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Venezuela: Militär übernimmt Kontrolle in Bebenregion

Venezuela: Militär übernimmt Kontrolle in Bebenregion

Venezuela: Militär übernimmt Kontrolle in Bebenregion

Im Bundesstaat La Guaira und damit in der von einem Doppelbeben am stärksten betroffenen Region von Venezuela haben die Streitkräfte die Kontrolle übernommen. Das gab der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, laut Agenturberichten vom Samstag bekannt. Erst nach und nach zeichnet sich das gesamte Ausmaß des Bebens ab. Bisher wurden 920 Tote geborgen, rund 50.000 Menschen gelten weiter als vermisst.

Die Streitkräfte haben in La Guaira nach Angaben von Rodriguez die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern. Der Bundesstaat, wo sich der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen Venezuelas befinden, ist zum Katastrophengebiet erklärt worden.

Mehr als 70.000 Familien seien dort von den Folgen der Katastrophe betroffen, sagte Innenminister Diosdado Cabello. Cabello kündigte die Schließung der Zufahrtsstraßen nach La Guaira aus humanitären und gesundheitlichen Gründen an. "Es ist notwendig, dass alles geordnet und entsprechend der aktuellen Lage abgewickelt wird", sagte er im Fernsehsender VTV.

Damit wolle man verhindern, dass Menschen dorthin reisten, die dort nichts zu tun hätten. Ziel sei, gesundheitliche Risiken zu minimieren sowie die Bergungsarbeiten zu beschleunigen.

"Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben", beschrieb indes Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez die weiter laufende Suche nach Überlebenden. Rettungsteams aus verschiedenen Ländern kämpfen unter schwierigen Bedingungen gegen die Zeit.

Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen der Vermissten und Verschütteten nach 72 Stunden stark sinken. Mehr als 300 Nachbeben wurden bisher registriert. Am Freitag ereignete sich eine Erschütterung der Stärke 4,7 in einer Tiefe von zehn Kilometern vor Venezuelas Karibik-Küste, wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte.

Auf einem eigens für die Suche nach Vermissten eingerichteten Internetportal gingen Zehntausende Meldungen ein. Nach Angaben der Betreiber gelten dort derzeit rund 50.000 Menschen als vermisst. Auf der inoffiziellen Plattform können Angehörige und Bekannte Fotos der Vermissten zusammen mit weiteren Informationen hochladen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der Nacht auf Samstag wurde die Nordküste des Landes erneut von einem Beben erschüttert. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 4,9, wie das europäische Erdbebenzentrum EMSC mitteilte. Zeugen der Nachrichtenagentur Reuters spürten das Beben unter anderem in der Hauptstadt Caracas und der nahe gelegenen Stadt Maracay.

Erst am Freitag meldete die US-Erdbebenwarte USGS eine weitere Erschütterung der Stärke 4,7. Insgesamt wurden bislang rund 300 Nachbeben registriert.

Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Rodriguez telefonierte eigenen Angaben zufolge zuletzt auch mit US-Präsident Donald Trump. Trump und US-Außenminister Marco Rubio hätten angerufen und ihr die Unterstützung der USA für Venezuela angesichts der Katastrophe zugesichert, schrieb Rodriguez auf X.

"Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit", schrieb die Staatschefin.

Ihr Bruder, Parlamentspräsident Rodriguez, sprach von der schwersten Naturkatastrophe Venezuelas in den vergangenen 30 Jahren. 250 Gebäude seien komplett zerstört oder beschädigt. Acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen seien betroffen. Der UNO-Nothilfekoordinator Tom Fletcher sprach am Freitag von einer "extrem komplexe Rettungsaktion". Die Suche in den Trümmern sei eine "kolossale Aufgabe".

Die UNO und Hilfsorganisationen riefen am Freitag zu Solidarität auf, um eine größere humanitäre Krise in dem Land zu verhindern. Die internationale Gemeinschaft dürfe "nicht zulassen, dass sich dieser Katastrophenfall zu einer größeren menschlichen Tragödie ausweitet". Die Erdbebenkatastrophe komme zu dem ohnehin "schwierigen humanitären Kontext" in Venezuela noch hinzu, hieß es in der Erklärung.

Schon zuvor hätten Millionen Venezolaner und Venezolanerinnen unter Ernährungsunsicherheit, einer zusammengebrochenen Gesundheitsversorgung und einem eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen gelitten. Trotz der größten bekannten Ölreserven der Welt, deren Verwertung allerdings technisch komplex und kostspielig ist, leben viele Menschen in Armut.

Nach UNO-Angaben sind rund 1.000 Einsatzkräfte aus mindestens 17 Ländern unterwegs in die Krisenregion oder bereits an Ort und Stelle eingetroffen. Die Entsendung von Rettungskräften habe "oberste Priorität", erklärte das UNO-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) am Freitag. Neben Helfern und Helferinnen aus Kolumbien, Mexiko und der Schweiz schickten auch die USA Such- und Rettungsmannschaften.

Trump kündigte darüber hinaus Hilfsgelder von 150 Mio. Dollar (132 Mio. Euro) an. Das US-Finanzministerium setzte bereits am Donnerstag Sanktionen bis Oktober aus, um Transaktionen im Zusammenhang mit Hilfsmaßnahmen zu ermöglichen.

Um Internet im Katastrophengebiet zu ermöglichen, kündigte Starlink von Tech-Unternehmer Elon Musk an, das Kommunikationsnetz bis zum 25. Juli kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Österreichische Hilfsorganisationen begannen bereits ihre Nothilfe und starteten einen Spendenaufruf.

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