ORF.at

Frankreich: Waldbrand am Atlantik fordert Feuerwehr

Frankreich: Waldbrand am Atlantik fordert Feuerwehr

Frankreich: Waldbrand am Atlantik fordert Feuerwehr

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der besonders in Frankreich, Italien und Spanien anhaltenden Hitze breiten sich Waldbrände auf großen Flächen weiter aus. Besonders betroffen ist derzeit neben Spanien und Italien die Region um Bordeaux im Westen Frankreichs. Dort mussten Tausende Urlaubende und Einheimische in Sicherheit gebracht werden, wie die Behörden Donnerstagfrüh mitteilten.

Am Mittwoch brach ein Feuer nahe der Ortschaft Saumos in der Nähe der Atlantikküste und etwa 40 Kilometer von Bordeaux entfernt aus. Geräumt wurden einige Stadtteile der nahe gelegenen Gemeinde Le Porge sowie mehrere Campingplätze und Ferienanlagen. Zahlreiche Straßen sind gesperrt. Am Mittwoch wurden rund 12.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Am Donnerstag betraf die Maßnahme weitere 8.800 Personen, berichtete die Regionalzeitung "Ouest-France". Das Feuer breitet sich weiter in Richtung Lege-Cap-Ferret aus. Für das Departement Gironde wurde die höchste Waldbrandstufe ausgerufen.

Um Saumos, im Becken von Arcachon, sind 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Bisher wurden keine Opfer gemeldet. Die Situation bleibe aber "ungünstig", so die Behörden. Bisher verbrannten rund 2.400 Hektar Land, berichtete "Le Monde" unter Berufung auf die Feuerwehr. Nach Angaben des Bürgermeisters von Le Porge, Martial Zaninetti, wurde das Feuer von einem Gerät zum Roden ausgelöst. Die Einsatzkräfte gingen von einem unbeabsichtigten Vorfall aus. Das müsse aber noch bestätigt werden.

Erst am Dienstag starben bei einem anderen Brand auf dem Flughafen von Bordeaux zwei Feuerwehrmänner, die in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen wurden. Frankreich verzeichnet einen neuen Höchststand an verbrannter Fläche. Allein zwischen Jänner und Mitte Juli wurden bereits über 42.000 Hektar Land durch Brände zerstört.

Bis Ende Juli soll eine großer Militär-Airbus vom Typ A400M zu einem Löschflugzeug umgerüstet werden, kündigte die Regierung am Donnerstag an. Damit sollen während eines einzigen Einsatzes 20 Tonnen Wasser abgeworfen werden können. Es können auch Chemikalien versprüht werden, die die Ausbreitung eines Brandes verlangsamen.

Angesichts einer Hitzewelle mit Temperaturen von teils deutlich über 40 Grad kämpft die Feuerwehr auch in Italien mit zahlreichen Waldbränden in Regionen wie Kalabrien, Apulien, der Toskana und Sardinien. Verschärft wurde die Situation durch den starken Schirokko-Wind.

Besonders kritisch war die Situation auf Sizilien. Ein Feuerwehrmann starb dort während eines Löscheinsatzes vermutlich infolge eines medizinischen Notfalls. Ein anderer musste wegen gesundheitlicher Beschwerden in ein Krankenhaus gebracht werden. In der Provinz Agrigent wurden über 100 Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht, da sich ein Waldbrand bis an den Ortsrand ausgebreitet hatte. Zudem wurden aus Sicherheitsgründen 22 Patienten und Patientinnen eines Krankenhauses verlegt.

In Spanien wurden am Mittwoch mehrere Gemeinden in der Hauptstadtregion Madrid wegen eines Brandes bei Toledo evakuiert. Die meisten Menschen konnten inzwischen in ihre Häuser zurückkehren. Die Einsatzkräfte hofften, die Brandlage bald zu stabilisieren. Der Verlauf der Brandbekämpfung sei "sehr positiv".

Zwar lassen sich einzelne Extremereignisse nicht direkt auf eine bestimmte Ursache zurückführen, klar ist laut Weltklimarat aber: Durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, Hitze und Dürre häufiger und intensiver.

Beim derzeit größten Waldbrand Spaniens in der Provinz Guadalajara wurden bis Mittwoch innerhalb einer knappen Woche 32.000 Hektar Land verwüstet. Das entspricht etwa 45.000 Fußballfeldern. Ersten Erkenntnissen zufolge wurde der Brand vermutlich durch landwirtschaftliche Arbeiten ausgelöst. Es sind weiterhin Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Insgesamt verbrannten heuer in Spanien schon fast 125.000 Hektar, knapp dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez rief bei einem Besuch des Brandgebiets am Mittwoch zu einem "Staatspakt gegen den Klimanotstand" auf. Fachleute sind überzeugt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel eine Rolle bei den extremen Wetterereignissen spielt.

Weitgehend von Hitzewellen verschont blieb bisher Griechenland. Entsprechend weniger gemeldete Waldbrände gab es. Zudem zog das Land auch Lehren aus den Bränden der vergangenen Jahre. Neben 85 staatlichen Löschflugzeugen sind nun auch 18.000 Berufs- und Saisonkräfte im Einsatz. Zudem unterstützen mehr als 100 Drohnenbasen in besonders gefährdeten Regionen die möglichst frühzeitige Erkennung von Bränden.

ORF.at

+ weitere Artikel anzeigen