Schätzwert bis zu 30 Mio. Dollar: Auktion von Tyrannosaurus sorgt für Unmut
Ein 67 Millionen Jahre altes Skelett eines Tyrannosaurus Rex wird am Dienstag im Auktionshaus Sotheby's gemeinsam mit anderen Fossilien und Dinosaurierknochen in New York versteigert. Es gilt als eines der am vollständigsten erhaltenen Dinosaurierskelette. Sein Schätzwert liegt bei 20 bis 30 Mio. Dollar (rund 18 bis 26 Mio. Euro). Die Wissenschaft zeigt sich besorgt. Denn Museen können diese Summen kaum noch aufbringen. Im Besitz superreicher, privater Sammler sind die Fossilien für die Forschung aber meist verloren.
Drei Jahre lang wurden die Knochen des etwa 3,8 Meter hohen T-Rex von einer privaten Firma auf einer Ranch im Bundesstaat South Dakota im Westen der USA ausgegraben. Vom Grundstückseigentümer Gary "Gus" Licking erhielt das Dinosaurierskelett seinen Spitznamen Gus. Drei weitere Jahre brauchten die Ausgräber, um die Knochen im Labor zu dokumentieren und zu rekonstruieren. Nun ist es bereit für die Versteigerung.
Nach Angaben von Sotheby's ist die Knochenanzahl zu mehr als 60 Prozent erhalten. Der Zustand der Knochen gebe zudem Einblicke in das Leben des Dinosauriers. Der Schädel mit allen sechs Zahnreihen weise Bissspuren auf. Es sind auch Verletzungen wie gebrochene und verheilte Rippen und Bauchrippen zu erkennen. Für Sotheby's ein "herausragendes" Skelett. Das Einstiegsgebot liegt bei mindestens 19 Mio. Dollar.
"Wir können uns den Zugang zu vielen, vielen Exemplaren bereits nicht mehr leisten", sagte die Dinosaurierforschern Susannah Maidment vom Natural History Museum in London gegenüber der BBC. Das sei gerade in der heutigen Zeit problematisch. Maidment: "Wir befinden uns wahrscheinlich gerade in einem Massenaussterben, wir verändern unsere Umwelt sehr, sehr, sehr schnell." Die Vergangenheit sei die einzige Art empirischer Daten, um zu sagen, was aktuell und was in Zukunft passiere.
1997 wurde erstmals ein Tyrannosaurus Rex versteigert. Kunden waren damals vor allem Museen, die ihre Sammlung erweitern wollten. Das Field Museum in Chicago zahlte damals mit Unterstützung von privaten Sponsoren acht Mio. Dollar dafür. Inzwischen wurden Versteigerungen von Fossilien unter Superreichen zu einem Trend. Schauspielern wie Leonardo Di Caprio, Russell Crowe und Nicolas Cage wird ein Interesse daran nachgesagt. Sie waren bereits bei früheren Auktionen aktiv.
Der Wirbeltierpaläontologe Richard Butler von der University of Birmingham bezeichnete diesen Trend sowie die "Vorstellung, Dinosaurierfossilien als Statussymbol oder Handelsware zu kaufen", im "Guardian" als "besorgniserregend".
Die fünf teuersten Dinosaurier, die jemals versteigert wurden, stammen alle aus der Zeit seit 2020. Den bisherigen Rekord hält ein Stegosaurus Apex. Er wurde 2024 bei Sotheby's für das Elffache seines Schätzwerts um 44,6 Mio. Dollar verkauft. Käufer war der Hedgefondsmanager Ken Griffin. Er stellt das Skelett für vier Jahre dem American Museum of Natural History zur Verfügung.
Für die Forschung könnte dieses Exemplar dennoch verloren sein, pochen doch Fachzeitschriften zunehmend darauf, dass nur noch Arbeiten akzeptiert werden, die sich auf Fossilien in dauerhaften öffentlichen Sammlungen stützen. Aufgabe einer öffentlichen Einrichtung sei es, "ihre Sammlung auf unbestimmte Zeit zu erhalten, zu konservieren und zu kuratieren", betonte der US-Wirbeltierpaläontologe Thomas Carr im "Guardian". "Fossilien sind die Daten, daher müssen sie immer für Studien zugänglich sein."
Ein Fossil im Privatbesitz könne jederzeit aus einem Museum zurückgeholt werden. Damit seien die Prinzipien der Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit nicht garantiert, sagte Carr. Fachleute bei Sotheby's hingegen argumentieren damit, dass private Unternehmen entscheidend seien, um große Fossilien wie Dinosaurier überhaupt bergen zu können.
Das sei ein enormer Aufwand. Der Preis müsse die Zeit, das Können, die Kosten und die Risiken widerspiegeln, die mit der Bergung verbunden seien, sagte Cassandra Hatton, Leiterin für Naturgeschichte bei Sotheby's, gegenüber der BBC: "Viele Ausgräber leben von der Hand in den Mund. Das sind keine reichen Menschen." Umso mehr Reichtum braucht es, um die ausgegrabenen, präparierten Fossilien zu erwerben.