Nach Gefechten: Iran erklärt Totalsperre der Hormus-Straße
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran besteht aktuell nur auf dem Papier. In der Nacht auf Donnerstag erklärte Teheran die komplette Sperre der Straße von Hormus. Die US-Armee hatte zuvor zahlreiche Ziele im Iran aus der Luft angegriffen. Die iranische Armee feuerte ihrerseits Raketen auf mehrere Golfstaaten. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran erneut mit derben Worten.
Die US-Streitkräfte griffen die zweite Nacht in Folge laut Mitteilung Radarstationen und Luftabwehrstellungen im Iran an, auch in der Nähe Teherans und am Persischen Golf. Der US-Sender Fox News zitierte Trump mit den Worten, man werde das Land in Grund und Boden bombardieren ("We'll bomb the shit out of them"), sollte der Iran nicht bald ein Abkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen. Teheran halte die USA zum Narren, so Trump. Die im April mit Teheran vereinbarte Feuerpause sei "die am häufigsten gebrochene" der Weltgeschichte.
Der Iran reagierte auf die US-Angriffe nach Angaben staatlicher Medien mit der Ankündigung einer Totalsperre der Straße von Hormus und Angriffe auf die Golfstaaten Bahrain und Kuwait sowie auf Jordanien. Jedes Schiff, das die für den Erdöl- und Erdgashandel zentrale Route zu passieren versuche, werde angegriffen, hieß es in einer Erklärung im iranischen Rundfunk. Als Grund wurde eine "veränderte Sicherheitslage" genannt.
Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom dementierte die Schließung der Schiffspassage und schrieb auf der Plattform X: "Falsch". Handelsschiffe würden die Passage weiterhin durchfahren. Auch einen von der iranischen Revolutionsgarde gemeldeten Angriff auf ein US-Kriegsschiff dementierte Centcom. Die eigenen Angriffe auf den Iran erklärte das Regionalkommando für beendet.
Iranische staatliche Medien hatten zuvor von Explosionen in Hafenstädten und deren Umgebung entlang der Südküste des Landes, etwa in Minab und Sirik, berichtet. In Minab starben am 28. Februar, dem ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran, bei einem Luftangriff auf eine Schule zahlreiche Kinder und erwachsene Zivilisten. Das Gebäude, das neben einem Militärkomplex liegt, war von einem US-Marschflugkörper getroffen worden.
Auch aus der Umgebung Teherans wurden Angriffe gemeldet, darunter aus der Großstadt Karadsch nur wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernt. In Karadsch wurde die höchste Brücke des Iran über den gleichnamigen Fluss Anfang März durch einen US-Angriff zerstört. Trump drohte seither mehrfach mit weiteren schweren Angriffen auf die iranische Verkehrs- und Energieinfrastruktur, auch am Mittwoch (Ortszeit) wieder.
Als Folge der iranischen Angriffe auf die Golfstaaten meldete Kuwait Donnerstagfrüh die Sperre seines Luftraums für zivile Flugzeuge. Die Luftabwehr sei aktiv, hieß es. Auch in Bahrain gab es Luftalarm, wie das Innenministerium in der Hauptstadt Manama mitteilte.
In beiden Ländern unterhalten die US-Streitkräfte Militärbasen, in Bahrain ist das Kommando der 5. Flotte der US-Marine stationiert. Dieses soll mit Drohnen angegriffen worden sein, hieß es in einer Erklärung im iranischen Rundfunk. Die Revolutionsgarde meldete Angriffe auf insgesamt 18 Ziele in den Golfstaaten und einen mit ballistischen Raketen auf den US-Stützpunkt al-Asrak in Jordanien.
Das US-Militär hat laut Trump in den letzten Wochen Öltanker und andere Handelsschiffe in "geheimer Mission" dabei unterstützt, die Straße von Hormus zu durchqueren. Er habe das im Vormonat angeordnet, schrieb Trump am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social, ohne genauere Angaben dazu zu machen. Trump schrieb weiter, dass mehr als 200 Handelsschiffe die Meerenge sicher durchquert hätten. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht.
"Heute freue ich mich bekanntzugeben, dass diese Bemühungen dazu geführt haben, dass mehr als 100 Millionen Barrel Öl die Straße durchquert haben und auf den freien Markt gelangt sind", so Trump. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 20 Millionen Barrel an Rohöl und Ölprodukten pro Tag durch die Meerenge transportiert.
Zuvor hatte der US-Präsident im Weißen Haus vor Reportern vage von dem US-Vorgehen gesprochen und gesagt, dass er nun darüber rede, weil der Iran es herausgefunden habe. "Dieser überaus erfolgreiche Einsatz ist darauf zurückzuführen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die Straße von Hormus kontrollieren – nicht der Iran", behauptete Trump auf Truth Social. Er hat laut Zählung des US-Senders CNN bisher auch 38-mal einen baldigen "Deal" mit dem Iran angekündigt.
Die iranischen Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen, Kontrollen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht und die Kontrolle über wichtige Exportroute für sich beansprucht.
Die USA verhängten Mitte April ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran, um das Land unter anderem von seinen Öleinnahmen abzuschneiden. Für den Iran ist der Ölexport das wichtigste wirtschaftliche Standbein – und für die Weltwirtschaft ist die Straße von Hormus als Exportroute für Öl, Flüssiggas und Dünger von großer Bedeutung.