EZB erhöht Leitzinsen: Das bedeutet der Zinsanstieg für Sparer und Kredite
Die EZB erhöht den Leitzins erstmals seit 2023. Warum die Zinsen steigen und wie sich das auf Sparzinsen, Kredite und die Wirtschaft auswirkt.
Die Europäische Zentralbank erhöht erstmals seit September 2023 die Leitzinsen. Der für Sparer wichtige Einlagensatz steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt künftig bei 2,40 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.
Damit reagiert die EZB auf die zuletzt gestiegene Inflation im Euroraum. Zuletzt liegt sie bei rund 3,2 Prozent. Vor allem gestiegene Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen treiben die Teuerung an und erhöhen den Druck auf die Währungshüter.
"Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiert", heißt es dazu.
Die Inflation liegt aktuell deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent. Treiber sind vor allem teurere Energie, aber auch steigende Preise für Waren und Dienstleistungen. Für 2026 rechnet die EZB mit einer Inflationsrate von rund 3,0 Prozent. Erst in den kommenden Jahren soll sich die Lage wieder entspannen.
Mit dem höheren Leitzins versucht die Notenbank, die Nachfrage zu dämpfen. Weniger Konsum und Investitionen sollen den Preisanstieg bremsen.
Für Sparer bringt der steigende Leitzins eine klare Verbesserung. Etliche Banken haben in Folge der erwarteten Zinserhöhung ihre Konditionen bereits angepasst. Festgeld liegt derzeit im Schnitt bei etwas über zwei Prozent, während Tagesgeldkonten ebenfalls wieder höhere Erträge bringen.
In einzelnen Fällen locken Banken sogar mit deutlich attraktiveren Angeboten für Neukunden. Die Entwicklung dürfte sich fortsetzen, wenn die Banken die höheren Leitzinsen weitergeben. Wie schnell das passiert, hängt jedoch vom jeweiligen Institut ab.
Während Sparer profitieren, wird es für Kreditnehmer spürbar teurer. Höhere Zinsen schlagen sich früher oder später auf Immobilienkredite, Konsumfinanzierungen und Unternehmenskredite nieder.
Der Effekt ist durchaus gewollt: Wenn Kredite teurer werden, sinkt die Nachfrage. Genau das soll helfen, die Inflation einzudämmen.
Gleichzeitig entsteht ein Risiko für die Wirtschaft. Investitionen werden zurückgestellt, Wachstum kann gebremst werden. Die EZB bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Preisstabilität und Konjunktur.
Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben verhalten. Für 2026 erwartet die EZB nur ein Wachstum von 0,8 Prozent im Euroraum. Auch in den Folgejahren fällt die Erholung moderat aus.
Der Grund liegt nicht nur in den Zinsen, sondern vor allem in den globalen Unsicherheiten. Der Nahost-Konflikt und die Entwicklung der Energiepreise bleiben weiterhin unsichere Faktoren.
Ob der Leitzins weiter steigt, ist offen. Ökonomen rechnen mit zusätzlichen Zinsschritten noch in diesem Jahr. Die EZB selbst bleibt vorsichtig und legt sich noch nicht endgültig fest.
"Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest", betont die Notenbank. Die Entscheidungen erfolgen weiterhin datenabhängig von Sitzung zu Sitzung.
Künftige Entscheidungen hängen davon ab, wie sich Inflation, Energiepreise und Wirtschaft entwickeln.