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Armutsrisiko in Vorarlberg steigt

Armutsrisiko in Vorarlberg steigt

Armutsrisiko in Vorarlberg steigt

Armut erfasst immer größere Teile der Gesellschaft. Neue Daten zeigen, dass im Vorjahr 1,7 Millionen Menschen in Österreich armutsgefährdet waren. Das sind knapp 20 Prozent der Bevölkerung. Die Armutskonferenz kritisiert, dass in Vorarlberg die Probleme noch größer sind.

Vorarlberg entwickle sich immer mehr zum Hochrisikoland bei Armutsgefährdung, sagt Vivien Fritsche von der Armutskonferenz. Im Dreijahresschnitt liegt die Armutsgefährdungsquote mittlerweile mehr als drei Prozentpunkte über dem Österreichschnitt und zählt damit zu den höchsten im Bundesländervergleich. Grund dafür seien die hohen Wohnkosten, die bis in die Mitte der Gesellschaft hinein finanzielle Probleme verursachen.

Wohnen werde zunehmend zur sozialen Schlüsselfrage, der Druck durch hohe Wohnkosten wachse weit über klassische Armutsgruppen hinaus, warnt die Armutskonferenz. Hohe Mieten würden immer stärker mit Geldtransfers kompensiert, statt mit leistbarem Wohnraum. Nötig sei eine "sozialpolitische Schubumkehr" hin zu mehr Armutsprävention.

ist ein österreichisches Netzwerk von über 40 sozialen Organisationen, Bildungseinrichtungen und Forschungsinstituten. Ihr Ziel ist es, Armut und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen, zu vermeiden und auf die Ursachen aufmerksam zu machen. Die Mitgliedsorganisationen betreuen und beraten jährlich über 500.000 Menschen.

Konkret geht es um 33.000 Haushalte, sagt Fritsche. Sie müssten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen. Das ist der zweithöchste Wert aller Bundesländer hinter Wien. Das Problem reicht offenbar bis in die Mitte der Gesellschaft: Laut der aktuellsten AK-Wohnumfrage geben Vorarlberger Haushalte durchschnittlich rund ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aus. Bei Haushalten mit niedrigem Einkommen liegt die Belastung bereits bei rund 44 Prozent, im privaten Mietsegment bei durchschnittlich 38 Prozent.

"Zusammen zeigen diese Daten, dass hohe Wohnkosten längst nicht mehr nur einzelne Randgruppen betreffen. Wohnen entwickelt sich zunehmend zu einem Armutsrisiko bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein", so die Armutskonferenz. Vorarlberg gehöre wirtschaftlich zu den stärksten Regionen Österreichs und weise gleichzeitig eine der höchsten Wohnkostenbelastungen des Landes auf. "Diese Kombination wird zunehmend zum sozialen Risiko."

Gleichzeitig zeigen die Zahlen laut Armutskonferenz auch eine strukturelle Schieflage in der Wohnpolitik: Hohe Wohnkosten werden zunehmend durch Geldtransfers wie z.B. Wohnbeihilfe abgefedert, während dauerhaft leistbarer Wohnraum fehle: Der Anteil gemeinnütziger Wohnungen liegt in Vorarlberg bei lediglich 13 Prozent – deutlich unter dem Österreichschnitt von 24 Prozent.

Zwischen 2022 und 2024 wurden in Vorarlberg lediglich 9 Prozent der Neubauten von gemeinnützigen Bauträgern errichtet – der niedrigste Wert im Bundesländervergleich. Die Wohnbeihilfe sei für viele Haushalte unverzichtbar und oft existenziell, betont die Armutskonferenz und verlangt vom Land, mehr gemeinnützige Wohnungen zu bauen. Leistbarer Wohnraum sei wichtiger als Geldtransfers.

Das liege auch daran, dass die Wohnsätze in der Sozialhilfe seit 2022 für viele Haushaltskonstellationen nicht erhöht worden seien, während gleichzeitig auch die Einkommensgrenzen der Wohnbeihilfe vielfach nicht mit der tatsächlichen Einkommens- und Preisentwicklung Schritt gehalten hätten. Die Wohnbeihilfe könne Belastungen einzelner Haushalte reduzieren, ersetze aber keine langfristig preisdämpfenden Strukturen am Wohnungsmarkt.

Die neuen EU-SILC-Daten der Statistik Austria zeigen einen deutlichen Anstieg in Österreich: 1,699 Millionen Menschen waren im Jahr 2025 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht 18,6 Prozent der Bevölkerung.

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