Drohne trifft Rumänien: NATO will "jeden Zentimeter verteidigen"
Die NATO und die EU-Staaten haben Rumänien nach dem Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus ihre Unterstützung zugesichert und Russlands Vorgehen scharf verurteilt. Die NATO sei bereit, "jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen", hielt Generalsekretär Mark Rutte am Freitag fest. Bukarest machte Moskau vollumfänglich für den Vorfall verantwortlich, Russland dagegen sprach von fehlenden Beweisen. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bestellte den russischen Botschafter ein.
Der rumänische Präsident Nicosur Dan berief den Nationalen Verteidigungsrat ein, um "angemessene" Maßnahmen gegen Russland zu erörtern. Der EU- und NATO-Staat Rumänien warf Russland nach dem Einschlag eine "schwere und unverantwortliche Eskalation" vor. Bukarest werde die notwendigen diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um auf diesen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und die Verletzung seines Luftraumes zu reagieren.
Rumänien werde es Dan zufolge nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf seine Bevölkerung übergreift. Das Land berief den russischen Botschafter ein. Außerdem wurde der russische Konsul in der Hafenstadt Constanta von Rumänien ausgewiesen, das dortige Konsulat werde geschlossen.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies Vorwürfe über angebliche Flüge russischer Drohnen über Europa als unbegründet zurück. Gleichzeitig erklärte der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, es herrsche Krieg, und die Bürger und Bürgerinnen der EU-Staaten würden nicht mehr ruhig schlafen können.
Die europäischen Politiker und Politikerinnen sollten sich nicht empören, da sie sich direkt an einem Krieg gegen Russland beteiligten. Solche Vorfälle würden sich weiter ereignen, insbesondere dort, wo Drohnen für die Ukraine hergestellt würden, so Medwedew. Zudem kündigt das russische Außenministerium eine rasche Reaktion auf die Schließung des russischen Konsulats in Constanta an.
Die russische Drohne hatte in der Nacht auf Freitag ein Wohnhaus in der Stadt Galati nahe der Grenze zur Ukraine getroffen. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit. Die rumänischen Streitkräfte hätten nicht genügend Zeit gehabt, die Drohne abzuschießen, binnen vier Minuten habe es "keine realistischen Möglichkeiten gegeben, diese sicher anzugreifen". Im Zuge des Ukraine-Krieges sind Luftraumverletzungen in Rumänien so häufig geworden, dass es der Armee inzwischen erlaubt wäre, feindliche Drohnen abzuschießen.
Rumänien bat die NATO-Verbündeten, zusätzliche Mittel zur Drohnenabwehr in dem Land zu stationieren. Offiziellen Quellen zufolge benötigt Bukarest Radarsysteme für den niedrigen Höhenbereich sowie Abfangdrohnen. Ein NATO-Sprecher erklärte am Freitag, dass "mögliche zusätzliche Verteidigungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden".
Der Einschlag der russischen Drohne zeigt nach Einschätzung des französischen Europaministers Benjamin Haddad, dass Russland eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt. "Russland hat nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur bedroht", sagte Haddad. "Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass wir im Rahmen der NATO-Sicherheitseinsätze französische Truppen in Rumänien stationiert haben, um insbesondere unsere Unterstützung für die Souveränität unserer Partner in Europa zu demonstrieren."
In Frankreich wurde der russische Botschafter einbestellt – ebenso wie in Österreich: Außenministerin Meinl-Reisinger verurteilte zudem den Angriff und sagte, dass sich Europa nicht einschüchtern lassen werde. "Jeder neue Angriff lässt Europa nur enger zusammenrücken." Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verurteilte den Vorfall auf der Plattform X als "weitere gefährliche Eskalation". Der Angriff sei "absolut verabscheuungswürdig".
NATO-Chef Rutte sprach Rumänien die "uneingeschränkte Solidarität" des Bündnisses aus. Das rücksichtslose Verhalten Russlands sei eine Gefahr für alle, und der Einschlag zeige erneut, dass die Auswirkungen des illegalen Angriffskrieges nicht an den Grenzen haltmachten. "Während wir unsere Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen, insbesondere an unserer Ostgrenze, weiter verstärken, werden wir den Druck auf Russland weiter erhöhen", hielt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fest.
Der jüngste Vorfall reiht sich in diverse Zwischenfälle mit Drohnen ein, mit denen Europa seit Beginn des Ukraine-Krieges vor fast viereinhalb Jahren konfrontiert ist. Polen, Kroatien, Rumänien und das Nicht-NATO-Mitglied Moldawien hatten Luftraumverletzungen gemeldet und Drohnenfragmente auf ihrem Territorium gefunden. In den baltischen Staaten stürzten in den vergangenen Monaten wiederholt ukrainische Drohnen ab, die laut Kiew Ziele in Russland angesteuert hätten, jedoch durch elektronische Störmaßnahmen vom Kurs abgebracht worden wären.