Bürgerinitiative kritisiert Gletscherspektakel
Die Bürgerinitiative Feldring kritisiert das Gletscherspektakel "Hannibal" am Rettenbachferner in Sölden. Kritisiert werden vor allem die ökologischen Auswirkungen von Pyrotechnik und CO2-Ausstoß. Der exzessive Diesel- und Kerosinverbrauch sei "aus der Zeit gefallen".
Der Rettenbachferner verliere durch den Klimawandel ständig an Substanz, so die Bürgerinitiative in einer Aussendung am Montag. Neben dem regulären Skibetrieb müsse er auch zahlreiche Großevents verkraften. Besonders problematisch ist aus Sicht der Bürgerinitiative der intensive Einsatz von Pyrotechnik. Alles, was in der Luft explodiert, gelange wieder auf den Boden und damit auch auf den Gletscher. In Feuerwerkskörpern enthaltene Schwermetalle würden sich im Eis ablagern und mit dem Schmelzwasser wieder zutage treten. Einige dieser Stoffe seien hochtoxisch, so die Bürgerinitiative.
Zurzeit werde auf allen Ebenen versucht, fossile Treibstoffe einzusparen. Der exzessive Verbrauch von Diesel und Kerosin für ein Event, das aus Sicht der Bürgerinitiative aus der Zeit gefallen ist, sei dabei sicher kein geeignetes Signal. Nach KI-generierten Schätzungen würden bei der "Hannibal"-Inszenierung mehr als 100 Tonnen CO2 freigesetzt, so Initiativen-Sprecher Gerd Estermann.
"Als promovierter Chemiker mit Schwerpunkt Umweltanalytik sehe ich im Zusammenhang mit der eingesetzten Pyrotechnik neben der Feinstaubbelastung im Publikumsbereich eine erhebliche Gefahr für den Gletscher und sein Schmelzwasser durch den schwermetallhaltigen "Fallout" der Feuerwerkskörper", so Estermann. Es stelle sich auch die Frage, auf welcher Grundlage für "Hannibal" eine naturschutzrechtliche Genehmigung erteilt wurde und ob diese in Zukunft noch vertretbar sei.
Die Bürgerinitiative Feldring stellte neben den Umweltaspekten auch die Frage, ob ein martialisch inszeniertes Kriegsspektakel angemessen sei in Zeiten, in denen in Europa wieder ein bewaffneter Konflikt stattfindet. "25 Jahre sind genug", so Gerd Estermann, Sprecher der Bürgerinitiative. Nachhaltigkeit bedeute auch, auf bestimmte Inszenierungen zu verzichten. Dieses Bewusstsein sollte auch in Sölden ankommen, so die Initiative.