Christina Aguilera begeisterte 19.000 Fans
Der amerikanische Superstar Christina Aguilera hat am Samstagnachmittag mit dem "Top of the Mountain Closing Concert" den popmusikalischen Schlussakkord für die Skisaison im Tiroler Ischgl gesetzt. Auf 2.300 Metern Seehöhe begeisterte sie rund 19.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.
Bei strahlend blauem Himmel und deutlichen Plusgraden bot Christina Aguilera auf der "Idalp" eine üppige Bühnenshow und enorme Stimmgewalt, um sowohl Leben, Liebe als auch Einheit in schweren Zeiten zu beschwören. Um diesen Musik-Kraftakt zu vollbringen, ging es bei dem Konzert durchwegs ums Klotzen statt ums Kleckern.
Umringt von sechs Tänzerinnen und Tänzern, unterstützt von einem dreiköpfigen Background-Chor und getragen von einer vierköpfigen Band holte die gebürtige New Yorkerin jedenfalls sehr weit aus. Der daraus resultierende wilde Ritt durch ihre mittlerweile Jahrzehnte dauernde Musikkarriere inklusive zahlreicher Hits und neuerer Songs hätte in schlechteren und untalentierteren Händen auch zu einer beliebigen Jukebox-Show werden können. In luftigen Höhen bewies die Musikerin in Ischgl ihr Talent.
Im Gegensatz zum mittlerweile bei gegenwärtigen Popstars fast schon üblichen Rückgriff auf Hintergrund- und zuvor aufgenommene Stimmtracks, über die sich erst die eigentliche Live-Stimme legt, setzte sie auf fast pures Musikhandwerk. Damit unterschied sie sich deutlich beispielsweise von der letztjährigen Vorstellung von Rita Ora, die zwar für das Opening-Konzert im November eine leichtfüßige und durchaus euphorisierende Popshow auf die Bühne brachte, aber eher auf Tanz denn auf Stimme fokussierte.
Diese Priorisierung von Musik und Stimme ließ die 45-Jährige schließlich überaus wendig agieren und erlaubte es ihr, sowohl spontan zu reagieren als auch ihre alten Hits auf eine zeitgemäße Art zu interpretieren. Vermied sie es also durch Stimme und Musikalität, angesichts der Stilvielfalt in die Beliebigkeit abzurutschen, gelang es ihr nicht zuletzt auch souverän, die Nostalgie-Stolpersteine zu umschiffen.
Hits wie "Genie In a Bottle", "Dirrty", "Can't Hold Us Down", "Lady Marmalade" oder "Beautiful" gerieten so zu Liedern, die wirkten, als würden sie gerade im Hier und Jetzt entstehen. Bei alldem glänzte die Grammy-gekrönte Musikerin und einstige Weggefährtin von Britney Spears durchgehend mit virtuoser Stimme und den bekannten Gesangsverzierungen, die wohl eine ganze Generation von Sängerinnen beeinflusst haben.
Dass sie diesen immer noch voraus ist, belegte sie unter anderem bei "Fighter" oder "What a Girl Wants", die wirklich sämtliche Aguilera-Markenzeichen in Perfektion offenbarten. Dazu kam noch ein spannendes Spiel mit vergangenen Karriere-Passagen. Alte Videoschnipsel von Aguilera trafen auf Live-Momentaufnahmen einer in Ischgl entfesselt und mit enormer Bühnenpräsenz operierenden Aguilera.
Spätestens damit stellte sie unter Beweis, kein Act zu sein, der sich lediglich auf alte Zeiten beruft und nur mehr ein Schatten seiner selbst ist. Vielmehr war sie musikalisch hochgradig präsent und zeitgeistig. Auch ihre Botschaften in den kurzen Ansprachen zwischen den Songs könnten aktueller kaum sein: An mehr als einer Stelle beschwor sie ein Einheits- und Zusammengehörigkeitsgefühl, das "Feiern des Lebens" in einer Gegenwart, die "verrückt" sei. Das Publikum jedenfalls fraß ihr aus den Händen, hing an ihren Lippen und feierte sie schließlich euphorisch, als das rund achtzigminütige Konzert endete.