Fischsterben durch Rekord-Niedrigwasser
Das historische Niedrigwasser entlang der Donau und von mehreren Flüssen in Nieder- und Oberösterreich hat folgenschwere Auswirkungen auf die Fische, und die bevorstehende Hitzewelle wird die Situation weiter verschärfen. In Oberösterreich ist die Mattig auf mehreren Kilometern trockengefallen.
Auch in Niederösterreich ist der Pegel Kienstock (Bezirk Krems) erneut auf ein Rekordtief von 109 Zentimetern gesunken. "Viele Jungfische verenden", sagte der Wachauer Fischereiaufseher Hermann Miedler zur APA. "Das Problem wird immer dramatischer." Das Fischsterben reiße auch die kleinen Lebewesen am Bachgrund mit sich, von denen sich Fische ernähren, führte Oberösterreichs Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) aus.
Auch an fast allen großen Zubringern zur Donau in Oberösterreich liegt der Abfluss bereits unter dem langjährigen Niederwasserwert. Und im Innviertel ist die rund 40 Kilometer lange Mattig, die in den Inn mündet, auf einer Strecke von fünf Kilometern komplett trockengefallen. Die Prognosen für die kommenden zwei Wochen zeigen: Ohne Regen im Einzugsgebiet der Donau sinken die Pegel weiter, hieß es aus dem Büro des Landesrats.
In Niederösterreich rechnet Fischereiaufseher Miedler damit, dass der Pegel Kienstock in den kommenden Tagen unter 100 Zentimeter fallen wird. In den vergangenen Tagen wurde der historische Tiefstand von bisher 111 Zentimetern aus 2018 unterschritten, wie auch mehrere Medien berichteten. Durchschnittlich werden hier um die 300 Zentimeter gemessen. In Aggstein reicht die Messlatte nicht einmal mehr in die Donau. Das habe es noch nie gegeben, berichtete der erfahrene Fischereiaufseher.
Die Hitze sorgt für wärmere Gewässer, der Sauerstoffgehalt sinkt. Bereits in Zusammenhang mit der Hitzewelle vor rund einem Monat seien in Oberösterreich und Niederösterreich wegen der hohen Temperaturen und der geringen Wasserführung vereinzelt Fische verendet. Durch das Niedrigwasser fallen auch Laichplätze am Rand trocken.
Kälteliebende Arten wie Bachforelle, Äsche oder Saibling geraten schon bei rund 20 Grad in Bedrängnis, so Kaineder. Bleibe das Wasser länger über 25 Grad warm, überleben die meisten dieser Tiere das nicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Oberösterreichs Gewässer stärker aufgeheizt als die Luft.
Die Fischer versuchen immer wieder, vor allem größere Tiere aus Tümpeln in Bereiche zu übersiedeln, wo sie besser überleben können. Doch für viele Jungfische ist die Lage aussichtslos.
Bäume und Sträucher am Ufer spenden Schatten und kühlen das Wasser spürbar ab. Genauso wichtig: freie Wege im Fluss, über die Fische in kühlere Zonen ausweichen können, etwa flussauf oder in Seitenbäche – vorausgesetzt, keine Barriere versperrt ihnen den Weg. Auch der Austausch mit dem Grundwasser hält Bäche kühl.
Das Land Oberösterreich baut auch Fließgewässer in einen naturnahen Zustand zurück. Mit Ufergehölzen und Sträuchern, die Schatten auf das Wasser werfen, sowie freien Wanderwegen für Fische werde versucht, den heimischen Fischarten auch in den heißeren Sommern ein Überleben zu ermöglichen.