Demo: Starkes Signal gegen Verkehrslawine
Tausende Menschen haben am Samstag gegen die Verkehrsflut am Brenner protestiert. "So kann es einfach nicht mehr weitergehen", sagte Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner (Bezirk Innsbruck-Land), als Initiator der Demonstration. Die Schmerzgrenze der Bevölkerung im Wipptal sei erreicht.
"Ihr geht in die Geschichte ein", rief Mühlsteiger den Demonstrierenden zu Beginn der Veranstaltung am Samstag um kurz vor 14.00 Uhr zu. Dass so viele Menschen dem Aufruf zur Demo gefolgt seien, war für Mühlsteiger "berührend" und "ergreifend". Die Bevölkerung stehe hier nun "erhobenen Hauptes", hielt der Ortschef fest.
Am Brenner sei jedenfalls eine "Schmerzgrenze erreicht", sagte Mühlsteiger und verwies auf die Millionen Fahrzeuge, die jährlich durch das Nadelöhr fahren. "Wir dürfen uns unser Land nicht nehmen lassen", verdeutlichte er und fügte hinzu: "Die Bevölkerung war vor der Autobahn hier" – dafür erntete er prompt frenetischen Applaus von den Teilnehmenden. "Wir kollabieren mittlerweile unter den extremen Abgasen", so Mühlsteiger weiter.
Fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Damit ist die Strecke die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. Nach Berechnungen des Verkehrsclubs Österreich fuhren voriges Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.
Zu den Forderungen der Demonstranten zählt ein erweiterter Lärmschutz und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene. Auf manchen Schildern bei der Demonstration war am Samstag auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll.
Auch der Bürgermeister der Gemeinde Matrei am Brenner, Florian Riedl (ÖVP), ergriff bei der Kundgebung das Wort. Der Verkehrssprecher der ÖVP im Tiroler Landtag bezeichnete den Transitverkehr als Problem des gesamten Landes. Es sei wesentlich, hier eine gemeinsame Position zu finden.
Verdeutlicht wurde dies indes dadurch, dass Vertreter aller Landtagsparteien aufmarschiert waren. Neben Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), der allerdings als "Privatperson" angereist war – was von den Demo-Teilnehmern in Gesprächen mehrfach hörbar kritisiert wurde – nahm auch Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ) teil.
Zudem mischten sich auch die Chefs der Oppositionsparteien unter die demonstrierende Bevölkerung: FPÖ-Chef Markus Abwerzger, Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter-Schneider, Grünen-Landessprecher Gebi Mair und NEOS-Frontfrau Birgit Obermüller.
Wegen des Protests war die Brenner-Route ab Samstagvormittag für Transitfahrten gesperrt. Das befürchtete Verkehrschaos durch die Komplett-Sperre des Brenner-Korridors blieb indes bis zum Nachmittag aus. In dem Zeitraum der Sperre passieren laut Autobahnbetreiber Asfinag normalerweise mehr als 30.000 Fahrzeuge die Mautstellen auf der Brenner-Autobahn.
Es sei "extrem ruhig" geblieben, sagte Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl. Offenkundig habe die Aufklärungskampagne gewirkt. Auch auf den Ausweichstrecken habe es praktisch keine Behinderungen gegeben. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an – mehr dazu in Brenner-Blockade: A13 ohne Verkehr.