Chauffeur für falsche Polizisten verurteilt
Ein 23-jähriger Mann, der sich wiederholt als Chauffeur für falsche Polizisten betätigt hatte, ist heute verurteilt worden. Der Schuldspruch wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation lautet zwei Jahre Haft, davon acht Monate unbedingt.
Der Mann nahm die Strafe an, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Der 23-Jährige hatte sich Anfang Jänner von der Bande anwerben lassen, die seit Jahren mit abgefeimten Anrufen gezielt ältere Personen verunsichert und die Opfer dazu bringt, vermeintlichen Polizisten Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände zu überlassen.
Der Schaden, der aktuell den Kriminellen zugeschrieben wird, liegt bei 25 Millionen Euro, referierte der Ankläger der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vor einem Schöffensenat: "Die Dunkelziffer ist hoch. Viele Betroffene haben ein schlechtes Gewissen und machen keine Anzeige." Auch Scham hindere sie daran, sich an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden.
Von Anfang Jänner bis Mitte April chauffierte der 23-Jährige in zumindest fünf Fällen falsche Polizisten herum und wartete im Auto, bis diese von den hochbetagten Opfern "ihre Lebensersparnisse übergeben bekommen haben", wie der Staatsanwalt sagte. Einer Betroffenen wurden 135.000 Euro in bar abgenommen, einer weiteren zumindest 80.000 Euro. Insgesamt entstand in den fünf inkriminierten Fällen ein Schaden von 270.000 Euro.
Der Angeklagte war geständig, redete seine Verantwortung aber klein. Er sei "nur gefahren" und habe "die Adressen bekommen". Weder habe er den falschen Polizisten gefälschte Ausweise übergeben noch Hintergrundwissen gehabt. Er habe sich "schlecht gefühlt" und "nächtelang nicht schlafen können".
Der Mann war ursprünglich in einem Nobel-Hotel in Wien als Rezeptionist beschäftigt. Den Job kündigte er, um angeblich die Matura nachzumachen. Die Reifeprüfung hat er bis heute nicht abgelegt. Stattdessen verdingte er sich für die Bande und dürfte für seine "Einsätze" fünf bis zehn Prozent von der Beute bekommen haben. Hatte er nichts zu tun, war er auf Skiurlaub in Sölden oder reiste mit der Familie seiner Freundin nach Barcelona.
"Sie haben ganz genau gewusst, was Sie tun. Ihre diesbezüglich leugnende Verantwortung glaubt Ihnen kein Mensch. Es war Ihnen schlicht und einfach egal. Sie wollten ohne viel Aufwand Geld verdienen und nicht normal arbeiten gehen", stellte die Richterin in der Urteilsbegründung fest. Bei einer Strafdrohung von bis zu fünf Jahren wurden vom Gericht die "heimtückische Vorgangsweise", die besondere Vulnerabilität der Opfer und "der hohe soziale Störwert" erschwerend gewertet. Angesichts seiner bisherigen Unbescholtenheit kam der 23-Jährige mit einer teilbedingten Haftstrafe davon.