ORF.at

„Kraftvolle“ Reaktion: USA greifen wieder Ziele im Iran an

„Kraftvolle“ Reaktion: USA greifen wieder Ziele im Iran an

"Kraftvolle" Reaktion: USA greifen wieder Ziele im Iran an

Erstmals seit fast einer Woche hat die US-Armee nach eigenen Angaben wieder Ziele im Iran angegriffen. Die Angriffe seien eine "kraftvolle" Reaktion auf iranische Angriffsversuche auf US-Basen in der Region, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom am Mittwoch (Ortszeit) im Onlinedienst X mit. Der Iran meldete drei Tote. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump mit "harten" Vergeltungsangriffen auf den Iran gedroht.

"Die Angriffe sind eine kraftvolle Reaktion auf die gestrigen iranischen Angriffsversuche auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte", erklärte Centcom am Mittwoch. Das Regionalkommando hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass der Iran einen "Überraschungsangriff" auf US-Streitkräfte in der Region versucht habe. Dieser sei aber abgewehrt worden.

Örtliche Medien im Iran meldeten Explosionen im Süden des Landes. Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete über Angriffe auf der Insel Keschm in der Straße von Hormus sowie in der Provinz Buschehr.

Die Nachrichtenagentur Fars meldete unter Berufung auf die Medizinische Universität Hormosgan drei Tote auf Keschm. Es handele sich um drei Mitglieder einer Familie: den Vater, die Mutter und ihr zweijähriges Kind. Zwei weitere Kinder seien verletzt worden. Unabhängig überprüft werden können die Angaben nicht.

Laut Centcom wurden unter anderem militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen bombardiert. Die Angriffswelle sei inzwischen "erfolgreich" beendet.

Nach Centcom-Angaben zielten die Angriffe darauf ab, "die Bedrohungen, die vom Iran und seinen Stellvertretern für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf ausgehen", weiter zu verringern.

Das jordanische Militär teilte indes mit, fünf Raketen aus dem Iran abgeschossen zu haben. Die Luftabwehr habe die Raketen, die Jordanien zum Ziel gehabt hätten, "abgefangen und abgeschossen", erklärte ein Sprecher der jordanischen Armee am Donnerstag. Opfer wurden demnach nicht verzeichnet.

US-Präsident Trump hatte zuvor wegen der neuen iranischen Angriffe mit einer "harten" Reaktion gedroht, wie der Sender Fox News berichtete. Ein Journalist des Senders zitierte den Präsidenten am Mittwoch mit den Worten: "Wir werden sie hart treffen. Sie werden Prügel kassieren."

Trump sei über die verfahrene Lage in dem Konflikt "verärgert", zitierte der US-Sender NBC News einen US-Beamten. Trump habe wohl nicht damit gerechnet hat, dass es so schwierig sein würde, die Iraner zu einer Einigung zu bewegen, hieß es. Trumps Sicherheitsberater könnten sich nicht auf eine Strategie einigen, zitierte der Sender seine Quellen.

Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran seit dem Wochenende hatte das US-Militär am Dienstagabend (US-Ostküstenzeit) einen iranischen Angriff mit mehreren ballistischen Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten gemeldet – ohne konkrete Ziele zu nennen. Alle Raketen seien abgefangen worden. Der iranische Rundfunk verbreitete eine Stellungnahme der Revolutionsgarde, der Angriff habe einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten.

In der Nacht zu Mittwoch hatten außerdem US-Streitkräfte nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im Irak "Terroristen" angegriffen, die dem Iran nahestünden. Als Begründung hatte es geheißen, dies sei eine Reaktion auf angeblich mehr als 30 Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden, die die iranische Revolutionsgarde angeordnet hätte.

Mit dem jüngsten Angriff demonstrierte die iranische Revolutionsgarde ihre Bereitschaft, die Initiative zu ergreifen, nachdem der Iran wochenlang überwiegend auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte, schrieb das "Wall Street Journal" ("WSJ").

Die US-Zeitung zitierte den Iran-Experten Hamidreza Azizi mit den Worten: "Sie sehen sich selbst im Vorteil". Der Angriff auf die US-Truppen sei ein Signal "für eine Art dosierte Eskalation." Die Revolutionsgarde hätte seit der Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar innerhalb der Führung eine dominantere Rolle eingenommen, schrieb die Zeitung weiter.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar ihre Luftangriffe auf den Iran gestartet. Mitte Juni vereinbarten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen, das den Weg zur Beendigung des Krieges über vertiefte Verhandlungen ebnen sollte. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump vor einiger Zeit aber nach zahlreichen Verstößen für beendet erklärte. Auch Teheran fühlt sich nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.

Zentraler Streitpunkt zwischen Washington und Teheran ist seit Monaten vor allem die Lage in der Straße von Hormus. Der Iran beansprucht die Kontrolle über die Meerenge für sich, die USA dringen auf Wiederherstellung der freien Schifffahrt, wie es sie vor Beginn ihres Kriegs gegen den Iran gegeben hatte.

ORF.at

+ weitere Artikel anzeigen