"Artemis II": Rekordflug und neue Bilder vom Mond
Die Crew der Mondmission "Artemis II" ist seit Dienstag auf ihrem Weg zurück zur Erde. Zuvor hatte sie den Mond umrundet und eine Sonnenfinsternis im All und die Erde hinter dem Mond aufgehen sehen. Die drei Astronauten und die Astronautin an Bord des "Orion"-Raumschiffs waren während ihres Fluges so weit von der Erde entfernt wie kein Mensch vor ihnen.
"Artemis II" war lange unter keinem guten Stern gestanden, es gab technische Probleme im Vorfeld. Umso erleichterter fiel die Zwischenbilanz der US-Weltraumbehörde NASA am Dienstag aus, in den internationalen Medien fand der erste bemannte Flug in Richtung Mond seit Langem sein Echo.
Die Crew der "Artemis II"-Mission habe einen "historischen Vorbeiflug am Mond" absolviert, meldete die NASA, dieser habe sieben Stunden gedauert und sei die erste Rückkehr zum Mond seit 1972 gewesen. Allerdings erfolgte keine Landung wie damals bei "Apollo 17".
Die "Beobachtungsphase" sei beendet, teilte die NASA am Montag um 21.35 Uhr US-Ostküstenzeit (EDT, 3.35 Uhr MESZ) mit, nun gehe es zurück zur Erde, noch am Dienstag werde die "Orion"-Kapsel die Einflusssphäre des Mondes verlassen. Die Rückreise wird bis Ende der Woche dauern.
Die Raumkapsel bewegte sich am Montag in einer Distanz zur Erde, die nie zuvor eine Mensch erreicht hatte. Den bisherigen Rekord von 400.171 Kilometern hatte die "Apollo 13"-Mission im Jahr 1970 aufgestellt. Die "Artemis II"-Crew erreichte ihre geplante maximale Distanz von 406.771,35 Kilometern zur Erde.
Für 40 Minuten fiel – geplanterweise – der Funkkontakt aus, als sich die "Orion"-Kapsel auf der zur Erde abgewandten Seite des Mondes befand. Gegen 19.00 Uhr EDT führte ihr Flug die Astronauten am Montag auf rund 6.545 Kilometer an den Mond heran.
Die Crew, bestehend aus den US-Amerikanern Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und dem Kanadier Jeremy Hansen, war in der Nacht auf Donnerstag (MESZ) an Bord der "Orion"-Kapsel mit dem Raketensystem "Space Launch System" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) abgehoben.
Montagabend beobachteten die vier Astronauten auch den "Erdaufgang", den Augenblick, an dem die Erde hinter der Mondoberfläche aufsteigt. Danach folgte laut NASA eine etwa eine Stunde lange Sonnenfinsternis, währen der die "Orion"-Raumkapsel, der Mond und die Sonne in einer Linie standen.
Wenn es nun zurück auf die Erde geht, verlässt das "Orion"-Raumschiff erst die Einflussspäre (Sphere of influence, SOI) des Mondes, die sie am Montag erreicht hatte. Dort wirkt die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff als die der Erde. Beim Rückflug wird es umgekehrt sein.
Der Flugverlauf von "Artemis II" gleicht insgesamt einem Achter um Erde und Mond. Die Crew wird laut NASA von Start bis zur Landung eine Distanz von rund 1,1 Millionen Kilometern zurückgelegt haben. Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong.
Als bisher letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 verstorbene NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der "Apollo 17"-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bisher einziges Land mit den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.
Während ihrer bisher sechstägigen Reise hatten die Astronauten auch Gelegenheit, den Mond so zu sehen, wie man ihn bisher nur von Bildern unbemannter Weltraumflüge kannte. Die NASA veröffentlichte etwa ein Foto, auf dem das Mare Orientale des Mondes zu sehen ist.
"Wir konnten zum ersten Mal die Rückseite des Mondes sehen, und es war einfach spektakulär", sagte US-Astronautin Koch. Die letzten Bilder der Rückseite des Mondes wurden vor rund drei Jahren von einer südkoreanischen Mondsonde gemacht.
Bereits am Samstag hatte die NASA ein von der Raumkapsel aufgenommenes Foto von der Erde veröffentlicht. Hansen sagte der Kanadischen Weltraumbehörde (CSA) bei einem Videoanruf, er habe von Bord der "Orion" aus "außergewöhnliche Dinge" gesehen. "Als wir kurz geschlafen hatten und wieder aufwachten, war die Erde schon so weit weg."
Der Start der krisengeplagten Mission "Artemis II" war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden. "Artemis II" ist der erste bemannte Mondflug seit 1972 und baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission "Artemis I" im Jahr 2022 auf. Die aktuelle Reise dauert insgesamt zehn Tage, am Samstag soll die Raumkapsel planmäßig zur Erde zurückkehren und im Meer landen.
Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für den Kanadier Hansen der erste. Die US-Amerikanerin Koch ist die erste Frau an Bord einer Mondmission der NASA, ihr Landsmann Glover die erste nicht weiße Person und Hansen der erste Kanadier.
US-Präsident Donald Trump gratulierte der Crew und lud sie nach ihrer Landung auf der Erde zu einem Empfang ins Weiße Haus ein. "Ich freue mich darauf, euch im Oval Office zu sehen", sagte er während einer Liveschaltung mit der Crew, die er als "moderne Pioniere" bezeichnete.
Die vier Astronauten benannten während ihres Fluges um den Mond einen zuvor namenlosen Mondkrater nach der Ehefrau ihres Kommandanten Wiseman. Der Krater – ein "heller Punkt auf dem Mond" – solle von nun an Carroll-Krater heißen, sagte Hansen. Damit solle an die 2020 im Alter von 46 Jahren an Krebs verstorbene Ehefrau Wisemans erinnert werden.