Aktivistinnen nach Schützen-Treff angezeigt
Für sieben Frauen hat das Alpenregionstreffen der Schützen in Innsbruck ein juristisches Nachspiel. Sie hatten sich als Schützinnen verkleidet und die Marschroute betreten. Angemeldet war die Protestaktion nicht, jetzt sieht sich die Gruppe mit Geldstrafen konfrontiert.
Beim Alpenregionstreffen der Schützen Mitte Mai hatten sich sieben Frauen als "Schützinnenkompanie International" dem Festzug angeschlossen. Laut Polizei betraten sie dabei die Marschroute und störten dadurch die öffentliche Ordnung. Trotz Aufforderung hätten sie ihr Verhalten erneut gesetzt. Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck verhängte deshalb gegen jede der sieben Frauen eine Geldstrafe von mehreren hundert Euro. Einer der "Schützinnen" wird zudem ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz angelastet.
Die Frauen wollen sich wehren und haben Einspruch gegen die Strafverfügung erhoben. Einer der Betroffenen, Cornelia Landschützer, weist den Vorwurf einer Ordnungsstörung zurück. Die Frauen seien als Besucherinnen beim Alpenregionstreffen gewesen und hätten mit ihrer Aktion friedlich auf die aus ihrer Sicht bestehende Ausgrenzung von Frauen im Schützenwesen aufmerksam machen wollen.
Das kurzfristige Betreten der Fahrbahn sei irrtümlich erfolgt, nachdem man angenommen habe, der Festzug sei bereits vorbei. Sämtliche Anordnungen der Polizei seien befolgt worden, argumentiert die Aktivistin. Sie beantragt die Einstellung des Verwaltungsstrafverfahrens.
Ursula Beiler, die Künstlerin hatten in der Vergangenheit mit der "Grüß Göttin"-Aktion für Aufregung gesorgt, ist irritiert. Seitens der Polizei habe man der Gruppe bei der Veranstaltung nichts Konkretes vorgeworfen, erklärte sie im ORF-Interview. "Am Ende haben wir uns gedacht, wir gehen jetzt, weil eh nichts mehr gekommen ist", so Beiler. Polizeibeamte hätten sie aber ständig beobachtet, erklärt die Aktivistin.
Ihre Mitstreiterin, Cornelia Landschützer, hat das Gefühl, dass man die Frauen mit "mundtot" machen wolle. "Es wird ständig über unsere Köpfe hinweg entschieden, ohne überhaupt mit uns zu sprechen", kritisiert Landschützer. Mit der "Satireaktion", wie sie es nennt, habe man ein Zeichen setzen wollen: "Wir dürfen uns auch zeigen."
Landschützer ruft nach Veränderung. Es gehe ihr "nicht ums Schießen", man wolle sich "mit Worten Gehör verschaffen". Die Schützen sollten sich laut ihr auch auf andere Weise für die Bevölkerung einsetzen. Bei den Blockaden am Brenner und Fernpass hätte dass "einen ganz anderen Wumms" gebracht.
Der Landeskommandant der Tiroler Schützen, Thomas Saurer, hält das Einschreiten der Exekutive hingegen für gerechtfertigt. Die Gruppe sei weder eingeladen noch angemeldet gewesen. Bei einer Großveranstaltung mit rund 12.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern müssten sich alle an die geltenden Vorgaben halten. Aus seiner Sicht habe das Verhalten weniger der Teilnahme am Festzug als vielmehr "einer gezielten Provokation und Störung des Veranstaltungsablaufs" gedient. Die Aktivistinnen hoffen jetzt auf eine Strafmilderung.