Frauengesundheit: Arbeit an neuer Strategie beginnt
Beim neunten Frauengesundheitsdialog wird laut Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) am Montag der Startschuss für die Erarbeitung einer neuen Frauengesundheitsstrategie fallen. Dabei werden Fachleute und Betroffene eingebunden. Ein Fokus liegt auf den Themenfeldern Wechseljahre und Endometriose. Erste Umsetzungsschritte sollen ab kommendem Jahr erfolgen.
"Frauen haben in vielen Bereichen andere gesundheitliche Bedürfnisse und Herausforderungen als Männer. Gleichzeitig bestehen nach wie vor Versorgungslücken, Forschungsdefizite und strukturelle Benachteiligungen", sagte Schumann.
Der Frauengesundheitsdialog findet heuer unter dem Motto "Mädchen und Frauen. Selbstbestimmt. Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung: Who cares – when it's women?!" statt. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Herausforderungen der Frauengesundheit, Versorgungslücken sowie Wege zu einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung, hieß es aus dem Ministerium gegenüber der APA.
Das Gesundheitsministerium beauftragte die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit der Aktualisierung des Aktionsplans Frauengesundheit 2017 auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Koordinationsstelle Frauen- und Gendergesundheit der GÖG sowie die zuständige Fachabteilung im Ministerium werden den Prozess koordinieren. Begleitend wird eine Kerngruppe mit Fachleuten und Stakeholdern eingerichtet. Der Beteiligungsprozess wird mehrstufig ablaufen.
In einem ersten Schritt erfolgt eine Bestandsaufnahme bestehender wissenschaftlicher Evidenz, nationaler und internationaler Strategien, aktueller Entwicklungen sowie regionaler Aktivitäten. Ab der zweiten Juli-Hälfte werden regelmäßige Treffen der Kerngruppe stattfinden.
Im Herbst sind mehrere regionale Stakeholder-Treffen geplant. Bis Ende 2026 soll ein Strategierahmen vorliegen, der die Prioritäten und Maßnahmen für die kommenden Jahre festlegt. Erste Umsetzungsschritte sind ab 2027 vorgesehen.
"Der Frauengesundheitsbericht 2022, der Menstruationsgesundheitsbericht 2024, der Verhütungsbericht 2024 sowie der Gendergesundheitsbericht 2024 zeigen deutlich, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Gesundheitsrisiken, Krankheitsverläufen und im Zugang zur Versorgung weiterhin bestehen", sagte Sylvia Gaiswinkler, Leiterin der Koordinationsstelle Frauen- und Gendergesundheit der GÖG.
"Die neue Frauengesundheitsstrategie bietet die Chance, wissenschaftliche Evidenz, Praxiserfahrungen und die Perspektiven von Betroffenen systematisch zusammenzuführen und daraus konkrete Prioritäten für die Weiterentwicklung der Versorgung abzuleiten", so Gaiswinkler weiter.
Auf Grundlage der vorliegenden Berichte und Datenerhebungen wurden zwei Themenfelder priorisiert: Wechseljahre und Endometriose. Die Koordinationsstelle Frauen- und Gendergesundheit wurde mit der Entwicklung evidenzbasierter Informationsangebote zu den Wechseljahren beauftragt.
Darüber hinaus wird eine österreichweite Endometrioselandkarte erstellt. Sie soll Betroffenen eine bessere Orientierung über bestehende Versorgungsangebote ermöglichen und den Zugang zu Diagnose und Behandlung erleichtern.
Das Geschlecht zählt zu den zentralen Einflussfaktoren für Gesundheit. Dennoch orientieren sich Forschung, Diagnostik und Versorgung vielfach noch an männlichen Referenzwerten. Die Folge sind Versorgungslücken, fehlende Daten und eine geringere Sichtbarkeit frauenspezifischer Gesundheitsanliegen, betonte das Ministerium.
Beispiele für die unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen finden sich in fast allen medizinischen Feldern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa stellen mit 37 Prozent die häufigste Todesursache bei Frauen dar. Dennoch würden Risiken, Symptome und Krankheitsverläufe bei Frauen noch immer unterschätzt, warnte die MedUni Wien im Februar.
Frauen durchlaufen Lebensphasen mit spezifischen kardiovaskulären Risiken, wurde betont. Frühe Marker für ein lebenslang erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko können etwa Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes sein. Auch eine frühe Menopause stelle einen bedeutenden Risikofaktor dar.
"Diese geschlechtsspezifischen Risikofaktoren müssen systematisch erfasst und ernst genommen werden", betonte Alexandra Kautzky‑Willer, Stoffwechselexpertin und Gendermedizinerin. "Sie bieten eine große Chance, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen frühzeitig zu verhindern."