Spokane in Washington: Brände bedrohen US-Großstadt
Nicht nur in mehreren europäischen Ländern von der Atlantikküste bis zur Ägäis wüten aktuell Großbrände. In den USA bekämpften Einsatzkräfte am Wochenende über 80 davon. Einer bedroht unmittelbar die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates Washington, Spokane. Die Brandgefahr ist aktuell in weiten Teilen der USA kritisch hoch.
Laut der Koordinationsstelle der US-Regierung für die Bekämpfung von Waldbränden, des National Interagency Fire Center (NIFC), brachen am Freitag (Ortszeit) 117 neue Brände in den USA aus. Die Zahl der Großbrände betrug mit diesem Stichtag 84, USA-weit waren fast 27.000 Feuerwehrleute und Unterstützungskräfte im Einsatz. Landesweit gilt die höchste Warnstufe, National Preparedness Level 5.
Am Samstag erreichte ein Brand die Großstadt Spokane im Nordwesten der USA. Tausende Menschen mussten ihre Wohnungen bzw. Häuser verlassen, für mehrere nördliche Viertel der im Bundesstaat Washington gelegenen Stadt galt die höchste Evakuierungswarnstufe, verbunden mit dem Aufruf, das Gebiet "sofort" zu verlassen.
Der Gouverneur von Washington, Bob Ferguson, rief für den Bundesstaat den Notstand aus. In Spokane breitete sich der als "Old-Trails-Fire" bezeichnete Brand am Samstagnachmittag (Ortszeit) über das Ufer des gleichnamigen Flusses, des Spokane River und damit auf das Stadtgebiet, aus, berichteten Lokalzeitungen wie "The Seattle Times" und "Spokesman-Review".
Zahlreiche Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, bis Samstagabend (Ortszeit) brannten 1.400 Hektar (14 Quadratkilometer) Fläche rund um Spokane. Etwa 60.000 Menschen waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Insgesamt bedroht das "Old-Trails-Fire" an die 4.000 Gebäude. Wichtige Einrichtungen wie ein Krankenhaus für Kriegsveteranen sowie Wasser- und Stromversorgungsanlagen wurden geräumt, sagte Bürgermeisterin Lisa Brown.
Verletzte meldeten die Behörden vorerst nicht, offenbar hatten sich die Bewohner und Bewohnerinnen der betroffenen Viertel rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Die "Seattle Times" schrieb von einem "beispiellosen Waldbrandwetter", trocken und windig, das die Brände immer wieder anfachte. Die US-Meteorologiebehörde National Weather Service (NWS) warnte vor Waldbrandgefahr an der Westküste und insbesondere im Nordwesten der USA.
In Spokane wurde für die in Sicherheit gebrachten Menschen im Kongresszentrum der Stadt eine Notunterkunft eingerichtet. Die Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Countys hat etwa 230.000 Einwohner und Einwohnerinnen und ist nach der Hauptstadt Seattle die größte Stadt des Bundesstaates Washington. Für Spokane County wurde ein Evakuierungsplan veröffentlicht.
Die Nationalgarde des Bundesstaats erklärte, sie mobilisiere "mit Hochdruck" Einsatzkräfte zur Unterstützung der Stadt. "Wenn die Sonne untergeht und wieder aufgeht, werden wir schockiert sein", sagte Generalmajor Gent Welsh bei einer Pressekonferenz mit Blick auf die erwarteten Schäden in der Stadt.
Allein im Bundesstaat Washington brannten am Wochenende nach Angaben des Gouverneursbüros zwölf große Feuer auf einer Gesamtfläche von mehr als 80.900 Hektar. Washington erlebt heuer das vierte extrem trockene Jahr in Folge – so viele hintereinander wie noch nie. Die Dürre und starker Wind schafften "im gesamten Bundesstaat gefährliche Bedingungen", erklärte Gouverneur Ferguson.
Mit der Erklärung des Notstands sind bis Ende September offene Feuer prinzipiell und das Verbrennen landwirtschaftlicher Abfälle komplett verboten. Der NWS hatte für den Osten Washingtons zuvor wegen der extremen Brandgefahr eine Warnung vor einer "besonders gefährlichen Lage" ("extreme") ausgegeben.
Es sei das erste Mal überhaupt, dass eine derartige Warnung für Washington ausgegeben wurde, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Washingtoner State Department für Natural Resources (DNR).
"Dieses Jahr gehört schon jetzt zu den arbeitsreichsten Waldbrandjahren seit Beginn der Aufzeichnungen – und der August hat gerade erst begonnen", erklärte der im DNR für die öffentlichen Flächen zuständige Leiter Dave Upthegrove. Laut "Seattle Times" brach das "Old-Trails-Fire" Samstagnachmittag auf einer Fläche von 0,8 bis etwa 1,3 Hektar aus und breitete sich anfangs innerhalb von vier Stunden auf fast acht Quadratkilometer aus.