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Lungau: Wandmalerei erinnert an Widerstandskämpfer

Lungau: Wandmalerei erinnert an Widerstandskämpfer

Lungau: Wandmalerei erinnert an Widerstandskämpfer

Zwei großflächige Wandmalereien in Mariapfarr und Tamsweg erinnern im Lungau ab sofort an den Geistlichen Josef Schitter und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Nazis deportierten den Kooperator damals sogar ins Konzentrationslager Dachau.

Es war eine Festpredigt in der Tamsweger Wallfahrtskirche Sankt Leonhard, die das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Wieder einmal kritisierte der Kooperator Josef Schitter aus Mariapfarr offen die menschenfeindliche Politik im Dritten Reich – und zieht damit endgültig den Zorn der Lungauer NSDAP-Parteileitung auf sich.

Schon davor war der nonkonforme Priester mit öffentlicher Kritik und seinem Einsatz für einen unabhängigen Religionsunterricht aufgefallen. 1944 wurde Josef Schitter wegen staatsfeindlicher Äußerungen verhaftet, vom Familienhof enteignet und ins KZ Dachau überstellt, erzählt Historiker Klaus Heitzmann aus Tamsweg: "Einweisungen in Konzentrationslager sind nicht auf Basis irgendwelcher gerichtlicher Urteile passiert, sondern die Menschen sind einfach verschwunden. Die waren systemkritisch, die haben sich nicht verbiegen lassen, die haben ihre persönliche Haltung mehr oder weniger zum Ausdruck gebracht und mit denen ist man – salopp gesagt – ‚abgefahren'."

Die Geschichte des katholischen Widerstands ist im Lungau immer noch kaum bekannt. 80 Jahre nach Josef Schitters Deportation ins KZ und 35 Jahre nach seinem Tod wird der katholische Priester nun geehrt. Das neue Fresko an der Mariapfarrer Friedhofsmauer soll den außerordentlichen Mut von Josef Schitter würdigen. "Vom Pfarrer Schitter können wir vor allem lernen, dass es in gewissen Zeiten ganz wichtig ist, Mut zu zeigen. Geradezustehen, wenn man das Gefühl hat, dass Gerechtigkeit mit den Füßen getreten wird oder da wird die Würde des Menschen angegriffen", sagt der heutige Pfarrer von Mariapfarr, Pavo Filipović.

Die große Sichtbarkeit der beiden Wandmalereien stößt im Lungau nicht nur auf Gegenliebe. Noch immer wirken in Mariapfarr und Tamsweg alte Wunden der nicht vollständig aufgearbeiteten NS-Zeit nach. Die Gemeinden haben sich trotzdem dafür entschieden, diesen Teil der Vergangenheit im Ortsbild sichtbar zu machen, erzählt Künstlerin Johanna Kandl. Gemeinsam mit Helmut Kandl hat sie die Wandmalereien gestaltet. "Ich finde es toll, in so einer Wandmalereitechnik zu arbeiten, denn Wandmalerei ist immer so ein bisschen frech. Wandmalerei erfordert Entscheidungen", so Kandl.

Im Lungau wird es in den kommenden Monaten auch noch weitere Vorträge und Aufführungen zum Leben der katholischen Widerstandskämpfer geben.

Die Wandmalereien zur Erinnerung an Thomas Schitter sind Teil des großangelegten Erinnerungsprojektes "Orte des Gedenkens", das im gesamten Bundesland Salzburg an vom Nazi-Regime verfolgte Menschen erinnert. Im Auftrag des Landes Salzburg entsteht in jedem Bezirk ein Gedenkort für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Geleitet wird es von einer eigenen Arbeitsgruppe. Neumarkt am Wallersee (Flachgau) machte 2023 den Anfang. Dort erinnert ein Kunstprojekt mitten im Ortszentrum an den Neumarkter Widerstandskämpfer Georg Rinnerthaler. In Saalfelden (Pinzgau) findet am kommenden Montag der letzte Stopp des Projektes statt: Hier werden mehrere Stolpersteine verlegt, die an Widerstandskämpferinnen und -kämpfer aus dem Pinzgau erinnern sollen.

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