Über 80-Jährige sind großteils zufrieden
90 Prozent der Menschen über 80 in Österreich sind mit ihrem Leben zufrieden. Das geht aus der Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie hervor, die am Dienstag in Wien vorgestellt wurde. Das Ergebnis liegt aber nur zu einem kleinen Teil an der Gesundheit.
"Die Alten gibt es nicht", fasste Studienleiter Georg Ruppe zusammen. Es handle sich bei den über 80-Jährigen um keine homogene Gruppe. Die Lebensumstände und die Gesundheit von Menschen im hohen Alter seien sehr vielfältig und von unterschiedlichen, auch selbst beeinflussbaren Faktoren abhängig. So spielt Ruppe zufolge durchaus eine Rolle, wie man in jüngeren Jahren dem eigenen Altern gegenübersteht. Wer hier eine negative Einstellung hat, ist tendenziell später auch weniger gesund.
Sieht man sich den Gesundheitszustand etwas detaillierter an, fühlen sich deutlich mehr Männer als Frauen rüstig (12,9 Prozent gegenüber 6,8) oder fit (29,4 Prozent gegenüber 21,4). Ruppe erläuterte dazu aber auch, dass es deutlich mehr Frauen als Männer ins hohe Alter über 80 schaffen – Stichwort unterschiedliche Lebenserwartung. Und die Männer, die es schaffen, zählen tendenziell wohl zu den Gesündesten und Fittesten ihrer Altersgruppe überhaupt.
Trotz des deutlichen Übergewichts an Frauen in der Altersgruppe wurden jeweils etwa gleich viele Menschen beider Geschlechter befragt. Die Ergebnisse seien aber gewichtet und entsprechend interpretiert worden, sagte Ruppe.
Ähnliche Unterschiede gibt es bei den Bildungsniveaus: Menschen über 80 mit niedriger Bildung sind massiv weniger rüstig (2,5 Prozent zu 12,7) oder fit (16,7 Prozent zu 33,6) als solche mit hoher Bildung. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, dass sie auf ihre Gesundheit sehr achten, weitere 37,5 Prozent meinen, ziemlich darauf zu schauen. "Man muss empirisch darauf achten, dass man immer auch sozial erwünschte Antworten bekommt", erläuterte Ruppe.
Der Großteil der Befragten – 81,7 Prozent – leidet nicht an Depressionen und fühlt sich auch nicht einsam (77,7 Prozent). Auch hier zeigen sich wie ein roter Faden durch die Studie, die Geschlechts- und Bildungsunterschiede. Die meisten Depressionen fanden die Studienautorinnen und -autoren unter Pflegeheimbewohnenden.
Die kognitive Verletzlichkeit kündigt sich aber mittlerweile bei vielen Über-80-Jährigen an: Nur 21,1 Prozent zeigten beim sogenannten Drei-Wörter-Uhrentest einen unauffälligen Befund, die meisten waren Senioren mit hoher Bildung, Männer und die jüngeren Hochbetagten (80 bis 85 Jahre alt). Mehr als die Hälfte der Befragten leidet unter zwei oder mehr chronischen Erkrankungen, am häufigsten sind es Bluthochdruck und Herzerkrankungen.
Auch beim Unterstützungsbedarf zeigen sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Bei 36,7 Prozent der Befragten insgesamt mit Unterstützungsbedarf teilt sich dies auf 43,6 Prozent Frauen mit Bedarf gegenüber 28,4 Prozent Männern auf. "Frauen sind benachteiligter im hohen Alter als Männer", sagte Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung.
Die Wiener Städtische unterstützte die Studie ebenso wie auch das Sozial-und Gesundheitsministerium, das Frauen- und Wissenschaftsministerium sowie die Länder Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol. Brandtmayer verwies auf den Gender-Pay-Gap, die viel häufigere Verwitwung und letztlich auch den Pension-Pay-Gap, der Frauen benachteilige.
Wien ist zwar das jüngste Bundesland Österreichs mit einem Durchschnittsalter von rund 41 Jahren – aber auch in Wien wächst die Gruppe der älteren Personen stark. Für Personen über 80 Jahren spielt auch das Thema Stadtplanung eine große Rolle – oft sind es dabei kleine Details, die einen großen Unterschied machen, so Ruppe: "Etwa was öffentliche Toiletten betrifft. Harninkontinenz ist ein häufiges Thema bei hochaltrigen Menschen und führt oft dazu, dass diese Personen nicht mehr aus dem Haus gehen, dass sie isoliert sind dadurch und dass sie körperlich zunehmend schlechter werden."
Nur etwa ein Viertel der über 80-jährigen Befragten verwendet übrigens regelmäßig – täglich – das Internet, mehr als die Hälfte hingegen nie. Diese Tendenz ist bei Menschen mit niedrigem Bildungsniveau noch deutlich ausgeprägter als bei Hochgebildeten.