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Dramatische Entwicklung bei Gletschern

Dramatische Entwicklung bei Gletschern

Dramatische Entwicklung bei Gletschern

Die Gletscher befinden sich im "Todeskampf" vom Schwund zum Zerfall, so dramatisch formuliert es der Alpenverein bei der Vorstellung des jährlichen Gletscherberichtes am Freitag. Österreichweit gingen im Messzeitraum bis Ende September des Vorjahres 94 von 96 Gletschern zurück, im Schnitt um 20 Meter Länge. Das ist der achtschlechteste Wert in der 135-jährigen Messgeschichte.

Unter 17 vermessenen Gletschern in Kärnten ist diesmal das Kleinelend-Kees in der Ankogelgruppe negativer Spitzenreiter: 56 Meter Länge verlor das Kees. Die Pasterze unterhalb des Großglockners zog sich um 54 Meter Länge zurück. Gleichzeitig verlor sie mehr als sieben Meter an Höhe.

Noch ist die Pasterze Österreichs größter Gletscher, aber voraussichtlich nicht mehr lange, sagte der Leiter des Gletschermessdienstes, Andreas Kellerer-Pirklbauer: "Wenn dann wirklich diese Eiszunge unten abbricht im Bereich des Hufeisenbruchs, das ist ja schon was, was seit ein paar Jahren herumspukt. Noch hält die Verbindung, das wird vielleicht in ein, zwei Jahren sein, dann haben wir dort einen Längenverlust von mehreren Kilometern. Das heißt dann auf einmal ein großer Rückzug dieses Eises und das wird dann dramatisch sein."

Dramatisch stuft die Entwicklung auch Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Alpenvereins, ein: "Es ist ein kontinuierliches Verschwinden und die österreichischen Alpen und die österreichischen Gletscher befinden sich ein Stück weit tatsächlich in einem Todeskampf." Im Schnitt war das vergangene Gletscherjahr um zwei Grad zu warm und es fiel um ein Viertel zu wenig Niederschlag.

In der Folge zog sich auch Österreichs südlichster Gletscher, das Eiskar in den Karnischen Alpen, um weitere 1,6 Meter zurück. Einzig der Rote Knopf in der Schobergruppe wurde als stabil eingestuft. Das sei einem Zufall geschuldet, sagte Gletscherforscher Gerhard Lieb: "Meistens beruhen diese Zufälligkeiten darauf, dass Lawinenschnee aus dem Winter zufällig auf diesen Gletschern zu liegen kommt und die daher in dem Einzeljahr nicht an Fläche verlieren."

Insgesamt sei der Zerfall der Gletscher nicht mehr aufzuhalten. Kellerer-Pirklbauer: "Im Jahr 2050 – ungefähr in diesem Bereich – da wird es wohl so sein, dass wir den Gletscher endgültig in Österreich nur mehr in aller, aller geschützten Lagen vielleicht noch erleben dürfen, aber sonst sicher nicht mehr." Der Alpenverein fordert effektivere Klimapolitik. Die entstehenden eisfreien Gletschervorfelder müssten als wertvolle Ökosysteme bedingungslos geschützt werden.

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