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Israel: Laridschani bei Angriff in Teheran getötet

Israel: Laridschani bei Angriff in Teheran getötet

Israel: Laridschani bei Angriff in Teheran getötet

Der zur engsten Führungsriege zählende Chef des iranischen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, ist laut israelischen Angaben bei einem Luftangriff in der iranischen Hauptstadt Teheran getötet worden. Wie der israelische Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros sagte, sei Laridschani in der Nacht auf Dienstag bei einem gezielten Angriff ums Leben gekommen.

Der 67-Jährige ist der ranghöchste Vertreter des Iran, der seit dem Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag der israelisch-amerikanischen Luftangriffe, ums Leben gekommen.

Laridschani war langjähriger Begleiter und Berater von Chamenei und wurde im August 2025 auf den gewichtigen Posten im Sicherheitsrat berufen. Laridschani war bereits 2005 bis 2007 Sekretär des Sicherheitsrats.

Die israelische Armee teilte mit, Generalstabschef Ejal Samir habe mit Blick auf nächtliche Angriffe im Iran von "bedeutenden präventiven Erfolgen" gesprochen. Diese hätten "das Potenzial, die operativen Ergebnisse und die Ziele der israelischen Armee zu beeinflussen", sagte Samir, ohne sich konkret auf Laridschani zu beziehen.

Eine Stellungnahme aus Teheran lag nicht vor. Iranische Staatsmedien veröffentlichten am Dienstag vielmehr eine handschriftliche Notiz von Laridschani. Darin gedenkt er der bei einem US-Angriff getöteten Seeleute, die im Laufe des Dienstag beigesetzt werden sollen.

Der Sicherheitsrat des Iran befasst sich mit Fragen der nationalen Sicherheit, der Landesverteidigung und des Schutzes der Islamischen Revolution. Neben dem Präsidenten als Vorsitzendem gehören dem Gremium mit rund einem Dutzend Mitgliedern mehrere Minister und Generäle an.

Der Generalsekretär ist Gesandter des obersten Führers. Der Rat kann Entscheidungen treffen, ohne das Parlament einzubeziehen, die nach Zustimmung des obersten Führers endgültig sind. Ein wiederkehrendes Thema ist das iranische Atomprogramm.

Laridschani studierte Mathematik und galt als "Mann des Systems", vertrat in den vergangenen Jahren jedoch auch wiederholt moderatere Positionen. Wie viele heutige Politiker machte er zunächst Karriere bei der Revolutionsgarde und stieg bis zum Brigadegeneral auf, ehe er Anfang der 90er Jahre aus dem aktiven Dienst ausschied.

Nach Angaben des Exilmediums Iranwire habe Laridschani eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der jüngsten Massenproteste gespielt. Zugleich, so zitierte das Portal einen Insider, habe Laridschani an "kulturelle und wirtschaftliche Reformen sowie an diplomatische Annäherung ähnlich den Reformen in China" geglaubt. Die USA belegten den Funktionär wegen seiner Rolle bei der Unterdrückung der jüngsten Proteste mit Sanktionen.

Nur kurz vor Bekanntgabe von Laridschanis Tod meldeten Israels Streitkräfte, den Kommandeur der iranischen Basidsch-Miliz, Brigadegeneral Gholamresa Soleimani, getötet zu haben. Die von Soleimani angeführte Miliz spielte den israelischen Angaben zufolge eine Schlüsselrolle in der Niederschlagung der Proteste.

Die nach der Islamischen Revolution 1979 gegründete paramilitärische Miliz ist Teil der mächtigen Revolutionsgarde, ihr sollen mehrere hunderttausend systemtreue Anhänger angehören. Der Angriff auf Soleimani sei am Montag in Teheran erfolgt, hieß es in der Mitteilung des Militärs.

Seit Beginn des gemeinsam mit den USA geführten Krieges gegen den Iran hat Israel Dutzende hochrangige Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, allen voran den obersten Führer Ali Chamenei. Berichten zufolge sei auch sein Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei bei einem Angriff verletzt worden. Der 56-Jährige ist in seiner neuen Rolle noch nie öffentlich aufgetreten.

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