"Nie da gewesen": Trockenstes Jahr seit Messbeginn in Österreich
Nicht nur der aktuelle Sommer hat Österreich eine nie da gewesene Trockenheit beschert. Bereits seit einem Jahr werden noch nie zuvor erreichte Höchstwerte beim Niederschlagsdefizit verzeichnet, wie die GeoSphere Austria am Montag bekanntgab. Seit Jahresbeginn hat es im Schnitt rund ein Drittel weniger geregnet. Rasche Entspannung ist nicht in Sicht.
"Die vergangenen zwölf Monate werden als die trockensten seit Messbeginn im Jahr 1850 in die Geschichte eingehen", bilanzierte Klimaforscher Klaus Haslinger von der GeoSphere Austria in einer Aussendung. In der Zeit von 1. Jänner bis 12. August 2026 hat es auf 72 Prozent der österreichischen Landesfläche mehr trockene Tage gegeben als in jedem der vergangenen 65 Jahre.
An einigen Messstellen im Osten hat es wochenlang nicht geregnet. Besonders extrem ist es aktuell in Poysdorf im nördlichen Weinviertel. Hier hat es seit dem 8. Juli nicht mehr geregnet.
"Seit 23. Februar 2026 herrscht in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ein nahezu durchgehendes Niederschlagsdefizit", ergänzte Klimatologe Peter Müller. Schließlich habe es hier etwa nur die Hälfte des Niederschlages gegeben, den es sonst durchschnittlich gibt.
Aktuell sei nicht absehbar, dass sich diese Phase enormer Trockenheit entspannen wird. "Das vorhandene Niederschlagsdefizit könnten selbst durchschnittliche Niederschläge nicht so schnell beheben", erläuterte Haslinger.
Zu wenig Regen gab es in ganz Österreich, doch es gibt Unterschiede: In Kärnten liegt das Niederschlagsdefizit heuer bei minus 21 Prozent, in Salzburg sind es minus 33 Prozent, in Wien minus 39 Prozent. Am stärksten sind Oberösterreich (minus 42) und Niederösterreich (minus 43) betroffen.
Parallel zur Trockenheit war es auch außergewöhnlich heiß, mit zwei Hitzewellen inklusive neuen Extremtemperaturen bis 41,2 Grad. In Ostösterreich wurden im Flächenmittel 26 Hitzetage mit mindestens 30 Grad registriert – ebenfalls ein neuer Höchstwert seit zumindest 1961.
Durch die Klimakrise werden laut Weltklimarat Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, Hitze und Dürre häufiger und intensiver.
GeoSphere Austria sei zur aktuellen Situation und den möglichen Auswirkungen dieser außergewöhnlichen Trockenheitsperiode mit Entscheidungsträgern in Österreich im regelmäßigen Austausch. Laufend werden aktualisierte Daten und Analysen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen zur Verfügung gestellt, wurde betont.
Die historischen Niederschlagsdefizite setzen Natur und Landwirtschaft enorm unter Druck, betonte Greenpeace in einer Stellungnahme. Angesichts der neuen Daten forderte die Umweltschutzorganisation die Bundesregierung auf, noch diese Woche ein "Klimasofortpaket" zu beschließen.
"Wir steuern ungebremst auf den schlimmsten Wassermangel seit Beginn der Messungen zu. Wenn Quellen versiegen und Böden verdorren, reicht bloßes Abwarten nicht mehr aus", rief Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster zum Handeln auf.