Appell zu bewusstem Umgang mit Wasser
Angesichts der Trockenheit rufen vermehrt Gemeinden zum bewussten Umgang mit Wasser auf. In Dornbirn und Egg wird die Bevölkerung gebeten, auf unnötige Aktivitäten wie Autowäsche, das Befüllen von Pools oder das Bewässern des Rasens zu verzichten. Laut Geosphere Austria sind der Walgau und das Montafon besonders vom mangelnden Niederschlag betroffen.
Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen – nicht nur in der Natur, sondern auch beim Grundwasser. Alle Messstellen im Land liegen derzeit unter dem langjährigen Mittelwert. Noch ist genug Trinkwasser vorhanden, aber manche Gemeinden rufen trotzdem schon zum Sparen auf. Denn Wasser ist nicht unbegrenzt vorhanden.
Und vereinzelt kommt es bereits zu Problemen – wie etwa in der Bregenzerwälder Gemeinde Egg. Dort sei das Trinkwasser zuletzt knapp geworden, sagt Bürgermeister Marc Meusburger. "Wir hatten am Samstag einen Ausfall von einer Quelle, deshalb ist es am Samstag knapp geworden. Das war auch der Anlass, dass wir die Bevölkerung informiert und aufgerufen haben, Wasser zu sparen."
Den Eggerinnen und Eggern wird geraten, auf unnötige Aktivitäten zu verzichten. "Pools befüllen, Autos waschen, oder auch einfach nur Rasen netzen oder solche Sachen, die nicht unbedingt nötig sind, sind einfach derzeit zu vermeiden", sagt Bürgermeister Meusburger.
Mit mehr als 52.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Dornbirn die größte Stadt Vorarlbergs. Dementsprechend hoch sei an heißen Tagen der tägliche Wasserverbrauch, sagt Josef Wirth vom städtischen Wasserwerk. Der Normalverbrauch in Dornbirn liegt bei knapp 10.000 Kubikmetern. Derzeit seien es aber etwa 14.000 Kubikmeter.
"Wobei wir schon sehen, dass dieser Mehrbedarf nicht unbedingt mit Trinkwasser zu tun hat", sagt Wirth – vielmehr steige der Verbrauch durch das Nachfüllen von Pools und Bewässerung – "also Dinge, auf die die Anlagen ursprünglich nicht ausgelegt wurden". Und deshalb gilt auch in Dornbirn der Aufruf, wenn möglich, Wasser zu sparen. Die Stadt selbst hat zuletzt die Straßenreinigung zurückgefahren und Grünflächen nicht mehr bewässert.
80 Prozent des Trinkwassers in Dornbirn stammen aus drei Grundwasserbrunnen, die in Mäder liegen. Betrieben werden sie vom Trinkwasserverband Rheintal, der acht Gemeinden umfasst – von Mäder über Dornbirn bis Alberschwende. 120.000 Menschen leben in diesem Gebiet.
Die Brunnen befinden sich zwar im Rheinvorland, das Wasser selbst stammt aber nicht aus dem Alpenrhein. "Es ist Wasser vom Grundwasser-Begleitstrom. Das ist ein Grundwasserkörper, der sich mit langsamer Fließgeschwindigkeit nur mehrere Meter pro Tag Richtung Bodensee bewegt", erklärt Wirth.
Das Pumpwerk des Trinkwasserverbandes Rheintal ist in die Jahre gekommen und sollte bald generalsaniert werden. Um das zu ermöglichen, soll bald ein neues Werk gebaut werden – und zwar gemeinsam mit Feldkirch. "Wir hoffen, dass es gegen Ende des Jahres im besten Fall schon einen Bescheid gibt, denn dann müsste man noch mit circa vier bis fünf Jahren Bauzeit rechnen, bis es in Betrieb gehen kann", so Wirth.
Laut der GeoSphere Austria bleibt die Trockenheit in Österreich weiter ein massives Problem. Wie die Geosphere am Dienstag bekannt gab, fiel von 1. Jänner bis 30. Juni um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Das alleine wäre nicht so außergewöhnlich, heißt es. Allerdings war es in einzelnen Landesteilen seit 1885 nicht mehr so trocken. Regionen in Nieder-, Oberösterreich und Salzburg waren besonders betroffen.
"Niederschlagsarme Verhältnisse in den ersten sechs Monaten eines Jahres treten in Österreich immer wieder auf. So war es im Jahr 2003 und 1993 mit Defiziten von 30 bzw. 29 Prozent sogar noch etwas niederschlagsärmer als im heurigen ersten Halbjahr", analysierte Geosphere-Klimatologe Alexander Orlik.
Vom Walgau und dem Montafon in Vorarlberg über den Salzburger Flachgau, das Innviertel bis zum Wald- und Weinviertel, dem Wiener Becken und Teilen des Burgenlandes – die Niederschlagsdefizite liegen zwischen 30 und 40 Prozent, im Osten Österreichs sogar bis zu 50 Prozent. "Derart niederschlagsarm war es im Flächenmittel in diesen Teilen des Bundesgebietes seit dem Jahr 1885 nicht mehr, wo ebenfalls um rund 35 Prozent weniger Niederschlag fiel", sagte Orlik.
In Wien, im Weinviertel und in Teilen des Burgenlandes liegt der Index der klimatischen Wasserbilanz (ein Maß für die Differenz aus Niederschlag und Verdunstung, Anm.) der vergangenen 30 Tage bei unter minus 2,5 in Wien, im Wiener Becken und Marchfeld sogar unter minus drei. Ähnlich ist die Situation auch in den beiden genannten Regionen in Vorarlberg.