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Malediven: Hochriskante Suche nach toten Tauchern

Malediven: Hochriskante Suche nach toten Tauchern

Malediven: Hochriskante Suche nach toten Tauchern

Auf den Malediven sind am Donnerstag drei Taucherinnen und zwei Taucher aus Italien ums Leben gekommen. Eine Leiche wurde bis Samstag gefunden. Die Ursache des Unglücks ist unklar, die Suche nach den weiteren Toten in einem Höhlensystem ist schwierig. Inzwischen kam auch ein Rettungstaucher ums Leben.

Das Außenministerium in Rom bestätigte den Tod der fünf italienischen Staatsbürger, nachdem sie am Donnerstag nicht von ihrem Tauchgang am Vaavo Atoll zurückgekehrt und vermisst gemeldet worden waren. Zu dem Unglück soll es laut bisherigen Erkenntnissen gekommen sein, als die Gruppe versuchte, Höhlen in einer Tiefe von 50 Metern zu erkunden.

Die Tiefe ist für Taucher bereits kritisch, da ein Notaufstieg im Unglücksfall bereits lebensgefährlich sein kann, in Höhlen ist der auch nicht direkt möglich. Vier gehörten zu einem Team der Universität Genua, darunter die Professorin für Ökologie, Monica Montefalcone, und ihre Tochter, eine Studentin, weiters eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler. Der fünfte Tote war ein Tauchlehrer aus Italien.

Laut Angaben des Militärs der Malediven wurde eine Leiche in einer Höhle in 60 Meter Tiefe gefunden, die vier anderen Toten würden ebenfalls dort vermutet. Das Höhlensystem hat laut einem Bericht der BBC drei Kammern, verbunden durch enge Gänge. Rettungstaucher mit spezieller Ausrüstung für große Tiefen suchten an dem vermuteten Unglücksort nach den Vermissten, die Aktion sei "hochriskant", so die BBC am Freitag.

Am Samstag meldete dann die italienische Nachrichtenagentur ANSA, dass ein Taucher der maledivischen Armee bei der Suche nach den Vermissten ums Leben gekommen sei. Der Mann sei nach einem offensichtlichen Unfall "in kritischem Zustand" in ein Krankenhaus gebracht worden und dort verstorben.

Die italienische Regierung arbeite in dem tragischen Fall mit den maledivischen Behörden zusammen, hieß es, den Angehörigen sei psychologische Unterstützung angeboten worden. Weitere 20 italienische Staatsbürger, die an Bord des Schiffes waren, von dem aus die fünf am Donnerstag zu ihrem Tauchgang aufgebrochen waren, seien in Sicherheit.

Das Schiff, die "MV Duke of York", wurde laut einem Bericht vom Samstag vorübergehend stillgelegt. Die Betriebslizenz sei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, bis die Ermittlungen zu dem Unfall abgeschlossen seien, erklärte das Tourismus- und Luftfahrtministerium des Inselstaats.

Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt bei schlechten Wetterbedingungen offenbar noch auf dem Meer und wartete auf seine Rückkehr in den Hafen der Hauptstadt Male. Der Unfall gelte als der bisher schlimmste seiner Art auf den wegen ihrer imposanten Unterwasserwelt bei Tauchern weltweit beliebten Malediven.

Laut Polizei soll das Wetter zum Zeitpunkt des Tauchgangs rund 100 Kilometer südlich von Male im Indischen Ozean schlecht gewesen sein. Es habe eine Warnstufe "Gelb" für Passagierschiffe und Fischerboote gegolten. Wieso die Italiener sich trotzdem zu dem – an sich schon riskanten – Höhlentauchgang entschlossen, ist unklar.

Der leitende Regierungssprecher der Malediven, Mohamed Hussain Shareef, erklärte, es werde untersucht, warum die Gruppe unterhalb der offiziell erlaubten Tiefe von 30 Metern getaucht sei. Die Italiener waren für einen Forschungsaufenthalt auf den Malediven, den Tauchgang hätten sie allerdings "privat" unternommen, so die Behörden dort am Samstag.

Unklar ist auch, was schließlich zu dem Unglück führte. Montefalcones Ehemann Carlo Sommacal, sagte gegenüber der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", dass sie zu den "besten Tauchern der Welt" gehört habe, immer "vorbereitet und sorgfältig", niemals hätte sie außerdem ihre Tochter Giorgia oder andere einem Risiko ausgesetzt. Vielleicht habe jemand aus der Gruppe Probleme bekommen, "ich weiß es nicht", zitierte die BBC Sommacal am Samstag.

Auch Experten kamen zur möglichen Unfallursache zu Wort, darunter der erfahrene italienische Tauchlehrer Maurizio Uras. Er schloss eine "Sauerstoffvergiftung" als Ursache nicht aus, ein Problem, das bei einem zu hohen Anteil an Sauerstoff in der Atemluft ab einer gewissen Tiefe auftreten kann. Das Gemisch in der Pressluftflasche muss bei tiefen Tauchgängen ("technisches Tauchen") angepasst werden.

"Das ist ein Phänomen, das auftreten kann, wenn man sehr tief taucht", erklärte er gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur AGI: "Wenn das Sauerstoffgemisch nicht stimmt, kann Sauerstoff in bestimmten Tiefen giftig werden." Aber auch die "Wetterbedingungen spielen eine wichtige Rolle, und wir müssen bedenken, dass der Indische Ozean nicht das Mittelmeer ist, das relativ ruhig ist". Dort gebe es starke Strömungen, die, "eine echte Gefahr" für Taucher darstellten.

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