Hormus-Straße wieder zu: Iran nimmt Schiffe unter Beschuss
Nach nur einem Tag hat der Iran die Öffnung der Straße von Hormus widerrufen. Für die Handelsschiffe, die dort auf eine Passage warten, spitzt sich die Lage zu. Das iranische Militär setzt die Sperre gewaltsam durch. Ein Supertanker und ein Containerschiff gerieten unter Feuer. US-Präsident Donald Trump lässt sich nach eigenen Worten nicht mit der iranischen Blockade der Meerenge "erpressen".
Nach Angaben eines Schiffsverfolgungsdienstes kam es zu einem Schusswechsel zwischen der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) und indischen Handelsschiffen. Wie der Dienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtete, drängten iranische Einheiten zwei Schiffe gewaltsam zurück. Betroffen sei unter anderem ein VLCC-Supertanker, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportiert.
Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) gab auf der Plattform X unter Berufung auf den Kapitän eines Schiffes bekannt, dass sich zwei Schnellboote der Marine der Revolutionsgarde einem Tanker genähert und Schüsse abgegeben hätten. Besatzungsmitglieder seien nicht verletzt worden. Auch Sachschäden seien nicht entstanden.
UKMTO teilte zudem mit, dass ein Containerschiff in dem Gebiet von einem "unbekannten Projektil" getroffen worden sei. Dabei seien einige Container beschädigt worden, zu einem Brand sei es aber nicht gekommen. Es war unklar, ob es sich um den Vorfall mit den indischen Schiffen handelte. In einem offenbar weiteren Vorfall meldete ein Kreuzfahrtschiff in dem Gebiet laut UKMTO ein "Platschen" in der Nähe des Schiffes – möglicherweise durch eine Rakete oder Drohne beim Aufschlag ins Wasser.
Der militärische Zwischenfall folgt unmittelbar auf den Widerruf der eintägigen Öffnung der Meerenge durch Teheran. Außenminister Abbas Araktschi hatte am Freitag überraschend angekündigt, Handelsschiffen und Öltankern zunächst wieder die Durchfahrt zu erlauben. Keine 24 Stunden später hieß es von der Revolutionsgarde, die strategisch wichtige Meerenge unterliege wieder der strengen Verwaltung und Kontrolle der Streitkräfte.
Dass der Iran seine Entscheidung zur Öffnung der Straße von Hormus so schnell rückgängig gemacht hat, kam nicht überraschend. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte bereits gewarnt, die Meerenge werde nicht offen bleiben, wenn die USA weiter iranische Häfen blockierten. Er reagierte damit auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social, die Blockade bleibe "bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran" bestehen.
In der Erklärung des Iran hieß es nun, wegen der Blockade sei die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder in den früheren Zustand zurückgekehrt. Daran ändere sich nichts, solange die Vereinigten Staaten die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit von Schiffen vom Iran zu ihrem Bestimmungsort und von ihrem Bestimmungsort zurück in den Iran nicht wiederherstellten.
Die Revolutionsgarde drohte für den Fall einer Missachtung der Sperre mit Konsequenzen. Das US-Militär teilte seinerseits mit, weiter gegen Schiffe vorzugehen, die iranische Häfen anlaufen oder von dort ablegen wollen. Am Mittwoch endet die Feuerpause zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits.
Trump lässt sich nach eigenen Angaben nicht von der iranischen Blockade der Straße von Hormus unter Druck setzen. Teheran gehe seit Jahren so vor – "damit können sie uns nicht erpressen", sagte er vor Journalisten im Weißen Haus und betonte, dass beide Seiten weiterhin verhandelten. "Wir führen derzeit sehr gute Gespräche. Es läuft wirklich sehr gut", sagte er. Bis zum Ende des Tages könnte es einige neue Erkenntnisse geben.
Angesprochen darauf, dass der Iran weiterhin erhebliche Unterschiede in den Positionen sehe, sagte Trump Reportern: "Nun, das könnte sein. Warten wir ab." Er glaube aber nicht, "dass es allzu viele wesentliche Unterschiede gibt". Einer der zentralen Streitpunkte ist der Umgang mit dem hoch angereicherten Uran des Iran.
Trump hat immer wieder angeblich bevorstehende Erfolge in Gesprächen in dem Konflikt beschworen. Der Sender CBS News zitierte ihn aus einem Telefoninterview mit der Aussage, die USA würden für die Bergung der Uran-Vorräte mit dem Iran zusammenarbeiten. "Unsere Leute werden gemeinsam mit den Iranern arbeiten, um es zu holen. Und dann bringen wir es in die Vereinigten Staaten."
Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai wies das sofort zurück. "Der Transfer von Uran in die USA war nie eine Option und stand auch nicht zur Debatte", sagte er laut Nachrichtenagentur Tasnim. Einen Termin für die Wiederaufnahme der am vergangenen Sonntag ergebnislos abgebrochenen Gespräche gibt es nicht, aber ein wichtiges Datum. Nach unbestätigten US-Medienberichten könnten die Unterhändler am Montag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad erneut zusammenkommen.