Gletscher zwischen Nostalgie und Realität
Ein Fotobuch und ein Kurzfilm sind die Ergebnisse der Auseinandersetzung einer jungen Unterländer Künstlerin mit Gletschern, wie sie ihr Großvater kannte und, wie sie sie heute wahrnimmt. Die analogen Arbeiten halten eine Landschaft so fest, wie es sie bald nicht mehr geben wird.
Seit 2021 besucht Nina Allmoslechner aus Reith bei Kitzbühel gemeinsam mit ihrem Vater jährlich den Pasterzegletscher am Großglockner, um ihn zu fotografieren. "Ich war schockiert, wie sich der Gletscher sogar in diesen fünf Jahren verändert hat", schilderte die 28-jährige Fotografin. 2021 sei es noch einfach möglich gewesen, dem Gletschereis nahe zu kommen. Jetzt brauche man dafür aufgrund des Schmelzwassers einen Bergführer oder eine Bergführerin.
Was als Ausflug von Tochter und Vater begann, wurde schließlich zu einem Foto- und Filmprojekt. Den Ausschlag dafür gab ihr in Salzburg lebender Großvater Widolf Allmoslechner, der in den 1970er Jahren Ausflüge mit dem Alpenverein in privaten Aufnahmen filmisch dokumentierte.
"Er hat damals wahrscheinlich nicht wirklich gewusst oder nicht wahrgenommen, was er eigentlich macht. Und er hat die Emotionen am Berg mit der Kamera eingefangen", sagt sein Sohn Andreas Allmoslechner.
Standbilder aus diesen Aufnahmen stellte Nina Allmoslechner im Fotobuch "When White Blankets" ihren eigenen analogen Fotografien des Pasterze- und Kitzsteinhorngletschers gegenüber.
Als Brücke zwischen den Generationen fungiere ihr Vater, der seine Kindheitserinnerungen festhielt, erklärte die Künstlerin. "Er ist im Buch unser Narrator, der uns durch die Story begleitet", so die 28-Jährige. "Ich erinnere mich noch genau an eine Bergtour in den Zillertaler Alpen", schreibt Andreas Allmoslechner. Auf der Berliner Hütte habe er als Bub ein Bild gesehen, das die Hütte zeigt, die direkt am Rand des Gletschers gebaut wurde.
"Jahre später, als wir raufgegangen sind, war sie schon weiß Gott wie weit weg. Der Gletscher ist damals geschmolzen. Und jetzt ist natürlich von dem Gletscher praktisch nichts mehr sichtbar", erzählt Allmoslechner im ORF Tirol-Interview.
Neben den Erinnerungen des Vaters kommen weitere begleitende Texte von der Tiroler Gletscherforscherin Andrea Fischer und der Hochschuldozentin für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie, Jennifer Good.
Wie ihr Großvater arbeitet Nina Allmoslechner mit analogen Technologien. "Ich habe das analoge Fotografieren in London für mich entdeckt, wie meine Zuflucht in der Dunkelkammer gefunden und realisiert habe, dass Fotografie nicht nur etwas ganz Schnelllebiges sein kann, sondern etwas Therapeutisches, Beruhigendes und Stilles." Die Fotos entwickelt sie selbst in einem Labor in London.
Buchpräsentation mit Nina Allmoslechner im Gespräch mit Skitourismusforscher Günther Aigner und Andreas Allmoslechner.
24. April 2026, 18.30 Uhr, Museum Kitzbühel.
Der Titel des Fotobuchs "When White Blankets" sei eine Referenz auf ihre Lieblingsautorin Patti Smith, erzählt Allmoslechner. Sie habe Schnee in einem Text als "White Blanket", also "Weiße Decke" bezeichnet – eine weiße Schneedecke, die den Gletscher schütze, die aber zunehmend verschwinde, sagte die Allmoslechner. Als neue Decken halten in Gletscherskigebieten Textilien her, mithilfe derer Schnee und Eis konserviert werden. Auch sie könne man als "White Blankets" bezeichnen, meinte Allmoslechner.
Nina Allmoslechner ist Fotografin und Filmemacherin. Sie lebt in London und Reith bei Kitzbühel. 2026 soll ein Kurzfilm aus den Aufnahmen ihres Großvaters Widolf entstehen.