um ein Mehrfaches höher als während des bisher schwersten Ausbruchs in Westafrika im vergleichbaren Zeitraum der ersten drei Monate.
Der Ausbruch betrifft mehrere Provinzen im von jahrzehntelanger Gewalt geprägten Osten des Landes. Am stärksten betroffen ist die Provinz Ituri. Ein Übergreifen auf das Nachbarland Uganda konnte unterdessen eingedämmt werden: Dort erklärten die Behörden den Ausbruch im vergangenen Monat für beendet, nachdem die Zahl der Fälle auf 20 und die der Toten auf zwei begrenzt werden konnte.
Weltweit handelt es sich um die zweitgrößte Ebola-Epidemie. Sie wird nur von dem Ausbruch in Westafrika zwischen 2014 und 2016 übertroffen, bei dem in Guinea, Liberia und Sierra Leone 28.616 Fälle und 11.310 Tote registriert wurden. Insgesamt starben in Afrika in den vergangenen 50 Jahren mehr als 15.000 Menschen an der Krankheit.
Die EU stellte der DR Kongo unterdessen Schnelltests im Wert von 2,5 Millionen Euro bereit. Die Tests und die dazugehörigen Instrumente würden der CDC gespendet, sagte die EU-Kommission am Dienstag. Die ersten Tests sollen noch in diesem Monat geliefert werden. Laut EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib tragen sie dazu bei, "Fälle früher zu erkennen, Patienten schneller medizinisch zu versorgen und eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern".