Iran schoss US-Kampfjet ab: Verbleib von Kopilot weiter unklar
Der Verbleib des Waffensystemoffiziers eines vom Iran abgeschossenen US-Kampfjets bleibt auch am Samstag weiter unklar. Der Pilot konnte nach dem Abschuss am Freitag laut Angaben der USA gerettet werden, die Suche nach der zweiten Person läuft. Der Iran schrieb unterdessen eine Belohnung für Hinweise auf den Vermissten aus. Damit steigt der Druck auf US-Präsidenten Donald Trump. Die USA äußerten sich bisher nur wenig zu dem Vorfall.
Der Iran hatte am Freitag erklärt, einen Kampfjet über seinem Territorium abgeschossen zu haben. "Ein feindlicher amerikanischer Kampfjet ist im zentraliranischen Luftraum von dem Luftverteidigungssystem der Luftstreitkräfte der iranischen Revolutionsgarde getroffen und zerstört worden", erklärte die Kommandozentrale der iranischen Streitkräfte. "Der Jet wurde vollständig vernichtet, die weitere Suche dauert an."
US-Medien berichteten, der abgeschossene Kampfjet sei vom Typ F-15E, der üblicherweise zwei Besatzungsmitglieder hat: den Piloten und einen Waffensystemoffizier. Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das von US-Spezialeinheiten bei einem sofort gestarteten Such- und Rettungseinsatz geborgene Besatzungsmitglied medizinisch versorgt. Nach der zweiten Person wird gesucht, das Weiße Haus äußerte sich bisher nur wenig dazu.
Nach fünf Wochen Kampfhandlungen war es laut iranischen Angaben und US-Medienberichten nicht der einzige Rückschlag, den die Vereinigten Staaten am Freitag erlitten: Der Iran habe auch ein US-Kampfflugzeug vom Typ A-10 in der Region des Persischen Golfs nahe der Straße von Hormus getroffen.
Wie die Sender NBC News und CBS News unter Berufung auf US-Beamte berichteten, unterstützte die Maschine eine Such- und Rettungsmission, nachdem der Iran zuvor den Kampfjet vom Typ F-15E über seinem Territorium abgeschossen hatte. Der Pilot des Flugzeugs vom Typ A-10 schaffte es mehreren US-Medien zufolge, seine beschädigte Maschine in den Luftraum Kuwaits zu steuern und sich in Sicherheit zu bringen.
Staatliche iranische Sender riefen laut BBC die Bevölkerung dazu auf, den Vermissten "lebendig zu fassen", und setzten Belohnungen aus. Iranische Medien berichteten über eine Belohnung von rund 57.000 Euro – ein Vielfaches des durchschnittlichen Monatsgehalts in dem Land, das laut BBC zwischen 170 und 260 Euro liegt. Kurz darauf tauchten Videos auf, die bewaffnete Zivilisten in zwei südlichen Provinzen bei der Suche zeigten.
Der Iran traf nach Informationen von NBC News und der "Washington Post" auch zwei Black-Hawk-Hubschrauber, die laut BBC ebenfalls an den Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt waren. Soldaten seien verletzt worden, konnten sich aber in Sicherheit bringen, hieß es.
Der Iran teilte mit, beim Abschuss ein neuartiges Luftabwehrsystem eingesetzt zu haben. Details wurden keine genannt. Es ist extrem selten, dass ein US-Kampfjet abgeschossen wird: Laut BBC sei das in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Male passiert.
Zwar seien drei Jets im März bei einem "offenbar durch eigenes Feuer verursachten Zwischenfall" abgeschossen worden. Davor soll es nur 2011 zu einem Jetabsturz in Libyen gekommen sein, außerdem wurden 2003 zwei Kampfflugzeuge im Irak abgeschossen.
Die Vorfälle stellen eine weitere Eskalation des von den USA und Israel begonnenen Krieges dar. Das setzt Trump unter Druck. Er und sein Team hatten zuletzt den Eindruck erweckt, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fürchten mussten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt, hieß es.
Die USA hielten sich nach den Rückschlägen zuerst sehr bedeckt. Auf die Frage, was er tun würde, falls das noch gesuchte, andere Crewmitglied vom Iran gefangen genommen oder verletzt werden sollte, sagte Trump laut der britischen Zeitung "The Independent" in einem Telefoninterview: "Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil – wir hoffen, dass das nicht passieren wird." Etwaige Gespräche mit dem Iran sieht Trump durch den Absturz des Kampfjets NBC News zufolge nicht beeinflusst.