Wie Zugbegleiter mit Übergriffen umgehen
Das ÖBB-Zugpersonal hat immer wieder mit körperlichen und verbalen Attacken durch Fahrgäste zu kämpfen. Wie eine parlamentarische Anfrage der FPÖ gezeigt hat, gab es in den letzten Jahren fast täglich Übergriffe auf Zugbegleiter. noe.ORF.at war mit einem unterwegs.
Es ist 8.36 Uhr am Montagvormittag am St. Pöltner Hauptbahnhof. Pünktlich fertigt Zugbegleiter Dennis Pop den REX 51 zum Wiener Westbahnhof ab und der Zug setzt sich in Bewegung. Ob der Sommerferien sind nur wenige Fahrgäste unterwegs, auch keine Schwarzfahrerinnen oder Schwarzfahrer können ausgemacht werden – ein entspannter Dienst für einen Zugbegleiter.
Dass das nicht immer so ist, hat zuletzt eine parlamentarische Anfrage der FPÖ an Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) gezeigt. Der Antwort zufolge gab es von 2020 bis 2025 1.834 Übergriffe auf Zugpersonal, also im Schnitt fast ein Vorfall pro Tag in Österreich. Erst vor kurzem wurde in Niederösterreich eine Jugendbande gefasst, die auf der Traisentalbahn für mehrere Zwischenfälle gesorgt hatte. Ein 14-Jähriger hatte einen Schaffner sogar einmal ins Gesicht geschlagen – mehr dazu in Schaffner geschlagen: Jugendbande ausgeforscht (noe.ORF.at; 29.07.2026).
Zugbegleiter Dennis Pop macht diesen Job seit mittlerweile fünf Jahren. Auch er hat schon unangenehme Situationen erlebt, erzählt er. "Es ist immer situationsabhängig, wie man an problematische Fahrgäste herangeht. Natürlich gibt es da gewisse Tricks. Man versucht natürlich immer, so deeskalierend wie möglich zu wirken. Und im schlimmsten Fall, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, muss man halt die Polizei holen." Fahrgäste ohne Ticket gebe es fast jeden Tag; dass die Diskussion darüber so intensiv ausfällt, dass es die Polizei braucht, erlebe Pop aber nur etwa einmal im Jahr.
Auch bei der Gewerkschaft vida sind zahlreiche Fälle von Übergriffen auf Zugpersonal bekannt. Im Februar hat man gemeinsam mit Verkehrsministerium und Eisenbahnunternehmen einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet, der unter anderem mehr Zugpersonal vorsieht.
Der niederösterreichische Landesvorsitzende Horst Pammer drängt auf eine rasche Umsetzung: "Es braucht dringend mehr Zugbegleiter, das kann man sofort machen. Man muss auch die Mitarbeiter noch besser schulen, man kann Bodycams einsetzen." Außerdem fordert vida eine eigene Bahnpolizei und eine vorgeschriebene Zahl an Zugbegleitern ab einer gewissen Sitzplatzkapazität, wie das etwa im Flugverkehr der Fall ist.
Auch das Land sieht man in der Verantwortung: Bei Ausschreibungen und Vergaben hätte man die Möglichkeit, konkrete Sicherheitsmaßnahmen bei den Eisenbahnunternehmen zu bestellen, so Pammer.
Die ÖBB betonen, dass man vieles davon bereits umsetze. ÖBB-Sprecher Klaus Baumgartner erklärt: "Die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat oberste Priorität. Wir haben ein sehr engmaschiges Monitoring und schauen uns genau an, auf welchen Strecken wir verstärkt Security-Personal einsetzen oder unsere Mitarbeiter mit Bodycams ausstatten." Wichtig sei aber auch: "Viele Übergriffe sind verbaler Natur und nur ein geringfügiger Anteil ist körperlicher Natur. Aber es gilt natürlich trotzdem: Jeder Übergriff auf einen unserer Mitarbeiter ist einer zu viel", so Baumgartner.
Dennis Pop hat seine Berufswahl jedenfalls nie bereut – ganz im Gegenteil: "Es ist so ein abwechslungsreicher Job. Man hat immer was anderes, kein Tag ist wie der andere. Und es macht durchaus Spaß." Die positiven Momente würden ganz klar überwiegen. Bleibt zu hoffen, dass der Dienst häufiger so ruhig verläuft wie im REX51 auf der Fahrt von St. Pölten nach Wien am Montagvormittag.