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Roland Weißmann: Vom Landesstudio an die Spitze

Roland Weißmann: Vom Landesstudio an die Spitze

Roland Weißmann: Vom Landesstudio an die Spitze

Wenige Wochen vor dem programmierten Highlight seiner Intendanz muss ORF-Generaldirektor Roland Weißmann den Abstieg vom Küniglberg antreten. Statt beim Eurovision Song Contest den Sender zu repräsentieren, wird sich der demnächst 58-Jährige in naher Zukunft juristisch gegen Vorwürfe sexueller Belästigung gegenüber einer Mitarbeiterin wehren müssen.

Regulär wäre Weißmanns Amtszeit noch bis Jahresende gegangen. Eine Wiederwahl durch den Stiftungsrat bei einer neuerlichen Kandidatur galt zumindest nicht als sicher.

Weißmann war formell vom Stiftungsrat gewählt worden, kam faktisch mit Unterstützung der ÖVP in diese Funktion. Im üblichen Namedropping im Vorfeld von Generaldirektorenwahlen wurden auch andere Personen als mögliche Kandidaten der ÖVP genannt.

Weißmanns Laufbahn im ORF startete im Landesstudio Niederösterreich. Geboren und aufgewachsen in Oberösterreich zog es ihn zum Studium der Geschichte und Publizistik nach Wien. Nach diversen Volontariaten auch im Printbereich begann Weißmanns Fernsehlaufbahn im Landesstudio Niederösterreich.

Von dort ging es zunächst nicht steil, aber stetig bergauf. Nach einem Zwischenstopp in Wien als Chef vom Dienst bei Ö3 und stellvertretendem Chronik-Ressortleiter im ORF-Radio wechselte Weißmann 2003 als Wort-Chef zurück nach Niederösterreich.

Knapp ein Jahrzehnt später folgte er dem damaligen Direktor Richard Grasl als Büroleiter in die Finanzdirektion des ORF. Später wurde Weißmann zum Chefproducer, Vizefinanzchef und schließlich zum Geschäftsführer von ORF.at.

Als schließlich 2021 die Wahl zum Generaldirektor anstand, stieg Weißmann – von der ÖVP mit solider Mehrheit ausgestattet – in den Ring und beendete die Amtszeit von Alexander Wrabetz. Er selbst, der nicht nur im bürgerlichen Lager als gut vernetzt gilt, betonte freilich stets, nie einer Partei angehört zu haben und das auch nicht für die Zukunft zu planen.

Seine Amtszeit als ORF-Chef verlief zumindest nach außen eher unspektakulär. Einen doch recht rigiden Sparkurs konnte Weißmann ohne gröbere interne Proteste durchbringen. Als wichtigster Erfolg Weißmanns bleibt wohl, dass die damalige ÖVP-Grünen-Regierung die ORF-Finanzierung mit der Umstellung von der gerätegebundenen Gebühr auf die Haushaltsabgabe – eine Neuaufstellung der Finanzierung war nach einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs nötig – auf neue Beine stellte.

Außerdem wurde im Sommer 2022 der Multimediale Newsroom aktiviert. Damit wurden die tagesaktuellen österreichweiten Nachrichtenredaktionen und Ressorts von TV, Radio und Online zentral in einem Gebäude am Standort Küniglberg angesiedelt und die Kooperation verstärkt.

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