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Amnesty warnt vor „Welt ohne moralische Orientierung“

Amnesty warnt vor „Welt ohne moralische Orientierung“

Amnesty warnt vor "Welt ohne moralische Orientierung"

Amnesty-International-Generalsekretärin Agnes Callamard hat gestern anlässlich der Präsentation des Jahresberichts der Organisation in London vor einer "Welt ohne moralische Orientierung" gewarnt.

Das Jahr 2025 war laut Amnesty geprägt von Angriffen auf den Multilateralismus, das Völkerrecht und die Zivilgesellschaft. Gleichzeitig habe es auch Widerstand aus der Zivilgesellschaft gegeben. Dem Jahresbericht zufolge tragen vor allem mächtige Staaten, Konzerne und menschenrechtsfeindliche Bewegungen zu dieser Entwicklung bei.

Einzelne politische Führungsfiguren wie US-Präsident Donald Trump, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu oder Russlands Präsident Wladimir Putin seien zwar zentrale Akteure, müssten aber im Kontext tieferliegender struktureller Probleme gesehen werden, so Callamard.

Gesellschaften seien zunehmend von Rassismus und Feindlichkeit gegenüber rechtsstaatlichen Prinzipien geprägt. Besonders besorgniserregend sei "die dramatische Zunahme schwerster Völkerrechtsverbrechen und zunehmende Angriffe auf das internationale Rechtssystem", heißt es im Bericht.

Amnesty wirft Israel vor, einen "Völkermord" an den Palästinensern begangen zu haben und diesen trotz des Waffenstillstandsabkommens vom Oktober 2025 fortzusetzen sowie sein "Apartheid-System" aufrechtzuerhalten. In der Vergangenheit wurde die harsche Kritik von Amnesty an Israel teils als antisemitisch ausgelegt. Die Organisation weist das zurück.

Kritik übte die NGO auch an den USA wegen der Bombardierung von Schiffen in der Karibik und im Pazifik und des amerikanisch-israelischen Angriffes auf den Iran.

Zudem kritisierte die Organisation die verstärkten Luftangriffe Russlands auf zivile Infrastruktur in der Ukraine, und die brutal niedergeschlagenen Proteste Anfang 2026 im Iran. In Afghanistan warnte die Organisation vor einer Verschärfung der repressiven Politik der radikalislamischen Taliban gegenüber Frauen.

Trotz der Entwicklungen verweist Amnesty International auf anhaltenden Widerstand der Zivilgesellschaft. Die Organisation nannte exemplarisch die rund 300.000 Menschen, die sich 2025 dem ungarischen Verbot der Budapest Pride entgegensetzten, sowie die Proteste Anfang 2026 in den USA gegen die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE.

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