Festspielintendantin will "Vertrauen aufbauen"
Salzburgs neue Festspielintendantin Karin Bergmann will mit ihrer Arbeit "Vertrauen aufbauen". Das sagte die 72-Jährige in ihrem ersten Interview seit ihrem Amtsantritt vor zwei Monaten. Gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) zeigte sie sich aber auch "betroffen", dass ihr Vorgänger Markus Hinterhäuser "nun die Unwahrheit verbreitet, ich hätte das von langer Hand vorbereitet."
Bergmanns Bestellung Anfang April waren turbulente Wochen vorausgegangen, in denen ihre Bewerbung für den Job als Schauspielchefin der Festspiele unter Hinterhäuser öffentlich diskutiert wurde. Vom Festspielkuratorium wurde diese Auswahl Bergmanns durch Hinterhäuser als Vertrauensbruch gesehen, der Intendant wurde abgelöst und die 72-jährige Ex-Burgtheaterdirektorin seine Nachfolgerin für die Festspielsommer heuer und 2027.
Wenige Wochen vor dem Festspielstart am 17. Juli gab Bergmann ihr erstes Interview in der neuen Funktion. Die Stimmung bei den Festspielen und auch die Skepsis, die ihr teils begegnet, beschrieb sie darin so: "Das Prinzip, mit allen in einem Betrieb arbeitenden Menschen auf Augenhöhe zu kommunizieren, hat, glaube ich, meine Zeit im Burgtheater ausgemacht. Genauso mache ich es jetzt auch in Salzburg. Darauf habe ich in den vergangenen Wochen sehr positive Resonanz bekommen, und das bestärkt mich."
"Aber natürlich gibt es bei den Festspielen viele Menschen, die mit Markus Hinterhäuser eng verbunden sind und mir vielleicht zunächst skeptisch gegenüberstanden", sagte Bergmann. "Ich kann nur versuchen, durch meine Art und meine Arbeit Vertrauen aufzubauen. Wenn es mir gelingt, ist es gut. Manchmal muss man aber Distanz auch akzeptieren. Niemand kann die Zeit zurückdrehen, aber mir ist wichtig, Markus Hinterhäuser doch noch zu überzeugen, dass mein Schritt, in Salzburg anzutreten, kein Schritt gegen ihn war. Und natürlich versuche ich ihn dafür zu gewinnen, seine beiden Konzerte im Sommer zu spielen."
Ob es einen Plan B für die Konzerte gibt, sollte Hinterhäuser hart bleiben, beantwortete die Intendantin so: "Wir werden sicher nicht das Publikum nach Hause schicken. Das kann auch Markus Hinterhäuser nicht wollen."
Dass Bergmann zunächst als Schauspielchefin unter Hinterhäuser von ihm vorgeschlagen wurde, ihn dann aber letztendlich beerbte, sorgte für Diskussionen. Die 72-Jährige kommentierte das so: "Eines ist klar: Es ist nicht meine Schuld, dass sein Vertrag nicht mehr existiert und zwei Parteien einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben, in dem beiderseitiges Stillschweigen vereinbart wurde." Was der genaue Auslöser für die Vertragsauflösung mit Hinterhäuser war, "darüber weiß ich nichts. Und weil beide Seiten sich auf Stillschweigen verständigt haben, ist es auch vollkommen sinnlos, da nachzubohren."
Vorwürfe, dass sie Hinterhäuser mit ihrer Zusage als Interims-Intendantin für zwei Sommer in den Rücken gefallen sei, wies Bergmann zurück: "Es stimmt nicht, dass ich Markus Hinterhäuser in den Rücken gefallen bin, denn nach der Vertragsauflösung war klar: Die Festspiele werden sicher nicht zugesperrt oder abgesagt, sondern sie müssen eine Lösung finden. Für mich war klar: Ich möchte das in seinem Sinne fortführen und umsetzen, was vorbereitet ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich gegen ihn versündigt hätte."
Dass Hinterhäuser selbst das anders sieht – "Mit dieser Reaktion habe ich wirklich nicht gerechnet", so Bergmann. "Und dass er nun die Unwahrheit verbreitet, ich hätte das von langer Hand vorbereitet, macht mich wirklich betroffen."
Die Frage, ob das Schauspielprogramm der Festspiele jetzt ihre Handschrift trage, beantwortete Bergmann so: "Markus Hinterhäuser hat wunderbare Kontakte, seit vielen Jahren eine schöne Verbindung zu Peter Handke, und Ulrich Rasche beispielsweise hat in Salzburg im Schauspiel und in der Oper schon großartig gearbeitet, ebenso wie Jossi Wieler. Meine Handschrift sieht man vielleicht daran, dass mit Jette Steckel auch eine Frau inszeniert, die zwei großartige Arbeiten am Burgtheater gemacht hat. Markus Hinterhäuser und ich hatten immer sehr gute Gespräche."
Auf die Frage, ob es beim Opernprogramm für 2027 für sie noch etwas zu planen gebe, sagte die Intendantin: "Manches muss noch ins richtige Fahrwasser. Es gibt sehr wohl etwas zu tun. Und das sind keine einfachen Gespräche."
Eine andere Planung – nämlich jene für den großen Umbau der Festspielhäuser – betrifft Bergmanns Arbeit stark: "Es gibt kontinuierlich Sitzungen, die mit dem Umbau, den vorübergehenden Umzügen und der Erweiterung zu tun haben. Das wird eine große Herausforderung für den Betrieb – und auch für die Stadt! Noch dazu plane ich ja nicht nur das Schauspiel für 2027, sondern auch das Gesamtprogramm für 2028. Alles andere wäre fahrlässig. Und da gibt es natürlich Imponderabilien wegen des Bauvorhabens."
Zweifel daran, dass der Umbau verschoben werden könnte, hat die Intendantin nicht: "Das ist politisch alles akkordiert. Und eines ist auch klar: Die Salzburger Festspiele sind die größte Wirtschaftsmaschine im ganzen Bundesland. Alles, was man jetzt investiert, wird sich schon in wenigen Jahren amortisieren."
Für die Intendanz ab 1. Oktober 2027 habe sie sich – so wie angekündigt – nicht beworben, betonte Bergmann. Und: "Jetzt mache ich die Arbeit, die zu tun ist. Denn ich hab damals auch gesagt: Es muss wieder um die Kunst gehen! Aber ich möchte zum Abschluss noch etwas in Richtung Markus Hinterhäuser anmerken: Ich weiß, dass es schwer für ihn ist. Aber das müsste gar nicht so sein."