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Trotz iranischer Angriffe: Für USA „Waffenruhe nicht beendet“

Trotz iranischer Angriffe: Für USA „Waffenruhe nicht beendet“

Trotz iranischer Angriffe: Für USA "Waffenruhe nicht beendet"

Die Angriffe – mutmaßlich des Iran – auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am Montag sind für die USA kein Verstoß gegen die Waffenruhe. Jedenfalls kein so schwerwiegender, dass die USA deshalb die Kämpfe wieder aufnehmen würden. Das machte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Dienstag klar. Kurz danach gab es erneut Explosionen in den Emiraten.

Hegseth betonte am Dienstag in einer Pressekonferenz, die Waffenruhe sei trotz der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen "nicht beendet". Nach Angaben des US-Generalstabschefs Dan Caine griff der Iran seit Beginn der Waffenruhe mehr als zehnmal US-Streitkräfte an. Seit der Anfang April verkündeten Feuerpause habe der Iran zudem neunmal auf Handelsschiffe geschossen und zwei Containerschiffe beschlagnahmt, führte Caine bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Hegseth aus.

Er sprach von Vorfällen, die alle "derzeit noch unterhalb der Schwelle für die Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen liegen". Die USA wollten die Schifffahrt vor iranischer Aggression schützen, der Militäreinsatz sei vorübergehend, betonte Hegseth.

Seine und Caines Aussagen sind umgekehrt freilich auch wichtige Informationen für Teheran, wie weit es gehen kann, ohne neue umfangreiche Luftangriffe der USA auszulösen. Und die VAE sind der wohl engste Partner der USA in der Region nach Israel. Die VAE werten die iranischen Angriffe – anders als die USA – als schwere Eskalation.

Am Montag habe der Iran einmal Oman und dreimal die Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen, berichtete Caine. Zusätzlich sei er mit Marschflugkörpern, Drohnen und Schnellbooten gegen US-Streitkräfte vorgegangen, die versuchten, die Handelsschifffahrt in der Meerenge von Hormus wieder in Gang zu bringen. Kampfhubschrauber der USA hätten diese Angriffe erfolgreich abgewehrt. "Bisher ist es heute ruhiger", resümierte Caine.

Auch am Dienstag bekämpften die Emirate nach Angaben des Verteidigungsministeriums iranische Raketen- und Drohnenangriffe. Das Außenministerium sprach von einer direkten Bedrohung der Sicherheit und behielt sich das Recht auf eine Reaktion vor. Damit ereignen sich derartige Vorfälle den zweiten Tag in Folge, nachdem Drohnen einen Brand in einer Ölanlage ausgelöst hatten.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf erklärte am Dienstag in sozialen Netzwerken, die Armee seines Landes habe mit Angriffen "noch nicht einmal begonnen". Die Sicherheit der Schifffahrt sei durch das Vorgehen der USA bedroht. Das US-Militär hatte zuvor sechs kleine iranische Schiffe zerstört.

"Wir wissen genau, dass die Fortsetzung der gegenwärtigen Situation für die Vereinigten Staaten unhaltbar ist, obwohl wir noch nicht einmal begonnen haben", so Ghalibaf in seiner Erklärung. Er ist auch Leiter der iranischen Delegation in den Verhandlungen mit der US-Regierung. Die "bösartige Präsenz" der USA am Persischen Golf werde abnehmen, fügte er hinzu.

US-Präsident Donald Trump hatte die Marine entsandt, um blockierte Tanker im Rahmen der Mission "Project Freedom" durch die Meerenge zu eskortieren. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Handelsrouten für die weltweite Versorgung mit Öl, Düngemitteln und anderen Rohstoffen.

Der Vermittlerstaat Pakistan mahnte unterdessen zu Zurückhaltung. Es sei "absolut essenziell, dass die Waffenruhe gewahrt und respektiert" werde, schrieb Premierminister Shehbaz Sharif auf X. Zudem verurteilte Sharif Raketen- und Drohnenangriffe des Iran auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Teheran hatte am Montag Ölanlagen im Hafen von Fudschaira angegriffen.

Auch Indien hat den mutmaßlich iranischen Luftangriff auf die VAE vom Montag verurteilt. Dieser Angriff, bei dem drei indische Staatsbürger verletzt worden seien, sei "inakzeptabel", so das indische Außenministerium auf X.

Am Montag hatte die US-Armee die Mission "Project Freedom" (Projekt Freiheit) begonnen. Ziel des Marineeinsatzes ist die Sicherung der Meerenge für die Handelsschifffahrt. Im Rahmen des Einsatzes waren zwei US-Zerstörer durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf gefahren. In der Folge waren nach US-Angaben zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe die Meerenge passiert, was Teheran umgehend dementierte.

Iranische Medien hatten ihrerseits von iranischen Raketenangriffen auf ein US-Schiff und Warnschüssen in der Nähe von US-Zerstörern berichtet. Das hatte Washington wiederum dementiert. Außerdem wurde offenbar ein südkoreanisches Schiff attackiert und beschädigt, das auf dem Weg durch die Meerenge war.

Inmitten des andauernden Konflikts wollte der iranische Außenminister Abbas Araktschi nach China reisen, um mit seinem chinesischen Kollegen die Entwicklungen in der Region zu erörtern, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim mitteilte. China gilt als Hauptabnehmer der iranischen Öl- und Gasproduktion.

Die EU sieht die Welt angesichts des Konflikts in der "wohl schwersten Energiekrise aller Zeiten", wie Energiekommissar Dan Jorgensen in Brüssel sagte. "Seit Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits über 30 Milliarden Euro mehr für Importe fossiler Brennstoffe ausgegeben – ohne dafür zusätzliche Lieferungen zu erhalten."

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