Graz Wahl 2026: Ärger vor Wahllokalen
Graz-Wahl 2026: Wahllokale geschlossen, Auszählung läuft. Erste Hochrechnung ab 17 Uhr erwartet – Hitze könnte Wahlbeteiligung beeinflussen.
Graz hat gewählt - alle 111 Wahllokale für die Gemeinderatswahl sind seit 16.00 Uhr geschlossen. Nun werden die Stimmen ausgezählt und die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten warten die Ergebnisse ab. Sie waren bei den Stimmabgaben durch die Bank optimistisch. Ab 17.00 Uhr ist mit einer ersten Hochrechnung von ORF und Foresight zu rechnen.
Spannend wird, wie sich die Hitze - in Graz stieg das Quecksilber in den Thermometern auf knapp 35 Grad Celsius - auf die Wahlbeteiligung auswirkt. 2021 lag sie bei 54 Prozent. In einem Wahllokal in der Grazer Innenstadt hieß es am mittleren Nachmittag, dass der Andrang zu den Urnen ab Mittag deutlich nachgelassen habe. Die Wahlbeisitzer vermuteten die Hitze als Grund. Ob auch das frühmorgendliche Spiel der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Algerien Auswirkungen haben wird, ist unklar. So mancher Fan sei jedenfalls gleich zu Wahlbeginn um 7.00 Uhr zur Stimmabgabe gekommen und am Vormittag torkelten auch noch der eine oder andere Fußballanhänger im roten Österreich-Trikot auf den Straßen herum.
Der Spitzenkandidat der FPÖ, René Apfelknab, erschien um 9.00 Uhr in der Volksschule Graz-Neuhart im Bezirk Wetzelsdorf. "Ich habe schon eine frühe Wanderung auf den Buchkogel gemacht", sagte er auf Befragen. Vom WM-Fußballmatch habe er noch das 1:1 gesehen, dann sei er aufgebrochen. Schon um 9.00 Uhr hatte es an die 28 Grad Celsius, viele Menschen erschienen daher in knapper Freizeitkleidung im Wahllokal. Einige schwangen sich gleich danach aufs Rad, um noch die kühleren Stunden zu nutzen.
Die Grünen-Spitzenkandidatin Judith Schwentner spazierte mit Ehemann Thomas Wolkinger zum Wahllokal in der Volksschule Krones im Zentrum der Stadt. Ihr Bauchgefühl für den Ausgang der Wahl sei "bis zum Schluss ein gutes". Geschlafen habe sie gut. Das Fußball-Spiel am Morgen habe sie nicht verfolgt, nur das Ergebnis nachgelesen.
Der Spitzenkandidat von NEOS, Philipp Pointner, hat seine Stimme im Vereinsgebäude beim Mariatroster Teich abgegeben. Beim Wahllokal herrschte reger Betrieb. Der Eissalon nebenan war geöffnet. Pointner entschied sich nach der Stimmabgabe für eine Kugel pink: Himbeer-Sorbet. "Wir haben fünf Jahre gut gearbeitet. Da ist man dann am großen Tag nicht mehr nervös, sondern voller Freude", meinte er auf Journalistenfragen. KFG-Stadträtin Claudia Schönbacher wählte übrigens schon um 8.00 Uhr im Wahllokal "Don Bosco" in ihrem Heimatbezirk Gries.
ÖVP-Spitzenkandidat und amtierender Sport- und Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner kam pünktlich um 10.00 Uhr und gemeinsam mit seiner Familie zum Wahllokal. In der Bäckerei Kern im Grazer Hügelbezirk Waltendorf herrschte zu diesem Zeitpunkt stetiger, aber moderater Betrieb. Hohensinner zeigte sich trotz nächtlicher Schlafunterbrechung zwecks Österreich-Match ausgeschlafen: "In der 75. Minute hat mich mein Sohn aufgeweckt, und wir haben uns dann die entscheidende Phase angeschaut. Es war fast unglaublich, was sich da abgespielt hat." Bezüglich des Endergebnisses zog Hohensinner eine Parallele zum aktuellen Wahlgeschehen: "Das X passt jetzt schon einmal, weil das Österreich weiterbringt. Jetzt brauchen wir noch ein X für die Grazer Volkspartei."
Kurz vor 10.30 Uhr hat dann auch KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr im Oeverseegymnasium im Grazer Bezirk Gries ihre Stimme abgegeben. Begleitet wurde sie von ihrem Lebensgefährten Franz Stephan Parteder. Vor dem Wahllokal wartete bereits ein größeres Medienaufgebot. Mit einem Fächer in der Hand lächelte Kahr den Kameras kurz zu und bat zunächst um Verständnis: "Ich gehe jetzt schnell wählen." Nach der Stimmabgabe wollte sie sich keinen "Spekulationen" hingeben. "Hoffentlich wird es nicht so spannend wie Österreich gegen Algerien", sagte die Bürgermeisterin mit Blick auf das Fußballspiel und den Wahlabend. Ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" wünsche sie sich nicht. Vom Fußballspiel habe sie noch die letzten fünf Minuten gesehen: "Da habe ich mich sehr gefreut, das war sehr mitreißend."
SPÖ-Spitzenkandidatin Doris Kampus ging am späten Sonntagvormittag im ABZ Andritz mit Ehemann Daniel wählen. Sie hatte sich wie einige andere Spitzenkandidaten in aller Herrgottsfrüh das WM-Fußballspiel Österreich gegen Algerien "gegeben" und in der 96. Minute gejubelt: "Das gibt's ja nicht!" Das gute Gefühl mit dem Weiterkommen des ÖFB-Teams ging konform mit den Erwartungen bei der Gemeinderatswahl.
"Gestaltung ist in unserer DNA als Sozialdemokraten", sagte die frühere Landesrätin. Sie glaube an ein Plus vor der Zahl, also an Zugewinne. "Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, schließlich haben wir seit 38 Jahren immer verloren, wenn auch von einem sehr hohen Niveau ausgehend", spielte Kampus auf die Zeit der SPÖ als Bürgermeisterpartei an. Von der Bundes- und Landespartei (Vizekanzler Andreas Babler bzw. Abg. Max Lercher, Anm.) habe sie sich ausreichend unterstützt gefühlt, sagte sie auf Journalistenfragen. Man werde auf jeden Fall in der kommenden Legislaturperiode konstruktive Projektpolitik machen, ein "mit Haut und Haaren" um jeden Preis in einer Koalition werde es nicht geben.
Gleich nach dem Öffnen der Wahllokale haben ÖVP, SPÖ, Grüne und NEOS in einer gemeinsamen Aussendung ihrem Ärger über die KPÖ Luft gemacht: "Mit großem Befremden nehmen wir zur Kenntnis, dass sich die KPÖ nicht an das gemeinsam ausverhandelte Fairnessabkommen für die Grazer Gemeinderatswahl hält. Darin wurde unmissverständlich vereinbart, auf jegliche Parteiwerbung vor den Wahllokalen zu verzichten. Dass die KPÖ diese gemeinsame Vereinbarung missachtet, ist nicht akzeptabel und untergräbt das Vertrauen in faire Spielregeln im demokratischen Wettbewerb." Sie forderten die KPÖ auf, die betreffenden Plakate "umgehend zu entfernen und sich an das von allen Parteien vereinbarte Fairnessabkommen zu halten". Kahr reagierte gelassen darauf. Sie sehe darin "kein Foul". Das Fairnessabkommen sei freiwillig und die anderen Parteien hätten sich bei der letzten Wahl auch nicht daran gehalten.
225.883 Personen (2021: 223.512) waren wahlberechtigt und konnten zwischen elf Parteien und Listen entscheiden. Umfragen deuten auf einen Sieg für Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hin, die 2021 überraschend Platz eins geholt hatte.