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Nach Trump-Xi-Treffen: Putin bei „Freunden“ in China

Nach Trump-Xi-Treffen: Putin bei „Freunden“ in China

Nach Trump-Xi-Treffen: Putin bei "Freunden" in China

Kaum ist US-Präsident Donald Trump aus China abgereist, erwartet Präsident Xi Jinping den nächsten Staatsgast: Kreml-Chef Wladimir Putin will bei dem zweitägigen Besuch in Peking, der am Dienstag beginnt, die Beziehungen zu seinem wichtigsten Verbündeten weiter vertiefen. Mit den chinesischen "Freunden" habe man eine "besonders pri­vi­le­gierte und strategische Partnerschaft", hieß es im Vorfeld aus dem Kreml.

Chinas Staatschef erklärte laut Staatsmedien im Vorfeld des Besuchs, die bilaterale Zusammenarbeit der beiden Länder habe sich "kontinuierlich vertieft und gefestigt". Der Vertragsschluss zur strategischen Partnerschaft zwischen Russland und China jährt sich dieses Jahr zum 30. Mal. Zudem wollen die beiden Staatschefs 25 Jahre "Freundschaftsvertrag" feiern.

Man werde sich bei dem Treffen laut Kreml-Angaben zu "Ansichten zu wichtigen internationalen und regionalen Fragen" austauschen. Im Anschluss sei die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung und einer Reihe bilateraler Dokumente geplant. Im Rahmen des Besuchs soll Putin auch mit Chinas Regierungschef Li Qiang zusammentreffen.

Mit den fast direkt aufeinanderfolgenden Besuchen von Trump und Putin kann Xi sich und sein Land als diplomatisches Zentrum präsentieren. So hieß es in der von der chinesischen Regierung kontrollierten Zeitung "Global Times" laut dem "Guardian", Peking habe sich "rasant zum Dreh- und Angelpunkt der globalen Diplomatie entwickelt".

Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine schaut der Westen besonders genau auf die enge Zusammenarbeit zwischen China und Russland. China ruft regelmäßig zu Gesprächen über ein Ende der Kämpfe in der Ukraine auf, hat Russland aber nie für die im Februar 2022 begonnene Offensive im Nachbarland verurteilt und stellt sich selbst als neutrale Partei dar.

Gleichzeitig ist China der weltweit größte Abnehmer russischer fossiler Brennstoffe und Russlands größter Handelspartner. Peking wurde für Moskau besonders nach den westlichen Sanktionen gegen russisches Öl und Gas aufgrund des Krieges zu einem zentralen Wirtschaftspartner. Die Milliardeneinnahmen durch Öl- und Gasexporte nützt Russland auch zur Finanzierung des Krieges.

Rund 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas fließen jährlich etwa durch die Pipeline "Power of Siberia 1" von Ostsibieren nach Nordostchina. Die Planung für die Pipeline "Power of Siberia 2" ist bereits im Gange. Diese dürfte die Exportkapazitäten um weitere 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erhöhen. Putin will das Projekt vorantreiben, um die wegfallenden Exporte nach Europa weiter auszugleichen. Bei dem Treffen zwischen ihm und Xi werden "alle Themen auf der wirtschaftlichen Agenda angesprochen", hieß es dazu aus dem Kreml.

Einen Tag vor dem Treffen in Peking wurde Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge ein chinesisches Frachtschiff im Schwarzen Meer von einer russischen Drohne getroffen. Laut einem Sprecher der ukrainischen Marine wurde bei dem Treffer in der Nacht auf Montag niemand von der chinesischen Crew verletzt. Das vor der ukrainischen Hafenstadt Odessa liegende Schiff "KSL Deyang" habe seine Fahrt fortsetzen können.

Wie beim Krieg in der Ukraine rief China auch im Krieg in Nahost zum Ende der Kämpfe und einer "umfassenden Waffenruhe" auf. Dabei hatten China und Russland ihre Zusammenarbeit mit dem Iran in den vergangenen Jahren zunehmend verstärkt. Der Iran soll etwa Satellitendaten aus Russland von Überflügen über mindestens elf Länder im Nahen Osten erhalten haben.

Die Führung in Teheran kaufte laut einem Bericht der "Financial Times" bereits 2024 einen chinesischen Satelliten, der dabei geholfen haben soll, im März diesen Jahres US-Basen anzugreifen. Moskau und Peking dementieren, dass mit dem Iran eine Zusammenarbeit bei Satelliten stattgefunden hat.

Die Position Chinas im Iran-Krieg wird von Fachleuten auch als "proiranische Neutralität" beschrieben. Proiranisch wohl auch deswegen, weil China der größte Kunde von iranischem Öl ist. Gleichzeitig möchte sich Peking rund um den Krieg in Nahost aber als "stabilisierende Macht" präsentieren, schrieb die Deutsche Welle.

In den Gesprächen zwischen Trump und Xi wenige Tage vor dem Treffen mit Putin spielten der Iran und die Ukraine keine allzu große Rolle. Auch die Zusammenarbeit Chinas mit Russland wurde nicht zum Thema gemacht. Stattdessen ging es vor allem um Handels- und Wirtschaftsfragen und Chinas Konflikt mit Taiwan.

Doch auch bei den wirtschaftlichen Beziehungen konnte die US-Delegation unter Trump laut Beobachterinnen und Beobachtern keine großen Erfolge erzielen. So wurde etwa aus einem erwarteten Großauftrag an den US-Flugzeugbauer Boeing von 500 Flugzeugen lediglich eine Bestellung von 200 Flugzeugen. Generell bot Xi "nichts Substanzielles", schrieb etwa das Nachrichtenmagazin "The Atlantic" zu dem Ausgang des Treffens. Bei dem zwischen ihm und Putin werden, anders als bei Trump, eine gemeinsame Abschlusserklärung und Beschlüsse erwartet.

Insgesamt trafen sich Xi und Putin bereits über 40-mal. Beim letzten Besuch Putins im September 2025 gab es anlässlich des 80. Jahrestags der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg eine große Militärparade. Bei der Machtdemonstration war auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dabei. Es war das erste Mal, dass sich Putin, Kim und Xi gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigten.

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