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Erde speichert immer mehr Wärme

Erde speichert immer mehr Wärme

Erde speichert immer mehr Wärme

Mit den steigenden Treibhausgasemissionen gerät der Energiehaushalt der Erde aus dem Gleichgewicht. Sie nimmt nicht nur immer mehr Energie auf, sondern gibt sie auch zunehmend weniger ins Weltall ab. Damit werden u.a. Meereshitzewellen häufiger, wie ein neuer Bericht zeigt.

Führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentierten die aktuellen Ergebnisse der mittlerweile vierten Untersuchung "Indicators of Global Climate Change" (IGCC) bei der derzeit in Bonn stattfindenden UNO-Klimakonferenz. Diese seit 2023 jährlich erscheinende Auswertung gilt als Zwischenbilanz für die Berichte des Weltklimarats IPCC, die nur im Abstand mehrerer Jahre herauskommen.

Mitautor Thomas Frölicher von der Universität Bern fasst die Datenlage zusammen: "Wir stoßen mehr Treibhausgase als je zuvor aus." Dies führe zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen etwa von CO2, Methan und Lachgas (Distickstoffmonoxid, Anm.) in der Atmosphäre. "Und dadurch speichern wir mehr Wärme im Erdsystem und bringen die Welt aus dem Gleichgewicht."

Die gesamten globalen Treibhausgasemissionen entsprachen im Jahr 2024 dem Effekt von rund 56,8 Gigatonnen CO2. Davon entfielen 38,6 Gigatonnen CO2 auf fossile Brennstoffen und Industrie.

Die globale mittlere Konzentration wesentlicher Treibhausgase ist in der Atmosphäre im Jahr 2025 im Vergleich zu 2019 (jüngste Daten des Weltklimareports, Anm.) weiter gestiegen: bei CO2 um 15,6 ppm (Teile pro Million) auf 425,6 ppm, bei Methan um 70,2 ppb (Teile pro Milliarde) auf 1936,3 ppb.

Als Folge nimmt das sogenannte Energieungleichgewicht der Erde zu: Dieses entsteht, weil durch die Treibhausgase mehr durch Sonnenstrahlung erzeugte Energie im Klimasystem der Erde gehalten als in den Weltraum abgegeben wird. Das zeigt, wie schnell sich Wärme im Klimasystem ansammelt. Laut dem IGCC-Bericht nimmt die Erde nicht nur immer mehr Wärme auf, sondern speichert sie auch immer schneller.

So haben die Ozeane seit den 1970er Jahren etwa 90 Prozent der überschüssigen Wärmeaufnahme gespeichert. In den Meeren ist laut dem Bericht seit den 1990er Jahren etwa "eine robuste Zunahme der Erwärmung in Tiefen zwischen 700 und 2.000 Metern zu beobachten". Die verbleibenden zehn Prozent verteilen sich auf die Erwärmung der Landflächen und der Atmosphäre sowie auf das Abschmelzen von Eis. Die Temperaturen über den Landflächen sind im Jahrzehnt 2016 bis 2025 im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1900 um 1,81 Grad angestiegen.

Als Ursachen nennt der Bericht neben steigenden Konzentrationen langlebiger Treibhausgase auch Rückgänge beim Ausstoß kühlender Aerosole wie Schwefeldioxid. Aber auch kleiner werdende Meereisflächen tragen dazu bei.

Neu aufgenommen wurden in die Untersuchung Tage mit Meereshitzewellen, deren Anzahl sich von 1991 bis 2025 mehr als verdreifacht hat. Im Jahr 2025 gab es im Durchschnitt an jedem Messpunkt der Ozeanoberfläche rund 60 Hitzetage.

Nach Angaben der Mitautorin Karina von Schuckmann, Beraterin bei der Forschungsorganisation Mercator Ocean International in Toulouse, steige durch die Erwärmung der Ozeane und durch das Abschmelzen von Eis auf Landflächen auch der Meeresspiegel immer schneller. Von 1971 bis 2018 betrug der Anstieg laut Report rund 2,33 Millimeter pro Jahr, von 2018 bis 2025 waren es bereits 3,84 Millimeter pro Jahr.

Dem Bericht zufolge steigen die globalen Treibhausgasemissionen zwar nicht mehr so schnell wie in den 2000er Jahren, sie nehmen aber nach wie vor zu. Die Menschheit sei sehr weit davon entfernt, sich "jetzt auf einem abnehmenden Pfad zu befinden", sagt Mitautorin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich. Das sei "schwierig zu verstehen, wenn wir wissen, dass das Pariser Abkommen 2015 beschlossen wurde", sagt sie.

Wenn die Erderwärmung mit nur fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit gemäß dem Pariser Abkommen auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden soll, dürften weltweit laut IGCC nur noch 130 GtCO2 produziert werden. Bei den derzeitigen Emissionen wäre dieses Budget bereits in drei Jahren aufgebraucht. Bei einer Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,7 Grad Celsius betrüge der noch verbleibende Wert 500 GtCO2 und damit zwölf Jahre.

Für den IGCC-Bericht haben mehr als 70 Forschende über 40 Datensätze ausgewertet, unter anderem Satellitenbilder und eine Reihe von Messdaten, insbesondere von Wetterstationen, Schiffen und Wetterballons. Wegen Mittelkürzungen sind allerdings viele der genutzten Satelliten- und Erdbeobachtungsprogramme in Gefahr, insbesondere in den USA.

Die Messungen auf See würden weitgehend von den USA finanziert und diese hätten jüngst seine Absicht verkündet, damit aufzuhören, erklärte Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage. Diese Messungen seien aber "absolut unentbehrlich", um zu erforschen, wie die Weltmeere Wärme absorbieren und wie dies das Wetter und die Meeresströmungen beeinflusst.

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