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„Artemis II“: Kein Mensch war je weiter von Erde entfernt

„Artemis II“: Kein Mensch war je weiter von Erde entfernt

"Artemis II": Kein Mensch war je weiter von Erde entfernt

Die Crew der "Artemis II"-Mondmission hat sich weiter von der Erde entfernt als jemals Menschen zuvor. Die vier Astronauten knackten mit ihrer "Orion"-Kapsel am Montag den 1970 aufgestellten Rekord der "Apollo 13"-Mission von rund 400.171 Kilometern, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte.

Mit ihrer Mission wollten sie auch alle ihre Vorgänger in der bemannten Raumfahrt ehren, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen. "Wir wählen diesen Moment, um diese Generation und die nächste herauszufordern sicherzustellen, dass dieser Rekord nicht lange hält." Das Kontrollzentrum gratulierte den vier Astronauten.

Die Crew – bestehend aus den US-Amerikanern Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und dem Kanadier Jeremy Hansen – war in der Nacht auf Donnerstag (MESZ) an Bord der "Orion"-Kapsel mit dem Raketensystem "Space Launch System" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben. In der vergangenen Nacht hatte "Orion" den Punkt erreicht, an dem die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff wirkt als die der Erde.

Der Flugverlauf von "Artemis II" gleicht insgesamt einem Achter um Erde und Mond. Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong.

Als bisher letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der "Apollo 17"-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bisher einziges Land mit den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

Die NASA veröffentlichte ein Foto, auf dem das Mare Orientale des Mondes zu sehen ist. "Diese Mission markiert das erste Mal, dass das gesamte Becken mit bloßem Auge gesehen werden kann", erklärte die US-Raumfahrtbehörde. Der dabei fotografierte Krater wird auch als "Grand Canyon des Mondes" bezeichnet. "Wir konnten zum ersten Mal die Rückseite des Mondes sehen, und es war einfach spektakulär", sagte US-Astronautin Koch.

"Es ist ein ganz besonderes Kratergebiet, und bis heute hatte es tatsächlich noch kein Mensch gesehen", sagte Koch in einer Sendung für Kinder in Kanada. "Wir hatten das Privileg, es zu sehen", die gesamte Crew sei darüber begeistert gewesen. Die letzten Bilder der Rückseite des Mondes wurden vor rund drei Jahren von einer südkoreanischen Mondsonde gemacht.

Zuvor war am Montag das Eintreten in die Einflusssphäre (Sphere of influence, SOI) der Schwerkraft des Mondes der nächste Meilenstein der "Artemis II"-Mission. Läuft weiter alles planmäßig, umkreisen die Astronauten den Mond und stellen dabei einen neuen Rekord auf, indem sie sich dabei weiter von der Erde entfernen als je ein Mensch zuvor.

Bereits am Samstag hatte die NASA ein von der Raumkapsel aufgenommenes Foto von der Erde veröffentlicht. Zuvor hatte die Raumfahrtbehörde um 6.00 Uhr (MESZ) die Crewmitglieder informiert, dass sie bereits mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt haben.

Der kanadische Astronaut Hansen sagte der Kanadischen Weltraumbehörde (CSA) am Samstag bei einem Videoanruf, er habe von Bord der "Orion" aus "außergewöhnliche Dinge" gesehen. "Als wir kurz geschlafen hatten und wieder aufwachten, war die Erde schon so weit weg."

Der Start der krisengeplagten Mission "Artemis II" war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden. "Artemis II" ist der erste bemannte Mondflug seit 1972 und baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission "Artemis I" 2022 auf.

An Bord der "Orion"-Kapsel soll die Crew etwa zehn Tage im All verbringen und um den Mond herum fliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufkommen soll. Eine Landung auf der Mondoberfläche ist nicht geplant.

Der Flugverlauf gleicht insgesamt einem Achter um Erde und Mond. Am weitesten Punkt sollen sich die vier fast 400.000 Kilometer von der Erde entfernt etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen.

Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für den Kanadier Hansen der erste. Die US-Amerikanerin Koch ist die erste Frau an Bord einer Mondmission der NASA, ihr Landsmann Glover die erste nicht weiße Person und Hansen der erste Kanadier. Die vier Astronauten sind als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren auf dem Weg zum Mond.

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