Russischer Großangriff: Explosionen im Zentrum von Kiews
Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Landesteile erneut in großem Umfang mit Raketen und Drohnen angegriffen. Im Zentrum Kiews waren in der Nacht heftige Explosionen zu hören. Nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko gibt es mindestens vier Todesopfer und 58 Verletzte.
Mehrere Gebäude wurden beschädigt und gerieten in Brand. Viele Menschen suchten Zuflucht in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Kurzzeitig kam es auch zu Stromausfällen und Problemen bei der Wasserversorgung. Im Morgengrauen zeugten schwarze Rauchwolken über dem Zentrum von Bränden im Stadtgebiet.
Bei den nächtlichen Angriffen habe die russische Armee auch ballistische Raketen eingesetzt, erklärte die Militärverwaltung von Kiew. Klitschko rief die Bevölkerung auf, unbedingt in Schutzräumen zu bleiben.
Im Bezirk Podilskyj stürzte nach einem Angriff ein mehrstöckiges Wohnhaus ein. Es werde befürchtet, dass Menschen unter den Trümmern verschüttet sind, teilte Klitschko auf Telegram mit. Rettungskräfte seien noch bei laufendem Luftalarm an der Einsturzstelle eingetroffen.
Wohngebäude seien auch in anderen Stadtteilen getroffen worden. In Solomjanskyj wurden ein 20-stöckiges und ein 24-stöckiges Gebäude beschädigt, berichteten Agenturen unter Berufung auf ukrainische Behördenangaben. Mehrere Gebäude seien auch durch herabfallende Trümmerteile in Brand geraten.
Russische Luftangriffe gab es ukrainischen Angaben zufolge auch in anderen Landesteilen. In der Stadt Dnipro seien bei dem nächtlichen Angriff mindestens sechs Menschen getötet und 36 weitere verletzt worden. In der östlichen Stadt Charkiw wurden mindestens zehn Menschen verletzt, wie der Bürgermeister in der Früh mitteilte. Russland griff auch Ziele in der Stadt Saporischschja an.
Laut den ukrainischen Luftstreitkräften setzte Moskau bei den Attacken auch ballistische Raketen und Marschflugkörper ein. Insgesamt habe Russland die Ukraine mit 656 Drohnen und 73 Raketen angegriffen. 602 Drohnen und 40 Raketen seien abgeschossen bzw. unschädlich gemacht worden, teilten die Luftstreitkräfte auf Telegram mit.
Russland hatte Kiew erst vor knapp zehn Tagen schwer mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei war eine Rakete in einem Wohngebäude eingeschlagen, Dutzende Menschen wurden getötet. Außerdem setzte Russland im Mai eine seiner atomwaffenfähigen Oreschnik-Hyperschallraketen ein.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte seit Ende vergangener Woche mehrmals vor einem weiteren großangelegten Luftangriff Russlands. "Die Information des Geheimdienstes über einen möglichen massiven Angriff bleibt aktuell", sagte der Staatschef in einer Videobotschaft am Samstag. Er forderte die Ukrainer und Ukrainerinnen auf, Luftalarm nicht zu ignorieren.
Zwar sei die ukrainische Flugabwehr in Bereitschaft, so Selenskyj. Jedoch räumte er ein, dass fehlender Nachschub westlicher Verbündeter Probleme bei der Abwehr ballistischer Raketen und Marschflugkörper bereite. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion.
Im westlichen Nachbarland Polen erklärte das Militär in der Nacht auf X, angesichts der russischen Angriffe in der Ukraine sei die Luftabwehr in Alarmbereitschaft versetzt worden, Kampfflugzeuge seien aufgestiegen. In Polen kommt es bei größeren Angriffen in der Ukraine immer wieder zur Alarmierung der Luftabwehr, manchmal steigen dabei auch Kampfjets von NATO-Partnern auf.